Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

zur Detailseite

Neubau der Universitätsbibliothek auf dem Campus Firmanei in Marburg

Preisträger

1. Preis: sinning architekten, Darmstadt und Angela Bezzenberger, Darmstadt

€ 70.000

Norbert Sinning
Mitarbeit: Franziska Marcus, Reinhold Moritz, Masooneh Mostaan
mit HL-Technik, Münden, Herr Daniels
Bollinger & Grohmann, Frankfurt/Main (Tragwerksplanung)
I. Ronig, Darmstadt

2. Preis: pbr Planungsbüro Rohling AG, Frankfurt und Kuttner + Kahl Landschaftsarchitekten, Hamburg

€ 48.000

Heinz Enstrup
Karin Kuttner, Carsten Kahl
Mitarbeit: Mark Schosland
Fachberater: energydesign, Braunschweig, Carsten Bremer

3. Preis: Reimar Herbst/Angelika Kunkler Architekten, Berlin & Kamel Louafi Landschaftsarch., Berlin

€ 31.000

Mitarbeit: Nikolaus Steinke, Emilie Schmid
Patrick Bairstow
Fachberater: WINTER Ingenieure GmbH, Berlin (TGA)
RUFFERT&PARTNER GmbH, Berlin (Statik)

4. Preis: kellner schleich wunderling architekten+stadtplaner und h.w. mohrmann, raumplan, Hannover

€ 24.000

Mitarbeit: Matthias Buchmeier, Christian Ostendirf 
Fachberater: drewes + speth, raumplan, beratende ingenieure, Hannover

5. Preis: Bär, Stadelmann, Stöcker Architekten, Nürnberg/bgc Architekten, Mannheim/WGF Objekt GmbH, Nürnberg

€ 19.000

Friedrich Bär, Bernd Stadelmann, Rainer Stöcker
Karin Scheferhoff
Franz Hirschmann, Heidi Lehner
Mitarbeit: Markus Altmann, Lena Trummer, Banko Bankov, Michael Brand

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Begrenzt offener, zweiphasiger städtebaulicher Ideen- und Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 12.03.2009
Ort Marburg
Auslober Land Hessen
Betreuung PMA Projektmanagement Aumann, München
Preisrichter Prof. Wolfgang Schulze, Verena Trojan, Ferdinand Heide (Vorsitz), Prof. Rainer Hascher, Prof. Arno Sighart Schmid, Prof. Dr. Werner Durth, Irene Bauerfeind-Roßmann, Marion Hammer-Frommann, Prof. Dr. Volker Nienhaus, Prof. Dr. Katharina Krause, Egon Vaupel

Stern für die Gutenberg-Galaxis 
Die neue Universitätsbibliothek Marburg

Auch wenn derzeit (wieder einmal) alle das Ende der Gutenberg-Galaxis prophezeien und die Bibliotheken durch eine paar E-Books ersetzt sehen – vor allem bei Hochschulen wird deutlich, wie wichtig Bibliotheken immer noch sind und wie sehr es auf ihre Qualität ankommt. Was sowohl die Sammlung als auch die Architektur betrifft.

In punkto Qualität wird die neue Universitätsbibliothek Marburg dank des Hochschulbauprogramms „HEUREKA“ bald weit vorne sein – und dank des Entwurfs des Darmstädter Architektenbüros von Norbert Sinning in Kooperation mit der Landschaftsarchitektin Angela Bezzenberger, ebenfalls Darmstadt. Sie schlagen einen lang gestreckten, trotz seiner Größe gut proportionierten, im Grundriss abgewinkelten Baukörper vor, der sich gut in die historische Bebauung einfügt und mit einem gläsernen Atrium den Übergang zum Alten Botanischen Garten akzentuiert. Mit 10:1 Stimmen votierten die Preisrichter unter Vorsitz von Ferdinand Heide unter den 30 Wettbewerbsteilnehmern, von denen acht in die engere Wahl kamen, für diesen Entwurf. Auf den zweiten Platz kam das Frankfurter Planungsbüro Rohling AG in Zusammenarbeit mit Kuttner + Kahl Landschaftsarchitekten aus Hamburg. Sie setzen auf zwei frei gestaltete Baukörper und eine großzügige Platzfläche als Mitte. Auch der dritte Preisträger, Reimar Herbst / Angelika Kunkler Architekten und Kamel Louafi Landschaftsarchitekten, alle Berlin, verteilen das Volumen der Bibliothek auf zwei Gebäude mit markanten Pfeilerreihen.

Die rund 108 Millionen Euro teure Universitätsbibliothek wird das Herzstück des innerstädtischen Campus Firmanei. Dort werden die sozial- und geisteswissenschaftlichen Studiengänge zusammengefasst. Die Studierenden sollen von den mehr frei zugänglichen Beständen der Bibliothek und den erweiterten Öffnungszeiten profitieren.

Sie profitieren aber vor allem von den architektonischen Lösungen: Hinsichtlich des städtebaulichen Ideenteils, der zahlreiche gute Vorschläge für die Einbindung der anderen neuen und alten Gebäude den Campus Firmanei brachte. Und hinsichtlich des Siegerentwurfs: von der mehrgeschossigen, großzügig verglasten Halle mit ihrem polygonalen und geschwungenen Grundriss, die den Schnittpunkt der Wegebeziehungen bildet; von der Ausrichtung des neuen Gebäudes, das auf Schloss, Elisabethkirche und Kaiser-Wilhelm-Turm ausgerichtet ist und so einen städtebaulichen Zusammenhang herstellt; vom großzügigen Lesesaal, einer Vielzahl von Arbeitsplätzen und der guten Vernetzung der funktionalen Bereiche; von der Differenzierung in den Fassaden, zum Beispiel hin zum Botanischen Garten; und über die Verbindung der bestehenden Hautklinik über einen dreigeschossigen Verbindungsbau an die Bibliothek, bei der der Hof der Klinik aufgewertet wird, da er sich nun zum neuen Foyer hin orientiert.

Das Preisgericht empfahl den Rückbau des Sammlungshauses zu prüfen, und insbesondere beim lamellierten Fassadensystem wurde das vorgeschlagene Brettschichtholz als Material kontrovers diskutiert. Die Gutenberg-Galaxis bekommt einen neuen Stern – nicht virtuell, sonder ganz real. Bei dem man nicht über Open Access streiten muss, und bei dem man nicht vergisst, dass Bildung und Gelehrsamkeit ein Haus brauchen.