Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau eines Glockenturms, Hanau-Großauheim

Preisträger

1. Preis: Turkali Architekten, Frankfurt

€ 1.600

Prof. Zvonko Turkali
Mitarbeit: Dr. Jens Broszeit, Stefan Höpfinger,
Ulrich Hoffmann von Knapp-Herr, Patrick Hass

2. Preis: Krieg & Warth, Eichenzell

€ 900

Jürgen Krieg, Kerstin Warth

3. Preis: Bieling Architekten, Kassel

€ 500

Prof. Thomas Bieling

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Beschränkter Realisierungswettbewerb in Form eines Einladungswettbewerbs
Preisgerichtssitzung 12.03.2009
Ort Hanau-Großauheim
Auslober Katholische Kirchengemeinde Hl. Geist, Hanau-Großauheim
Betreuung Bischöfliches Generalvikariat, Fulda
Preisrichter Meinrad Ladleif (Vorsitz), Manfred Reith, Dr.-Ing. Burghard Preusler, Hans Dehm, Reinhard Schmitt

Mit Fernwirkung 
Ein Glockenturm für die katholische Kirchengemeinde Hl. Geist in Hanau-Großauheim

Glocken rufen die Gemeinde zusammen. Doch dieser rituellen Funktion eines Glockenturms kommt heute eher ein symbolischer Wert zu. Bei so manchem dürfte eine Erinnerungs-Email effektiver sein. Wichtiger für Kirchen ist in einem städtischen Umfeld neben dem akustischen das optische Moment: Denn Glockentürme bzw. das darauf angebrachte Kreuz markieren gerade bei architektonisch modernen Kirchen den religiösen Ort – und das vor allem weithin sichtbar.

Eine solche Fernwirkung hat der katholischen Kirchengemeinde Hl. Geist in Hanau-Großauheim gefehlt. Nachdem der Einladungswettbewerb mit vier Teilnehmern für eine Bauwerksplanung und eine Außenanlage abgeschlossen ist, sind aber zumindest die Weichen dafür gestellt, dass dieses Manko bald 40 Jahre nach der Einweihung der Kirche behoben wird.

Gewonnen hat den Wettbewerb Professor Zvonko Turkali aus Frankfurt. Er schlägt einen massiven, 14 Meter hohen Turm sowie Kolonnaden um einen Kirchhof vor. Auf den zweiten Platz kam das Büro Krieg & Warth aus Eichenzell, das auf Glocken hinter Glas setzte und dessen Entwurf in Proportionierung und Funktion zu überzeugen wusste. Platz drei ging an das Büro Bieling und Bieling aus Kassel, das die 70er-Jahre Architektursprache der Kirche aufgreift und Turm und Kirche auch durch Material und Positionierung geschickt verknüpft.

Diese Lösung führte im Preisgericht, das unter Vorsitz von Meinrad Ladleif aus Kassel tagte, zu einer Diskussion, inwieweit die Neubauten selbstständig auftreten sollten. Mit dem Siegerentwurf entschied man sich letztlich für die eigenständige Variante. Denn der massive Turm, die bewusst abgrenzenden Kolonnaden und der fast abgeschlossene Hof ergeben im Zusammenspiel mit den Bestandsgebäuden ein ganz eigenes, reizvolles Ensemble. Damit behauptet sich die Kirche auch städtebaulich in ihrem heterogenen Umfeld. Die Materialien sind mit Beton und Holz auf ein notwendiges Minimum reduziert. Und auch alle Gestaltungselemente wie Schallluken, Bepflanzung oder Fassade sind zurückhaltend eingesetzt und verstärken so die Gesamtwirkung. Dem Mehraufwand bei der Errichtung dürften geringere Unterhaltungs- und Pflegekosten gegenüberstehen, so die Schätzung des Preisgerichts.

Die Fernwirkung des Turmes qua Höhe ist das eine. Darüber hinaus aber wird sich das Ensemble selbstbewusst präsentieren. Das ist zwar in der Tradition des (katholischen) Kirchenbaus nichts wirklich Neues, aber in Zeiten, in denen die kirchlichen Alleinstellungsmerkmale merklich geschwunden sind, vermutlich doch ein elementares, nicht zu unterschätzendes Moment.