Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Rathausterrassen Weilburg

Preisträger

1. Preis: KSP Engel und Zimmermann Architekten GmbH, Frankfurt/Main

€ 26.000

Jürgen Engel
Mitarbeit: Gregor Gutscher, Andreas Hachulla, Verena Würtz, Thomas Alban, Seden Kemerdere, Sharif Zayed, Hee-Jung Yoon
Fachberater: Sommerland-Haase-Kuli, Gießen Raimund Haase

2. Preis: Sebastian Drewes, Kelvin K W Chu, London

€ 16.000

Mitarbeit: Julia Cano, Deena Fakhro, Michael Haller, Daewon Kwak, Friedrich Ludewig, Isabel de la Mora, Andreas Reeg, Teresa Yeh

3. Preis: Hascher + Jehle Planungsgesellschaft mbH, Berlin

€ 10.000

Prof. Rainer Hascher, Prof. Sebastian Jehle
Mitarbeit: Niklas Klonek, Michael Meier,
Christoph Towara, Frederyk Patron
Fachberater: Weidinger Landschaftsarchitekten, Berlin
Prof. Jürgen Weidinger, Fine Aufmkolk

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Einstufiger begrenzt offener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem EWR-weitem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 02.03.2009
Ort Weilburg
Auslober Magistrat der Stadt Weilburg zusammen mit Herrn Wolfgang Kunz
Betreuung Nassauische Heimstätte/NH Projektstadt in Zusammenarbeit mit MAS Meckel Architekten/Sachverständige, Frankfurt/Main
Preisrichter Prof. Thomas Dilger, Prof. Anett-Maud Joppien (Vorsitz), Manfred Michel, Hans–Peter Schick, Stefan Hastrich

Park & Hide 
In Weilburg entstehen ein neues Einkaufszentrum und Ärztehaus

Wenn es um Stadtreparatur geht, fallen meist die Stichworte „Hochhaus“, „Brücke“ oder „Parkhaus“ in der Kombination mit „1960er Jahre“. Dass aber ein Parkhaus aus dem Jahr 2005 in diesem Kontext auftaucht, ist doch eher selten. In Weilburg an der Lahn hat man diesen Fall mit dem Parkhaus am Landtor. Das war im Zuge des Hessentags 2005 gebaut worden, ist seitdem defizitär, weil überflüssig, und hat es deshalb 2008 gar ins „Schwarzbuch der Steuerzahler“ geschafft.

Aus dem Schaden klug geworden, ist man in Weilburg allerdings, hat die Kurskorrektor rasch eingeleitet. Ein begrenzt offener Realisierungswettbewerb, betreut von der Nassauischen Heimstätte/NH Projektstadt, sollte Klärung bringen, wie man die Infrastruktur der topographisch exponierten Barockstadt sinnvoll modernisieren kann – im Einklang mit dem Schloss, seinen Gärten und Terrassen sowie den zahlreichen Gründerzeitbauten und Fachwerkhäusern.

Nach Ansicht des Preisgerichts unter Vorsitz von Prof. Anett-Maud Joppien ist das unter den 13 Wettbewerbsteilnehmern dem Frankfurter Büro KSP Engel und Zimmermann gelungen. Einstimmig wählten sie einen Entwurf auf Platz eins, der sehr behutsam mit der Stadtsilhouette umgeht, die historischen Gärten auf den Terrassen wiederherstellt und die Stadtmauer in den Blick rückt. Platz zwei ging an Sebastian Drewes und Kelvin Chu aus London für einen landschaftsplanerisch ambitionierten Entwurf, bei dem der Stadtbalkon entlang der Mauerstraße im Anklang an die Schlossterrassen zu einer großzügigen Terrasse erweitert wird. Platz drei belegte das Berliner Büro Hascher + Jehle, dem gleichfalls die Einbindung der Bauten in eine differenzierte Terrassen- und Hanglandschaft gelingt.

Zu den Vorzügen des erstplatzierten Entwurfs zählt, dass fast alle Bauten im östlichen Teil angesiedelt sind, also viel Freiraum für Hangterrassen mit Natursteinmauern und begrünten Wänden entsteht und die Altstadtsilhouette unverstellt bleibt. Zentral erschlossen wird das Ganze beim Rathaus über zwei unterschiedlich große, prismatische Eingangsbauten, die den Knick im Felsplateau bzw. die historische Festungsmauer akzentuieren und sich zur Altstadt hin öffnen. Von hier aus geht es über eine Freitreppe in die Shoppingkaskaden der neuen Einkaufsgalerie. Im Tal ist dann das Ärztehaus angesiedelt, das sich in Materialität an der Stadtmauer orientiert und mit seinen zwei in sich versetzten Riegeln die Höhenstaffelung der Hänge vorweg nimmt. Gestalterisch hatten die Preisrichter hier Einwände, fanden die Form allerdings hinsichtlich der Abfolge zum Rathaus nachvollziehbar. Dafür entfällt das Ursprungsmanko: Zwar wird auch in einem neuen Einkaufszentrum geparkt, allerdings gibt es nun erstens auch einen guten Grund, das Parkhaus aufzusuchen, und zweitens sind die Parkflächen lahnseitig als solche nicht mehr erkennbar. Ob die Galerie von den Weilburgern angenommen wird, muss sich noch zeigen, aber das Prinzip Park & Hide ist zumindest optisch definitiv ein Fortschritt.