Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau P&S Department der Afrikanischen Union in Addis Ababa

Preisträger

1. Preis: Hascher + Jehle Planungsgesellschaft mbH, Berlin

€ 28.000

Prof. Rainer Hascher
Prof. Sebastian Jehle
Mitarbeit: Michael Meier, Andreas Traxler, Rene Kuring, Lars Gebhardt, Eva Kanagasabai
mit LEVIN MONSIGNY LANDSCHAFTSARCHITEKTEN GmbH, Berlin
Fachberater: Pinck Ingenieure Consulting GmbH, Hamburg (Klimaberatung)

2. Preis: Fritsch + Tschaidse Architekten GmbH, München

€ 21.000

Ruediger Leo Fritsch
Aslan Tschaidse
Mitarbeit: Marc Ottinger, Sonja Mueller
mit Stoetzer + Stoetzer Landschaftsarchitekten, Freiburg
Prof. Joerg Stoetzer, Gisela Stoetzer
Fachberater: Ingenieurbüro Hausladen GmbH, Feldkirchen (Ingenieurwesen)
Sailer, Stepan und Partner
Beratende Ingenieure für Bauwesen GmbH München
(Tragwerksplanung)

Mueller BBM GmbH, Planegg

3. Preis: Schuster Architekten, Düsseldorf

€ 14.000

Prof. Jochen Schuster
Mitarbeit: Christian Kaczmarek
Fachberater: Stahl + Weiß, Freiburg
Prof. Dr. Wilhelm Stahl (Energie/Ökologie)

Ankauf: Architekten-Ingenieure PSP Pysall Stahrenberg, Braunschweig

€ 7.000

Peter Stahrenberg
Mitarbeit: Tina Stahnke, Sindy Schröder, Simone Dinkler, Philip Kehl
Fachberater: Junker u. Kollegen Landschaftsarchitektur, Bramsche
Prof. Dirk Junker (Freiraumplanung)
Nord-West-engineers, Hannover
J. J. Jacobsen (Tragwerksplanung)
HL-Technik AG, München
Prof. Dr. Klaus Daniels (Technische Ausrüstung)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Begrenzt offener anonymer Realisierungswettbewerb in Verbindung mit einem vorgeschaltetem offenen Bewerbungsverfahren.
Preisgerichtssitzung 12.02.2009
Ort Addis Ababa
Auslober Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit – GTZ, Eschborn
Betreuung Deutsch Architekten, Frankfurt/Main in Zusammenarbeit mit der GTZ, Eschborn und ANP GmbH, Kassel
Preisrichter Prof. Wiel Arets/Prof. Ulrike Lauber, Prof. Dörte Gatermann (Vorsitz), Prof. Louisa Hutton, Prof. Tom Sieverts, Prof. Thomas Schregenberger, Dr. Philipp Schauer, Norbert Schwarzer, El Gassim Wane, H.E. Erastus Mwencha/Yemisrach Hailu, Michael Freiherr von Ungern-Sternberg

Ein Gesicht für den Frieden 
Neubau für die Afrikanische Union in Addis Abeba 

Hilfe zur nachhaltigen Selbsthilfe ist ein Prinzip, das in der Entwicklungshilfe schon viele Erfolge gezeitigt hat. Die GTZ mit Sitz im hessischen Eschborn ist in fast 40 Ländern südlich der Sahara aktiv, und berät in Bereichen wie Regierungsführung, Friedenssicherung, Gesundheit, Bildung und Wirtschaft.

Ein Projekt, bei dem gleich einige dieser Bereiche berührt sind und von einer architektonischen Klammer zusammengehalten werden, ist der Neubau des Gebäudes der Abteilung Frieden und Sicherheit der Kommission der Afrikanischen Union (AU) in Addis Abeba. In der äthiopischen Hauptstadt hat die AU ihren Hauptsitz, und die GTZ war vom Auswärtigen Amt beauftragt, einen begrenzt offenen Realisierungswettbewerb durchzuführen für ein neues Gebäude mit ca. 11.500 m2 BGF, das Platz für ca. 370 Mitarbeiter bieten soll. Das Ziel war nicht nur, ein Gebäude zu entwerfen, das neben dem in Entstehung begriffenen neuen Kongresszentrum ein Herzstück werden soll und das sich zugleich gegen dieses behauptet. Man wolle nicht nur ein Gebäude entstehen lassen, so Norbert Schwarzer aus der Bauabteilung der GTZ und Preisrichter beim Wettbewerb, „sondern auch die technischen Ideen und die Ingenieurkunst dahinter an den Partner übergeben, damit dieses Beispiel kein Einzelfall bleibt.“ Da es zentral auf dem rund 8 ha großen, inselartigen Areal liegt, das von etlichen Bauten aus den 1950er Jahren geprägt ist, bestand für die Preisrichter zudem die Frage, wie sich Deutschland und wie sich die AU repräsentiert sehen möchten und inwiefern das mit dem Attribut „zurückhaltend repräsentativ“ der Ausschreibung für den Charakter des Gebäudes übereinstimmt. Letztlich entschied man sich dahingehend, dass gerade ein Gebäude für Frieden und Sicherheit ein „Gesicht“ braucht. Eines, das die große Bedeutung der Abteilung spiegelt.

Gelungen ist dies unter den 17 Teilnehmern vor allem den Berlinern Hascher + Jehle. Ihr skulptural geformter Monolith bringt alle Voraussetzungen eines Markenzeichens mit – eine nicht ganz unwesentliche Voraussetzung bei einem politischen Bau. Und so liest man denn auch in der Beurteilung des Preisgerichts die Formulierung, dass es sich um einen Bau handelt, der das „Programm der Medienwelt, in der wir leben, perfekt unterstützt“. Der zweite Preis ging an die Münchener Architekten Fritsch + Tschaidse. Sie schlagen zwei Querriegel mit reiner Glasfassade vor, die über Stege und am Ende über einen Kopfbau, den Plenarsaal, verbunden sind. Der dritte Preis ging an Schuster Architekten aus Düsseldorf. Ihr geschlossener Block, der sich nach Westen in einem Kamm öffnet, ist sehr sorgfältig in das städtebauliche Umfeld integriert, die moderate Höhe und die klar strukturierte, allerdings recht dunkel gehaltene Lochfassade betonen die insgesamt zurückhaltende Geste.

Die Besonderheit des Siegerentwurfs resultiert aus dem Wechselspiel von innen und außen: Der kompakte, fünfgeschossige Bau kommt mit seiner Fassade aus geschichteten roten Steinplatten sehr robust daher, im Inneren aber herrscht eine fast schon coole Eleganz vor. Vor allem der organische Lichthof bzw. die großzügige Rotundenstruktur von Atrium und Treppenhaus verleihen dem Haus das Flair des Dynamischen, Zukunftsorientierten und repräsentieren so eine Organisation wie die AU, die beides ist, ausgezeichnet. Auch mit dem Plenarsaal, den flexiblen Bürostrukturen, einem energieeffizienten, ökologischen Betrieb und geringem Wartungsaufwand, einem einfach umsetzbaren konstruktiven System sowie einer Ressourcen schonenden Bauweise punktete der Entwurf. Allerdings diskutierten die Preisrichter unter Vorsitz von Prof. Dörte Gatermann die Fassadengestaltung kontrovers: zum einen das Material, zum anderen die Umsetzbarkeit vor Ort bzw. Verwendung einheimischer, natürlicher Materialien, die auch Bestandteil der Aufgabe war. Aber wie bei allen anderen kleineren Mängel des Entwurfs, etwa die Unklarheiten bei der Sicherheitszonierung, gilt: Es ist eine Verfahrens- und keine Verfassungsfrage, sprich: ein „Wie“ wird sich auf jeden Fall finden, denn das grundsätzliche „Ob“ steht nicht zur Debatte. Was vergleichbar auch für viele Entwicklungen in Afrika selbst gilt. Und den Anteil, den europäische Organisationen wie die GTZ daran haben.