Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neugestaltung der Bahnhofsvorplätze am Hauptbahnhof in Frankfurt/Main

Preisträger

2. Preis: schneider+schumacher Architektengesellschaft mbH, Frankfurt/Main

€ 20.000

Till Schneider, Kai Otto
Mitarbeit: Karlo Filipovic, Sven Müller,
Daniel Wiedenkeller, Christina Barzen, Vita Redliha, Peter Knörr, Johannes Klorer
mit lad+ I landschaftsarchitektur diekmann, Hannover
Martin Diekmann
Mitarbeit: Sabine Rabe, Binnca Däwes, Christine Sack
Ingenieur für Verkehrsplanung/Verkehrstechnik:
BPR Bernd F. Kühne & Partner, Darmstadt
Klaus Uphoff, Jürgen Hofmann

3. Preis: TOPOTEK 1 Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, Berlin

€ 15.000

Mitarbeit: Karoline Liedtke, Christian Bohne, Sigurd Larsen, Tamer Elshayal, Francesca Venier, Lisa Oregioni, Alexandre Mellier
Ingenieur für Verkehrsplanung/Verkehrstechnik:
HOFFMANN-LEICHTER, Berlin
Ingenieurgesellschaft mbH

4. Preis: Hans-Hermann Krafft, Berlin

€ 10.000

Ingenieur für Verkehrsplanung/Verkehrstechnik:
SHP Ingenieure GbR, Hannover
Jörn Janssen

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Stadtplanung
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Begrenzt offener, interdisziplinärer städtebaulicher Ideen- und Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 30.01.2009
Ort Frankfurt/Main
Auslober Stadt Frankfurt/Main und Deutsche Bahn Station & Service AG
Betreuung ANP – Architektur und Nutzungsplanung Kassel
Preisrichter Prof. Dr.-Ing. Hille von Seggern (Vorsitz), Prof. Hartmut Topp, Prof. a.D. Dr.-Ing. Robert Schnüll, Prof. Cornelia Bott, Prof. Michael Braum, Dieter von Lüpke, Lutz Sikorski, Rolf Reh/Ulrich Kipp, Susanne Kosinsky

Aushängeschild gesucht 
Wettbewerbsentscheidung für die Vorplätze des Frankfurter Hauptbahnhofs vertagt

350.000 Menschen – die Einwohner einer mittleren deutschen Großstadt reisen oder pendeln täglich nach Frankfurt. Und sie alle gelangen durch ein Tor in die Mainmetropole: den Hauptbahnhof. Wobei „Tor“ die Sache nur zum Teil trifft. Es ist eher ein Kanal. Die Besucherströme sind gelenkt, kaum ein Blick links und rechts. Und ein Chaos. Denn die seitlichen Plätze haben – wie auch der Vorplatz trotz seiner Größe – nichts Repräsentatives. Ein Gefühl des Unordentlichen überwiegt – und damit ist gar nicht einmal der zweifelhafte Bahnhofsviertelcharme gemeint. Mit anderen Worten: Ein Eingangstor ja, ein Aushängeschild nein.

Wie man die komplexe Situation an einem der Hauptverkehrsknotenpunkte der Region neu ordnet, war die Aufgabe eines Realisierungs- und Ideenwettbewerbs, ausgelobt von der Stadt Frankfurt und der Deutsche Bahn Station&Service AG. Am Ende kam heraus, was man schon vorher wusste: Eine Lösung ist extrem schwierig zu finden. Obwohl sich zwei Favoriten herauskristallisierten, konnte doch kein Beitrag die Preisrichter in allen Belangen überzeugen. Ein erster Platz wurde deshalb nicht vergeben. Die Entwürfe gingen zur Überarbeitung von Details an den zweiten und dritten Preisträger zurück, nämlich an die Büros schneider+schumacher aus Frankfurt sowie TOPOTEK 1 aus Berlin.

Der zweitplatzierte Entwurf punktete vor allem mit der Idee, die beiden seitlichen Straßen, die Post- und die Mannheimer Straße, von der Hauptverkehrsführung vor dem Bahnhof abzukoppeln. Denn so entsteht ein beruhigter Platz von beeindruckender und damit angemessener Größe. Das Gebäude wird attraktiv freigestellt. Die Flächen sind zoniert und unterschiedlich bespielbar, für dauerhafte Gastronomie ebenso wie für zeitlich begrenzte Feste. Der Entwurf wertet zudem die B-Ebene durch zahlreiche, punktiert gesetzte Lichtöffnungen auf dem Naturstein-Platz auf.

Das Preisgericht lobte den radikalen, kraftvollen Ansatz – diskutierte aber viele zentrale Elemente kontrovers. Das Lichtkonzept etwa. Die Einwände lauteten: Zu teuer, zu pflegeintensiv, möglicherweise auch eine Einschränkung der untere Ebene in der freien Nutzung. Oder die neue Platzstruktur. Hier sah das Preisgericht Schwierigkeiten bei der Verkehrsführung. Abgesehen von Problemen bei Behinderten- und Kurzzeitparkplätzen sowie der Taxivorfahrt, war die Frage, wo die Straßenbahn verlaufen soll.

Auf eine Frage des Verkehrs lief es auch beim drittplatzierten Entwurf hinaus, der eine offene Vorzone vorsieht, um den denkmalgeschützen Bahnhof zu würdigen, und mit zwei ovalen, barock anmutenden Brunnen einen echten Blickfang setzt. Es stellte sich erneut die Frage, ob es sinnvoll ist, Straßenbahnen, Busse und Taxis zu bündeln, was zu Konflikten an den Haltestellen führen kann, zumal in diesem Fall die Fahrgäste, die vom Bahnhof kommen, noch eine breite, stark befahrene Straße überqueren müssten.

Wenn sich die Detailfragen lösen lassen, so bleibt den Auslobern immer noch die Qual der Wahl zwischen einem modernen und einem eher historisch angelegten Entwurf. Immerhin wäre man aber dem gesuchten Aushängeschild einen deutlichen Schritt näher.