Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Erweiterung Kongress Palais, Kassel

Preisträger

1. Preis: Alexander Reichel, Kassel

€ 24.000

Mitarbeit: Robert Burski, Joana Liese, Carolin Päckert, Gerald Schnell, Linda Wydra
Fachberater: Enco Ingenieurgesellschaft, Martin Jost, Lars Hoffmann, Kassel (Technischer Ausbau)
Dr. Kreutz und Partner, Dr. Ing. Alexander Hentschel, Nürnberg (Tragwerksplanung)

2. Preis: Bieling Architekten, Kassel

€ 12.000

Prof. Thomas Bieling
Mitarbeit: Indra Meyer, Johannes Fuß, Hagen Sparbrodt
Fachberater:
Breimann & Bruun Landschaftsarchitekten, Bertel Bruun, Hamburg

3. Preis: HHS Planer + Architekten AG Hegger Hegger Schleiff, Kassel

€ 5.000

Günter Schleiff
Mitarbeit: Andreas Schöner, Bence Zobor

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Einstufiger, einphasiger baulicher Realisierungswettbewerb als Einladungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 23.01.2009
Ort Kassel
Auslober Tagungszentrum Stadthalle Kassel GmbH
Betreuung ANP – Architektur- und Stadtplanungsgesellschaft mbH, Kassel
Preisrichter Michael Frielinghaus (Vorsitz), Prof. Jochem Jourdan, Prof. HG Merz, Peter Sichau, Dr. Jürgen Barthel, Thomas-Erik Junge, Peter Ley, Norbert Witte

Der Kongress bewegt sich 
Anbau für das Kasseler Kongress Palais 

Ein moderner Kongress könnte heute auch in Kassel tanzen. Das historische Ambiente böte die neoklassizistische Stadthalle Kassel alias Kongress Palais Kassel allemal. Und dass eine zeitgemäße Infrastruktur vorhanden ist, versteht sich von selbst in einer Stadt, in der documenta und Schloss Wilhelmshöhe harmonieren.

Solche Voraussetzungen kommen gut an: Das Kongress Palais wird bestens gebucht. Mehr noch: Anfragen können mangels Kapazitäten nicht bedient werden. Ein Aus- bzw. Anbau steht also an. Bei dem historischen Ensemble nicht unbedingt die einfachste Aufgabe. Davon konnten sich auch die Preisrichter unter Vorsitz von Michael Frielinghaus beim Einladungswettbewerb, ausgelobt von der Tagungszentrum Stadthalle Kassel GmbH, nach einem ersten Informationsrundgang und einer Ortsbesichtigung überzeugen: Es kristallisierte sich heraus, welche Schwierigkeiten die Wettbewerbsaufgabe im Bereich Topographie – die Stadthalle steht auf einem abschüssigen Gelände, was die Verbindung der verschiedenen Ebenen erschwert- für Denkmalschutz und Funktionalität bereitet. Aber auch, wie gut einige der sechs Teilnehmer damit umgingen.

Zum Beispiel Wettbewerbssieger Alexander Reichel aus Kassel. Er bringt mit einem im Zusammenspiel vergleichsweise „kleinen“, dem Denkmal also Respekt erweisenden Baukörper den neuen, rund 1.000 Quadratmeter großen Saal auf das Niveau der alten Säle. Dadurch sind die Säle getrennt, aber auch gemeinsam nutzbar – was die geforderte Flexibilität der Räumlichkeiten für Veranstaltungen optimal erfüllt. Gleiches gilt für die Foyers, im Untergeschoss ebenfalls auf einem Niveau. Platz zwei ging an Bieling Architekten, Kassel. Für seinen im Obergeschoss weit auskragenden, repräsentativen Bau mit einer Fassade aus gelochten, transluzenten Metallpaneelen. Dritter wurde das Kasseler Büro HHS Planer + Architekten mit einem eigenständigen, skulptural geformten Baukörper mit polygonalem Grundriss.

Den Siegerentwurf zeichnet nicht nur die gelungene Verbindung von alt und neu aus, bei der die sichtbare Baumasse reduziert wird und die Eingangsbereiche lichtdurchflutet gestaltet sind. Die zentrale und originelle Idee ist, den Konzertgarten als Amphi­theater nutzen zu können. Das wird der Garant dafür sein, dass die im Ursprung etwas stiefmütterlich bedachte Nordseite zum Leben erweckt wird. Hinzu kommt, dass die beiden rückwärtigen Gärten durch den zuvor eher langweiligen Konzertgarten vernetzt und aufgewertet werden. Für Frielinghaus insgesamt ein „Meisterstück“.

Probleme sichtete das Preisgericht allerdings bei der Höhenentwicklung im Untergeschoss zwischen Alt- und Neubau und bei der vorgeschlagenen Loggia zur Querung des Gartens. Nach Einschätzung des Preisgerichts führt diese zu einer starken Beeinträchtigung der Nordfassade. Architektonisch aber entsteht ein stimmiges Ensemble, bei dem der Neubau als selbstverständlich wahrgenommen wird. Dessen dezente Maßstäblichkeit wird auch nicht durch die etwas ausgefallene Säulenreihe entlang der Außenkante beeinträchtigt.

Das berühmte Zitat lautet bekanntermaßen „Der Kongress tanzt“. Weniger im Bewusstsein ist, dass es weitergeht mit „aber er bewegt sich nicht“. Davon kann in Kassel in Zukunft keine Rede sein.