Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Rathaus Großkrotzenburg

Preisträger

1. Preis: Andreas Schwarz, Berlin

€ 12.000

2. Preis: Waechter + Waechter Architekten, Darmstadt

€ 9.000

Felix Waechter
Mitarbeit: Leander Otto

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Einstufiger, begrenzt offener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 14.01.2009
Ort Großkrotzenburg
Auslober Gemeinde Großkrotzenburg
Betreuung Herget + Wienröder, Eichenzell
Preisrichter Hans-Uwe Schultze (Vorsitz), Kerstin Schultz, Peter Sichau, Friedhelm Engel, Hannelore Tögel

Einfallsreiches Oberstübchen 
Großkrotzenburg bekommt ein neues Rathaus

Integration in das Stadtbild oder eine deutlich moderne Solitärlösung – zwischen diesen beiden Ansätzen hatte sich das Preisgericht beim Wettbewerb um das Rathaus Großkrotzenburg letztlich zu entscheiden. Unter den 15 Teilnehmern kristallisierten sich bei den Beurteilungsrundgängen der Preisrichter unter Vorsitz des Kasseler Architekten Hans-Uwe Schultze relativ rasch zwei heraus. Sie hatten die Aufgabe am besten gelöst, einen Ersatz für das von doch recht bescheidener Schönheit bestehende Rathaus der rund 7.300 Einwohner zählenden, im Main-Kinzig-Kreis südlich von Hanau gelegenen Gemeinde Großkrotzenburg zu entwerfen.

Das war zum einen der Berliner Architekt Andreas Schwarz. Er schlägt ein unprätentiöses Gebäude vor, das mit einem steilen Satteldach die mittelalterlichen Vorbilder in der Stadt zitiert. Es integriert sich, und betont trotzdem seinen Status als öffentliches Gebäude. Zum anderen kam der Entwurf des Darmstädter Büros Waechter + Waechter in die engere Auswahl. Er setzt auf einen kubischen, kompakten Baukörper, dessen architektonisch Qualität die Preisrichter besonders würdigten. Auch die Dreigeschossigkeit des Solitärs in dem kleinteiligen und heterogenen Umfeld ist gelungen, ein schöner Vorplatz verlängert sich in das Innere hinein.

Beiden Entwürfen gelingt es, das neue Rathaus mit dem Kindergarten zu einem harmonischen Ensemble zu verbinden. Die Entscheidung für den ersten Platz fiel letzten Endes für den Entwurf von Andreas Schwarz. Da er das Gebäude – passend zur vorhandenen städtebaulichen Struktur – als Blockrandabschluss anlegt, entsteht eine maximale Freifläche, die Rathaus wie Kindergarten gleichermaßen zugute kommt. Die wichtigsten Ämter sind klassisch einfach im Erdgeschoss untergebracht, im Untergeschoss die weniger frequentierten, und im ersten Obergeschoss liegen die Verhandlungsräume. Sie erhalten nicht nur durch eine geschickte Ausnutzung der Gebäudegeometrie einen architektonisch ganz eigenständigen Bereich. Diese „Oberstübchen“ sind nach außen sichtbar auch einfallsreich gestaltet, eine Geste, die bei der Bewertung absolut überzeugte.

So differenziert die Ratshausräume dargestellt sind, wesentliche Aussagen zum Kindergarten blieb der Entwurf schuldig. Das monierte das Preisgericht ebenso wie die Integration der Pergola und des Nottreppenhauses. Lob hingegen erhielt die schlichte, aber effektvolle Materialauswahl sowie die Wirtschaftlichkeit, die auch aus den günstigen Werten des Raumprogramms resultiert.

Welcher Entwurf auch realisiert werden mag, in jedem Fall ist es wichtig, dass sich gerade eine kleine Stadt im Rhein-Main-Gebiet ihren historischen Charakter bewahrt, und doch mit eigenständigen Lösungen Akzente setzt. Die hiermit auch gefunden wären.