Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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"Südlich der Bahnstraße", Gemeinde Sulzbach am Taunus

Preisträger

Team 2: Jan Schulz + Holmer Schleyerbach (bb22 architekten + Stadtplaner), Frankfurt/Main, mit Jörg Fleischer (Büro Heinz + Feier GmbH), Wiesbaden

€ 5.000

Mitarbeit: Lucie Vaneckova, Babak Farrokhfar, Robert Moosbrugger, Sojung You

Team 5: Paul M. Lösse, Oliver Haag ( Planungsgruppe 4 GmbH ), Berlin, mit Dominik Könighaus ( R+T, Topp, Huber-Erier, Hagedorn), Darmstadt

€ 4.500

Mitarbeit: Christoffer Borin, Georg Börsch-Supan, Stefan Böhlke, Hui Zhang, Xiaoming Lu

Team 7: Henrike Specht (BS + städtebau und architektur), Frankfurt/Main, mit Burkhard Wegener (club L94 Landschaftsarchitekten GmbH), Köln, mit Jürgen Hofmann (BPR · Beraten | Planen | Realisieren), Darmstadt

€ 3.500

Mitarbeit: Daniel Fendel

Team 1: Michael Bergholter, Markus Staedt ( ANP – Architektur- und Planungsgesellschaft mbH), mit Andreas Schmitz ( PGN – Planungsgruppe Nord), Kassel

€ 2.000

Mitarbeit: Fabian Schäfer, Robin Mai, Martin Schmittdiel, Alexander Siebert, Andreas Wilkening, Christina Schmautz

Team 3: Michael Schauss, Christian Eichler (Eichler + Schauss), mit Klaus Freudl (von Mörner + Jünger), Darmstadt

Mitarbeit: Galina Strumberger, Gisela Rosi, Alexander Richter, Annika Vedder

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Ideenwettbewerb im kooperativen Verfahren gemäß RPW 2008
Preisgerichtssitzung 11.06.2012
Ort Sulzbach am Taunus
Auslober Gemeinde Sulzbach am Taunus
Betreuung BLFP Frielinghaus Architekten PlanungsGmbH, Friedberg
Preisrichter Michael Frielinghaus (Vorsitz), Prof. Ursula Stein, Raimund Haase, Gisela Stete, Winfried Pohl, Renate Wolf, Hans-Georg Sachs, Dietrich Schwarz, Klaus Wiechert

Empfehlung für eine ambitionierte Lösung

Kooperatives Verfahren "Südlich der Bahnstraße"
Seit über 20 Jahren überlegt die Gemeinde Sulzbach, wie es mit ihrem Gebiet südlich der Bahnstraße Richtung Main-Taunus-Zentrum MTZ und A 66 weitergehen soll. Bereits Anfang der 1990er Jahre diskutierte die Gemeinde, wie sie ihr letztes, großes Bebauungsgebiet nutzen soll. Bei den nun aktuellen Überlegungen, ging es neben der Frage, ob tatsächlich gebaut werden soll, auch darum, in welchem Umfang eine eventuelle Bebauung erfolgen solle. Bei der Vorbereitung und Durchführung des hierfür von der Gemeinde Sulzbach ausgelobten kooperativen Wettbewerbsverfahrens stand die AKH beratend zur Seite.
Eine sehr aktive Rolle im Verfahren kam den Sulzbacher Bürgern zu, denn die Gemeinde hatte sie zunächst mit Unterstützung von Stein + Stein Stadt-, Regional- und Freiraumplaner aus Frankfurt am Main sowie BLFP Frielinghaus Architekten aus Friedberg in Diskussionsveranstaltungen und Workshops eingebunden. Das Ergebnis dieses Mitwirkungsverfahrens war in die Aufgabenstellung für den Wettbewerb eingeflossen.
Da dem Aspekt Verkehr eine besonders hohe Bedeutung zukam, war die Zusammenarbeit mit Verkehrsplanern für alle Wettbewerbsteilnehmer verpflichtend. Im Verfahren waren sieben Arbeitsgemeinschaften um jeweils zwei städtebauliche Testentwürfe für das Planungsgebiet gebeten worden. Ein erstes, moderates Konzept sollte sich zu einem zweiten, ambitionierten Konzept weiterentwickeln lassen. Daraus erhofft sich die Gemeinde Einschätzungen zur Größenordnung des möglichen Einwohnerzuwachses, zur Wirtschaftlichkeit sowie zu Auswirkungen auf den Verkehr.
In einem öffentlichen Zwischenforum im April 2012 waren den Bürgern Sulzbachs die Entwürfe der sieben Wettbewerbsteilnehmer vorgestellt worden. Die Sulzbacher hatten hierbei die Gelegenheit, Anregungen und Kritik zu äußern, die in die weitere Bearbeitung einflossen.
Die Beurteilung der überarbeiteten Konzepte durch die Bewertungskommission berücksichtigte drei mögliche Entwicklungsvarianten für das Gebiet "Südlich der Bahnstraße". Die "moderate" Variante A umfasst die Arrondierung der Bebauung an der Bahnstraße, ausgelegt für den Siedlungsbedarf der Gemeinde Sulzbach. Variante B sieht eine Entwicklung auch für Neubürger vor, sowie den Ersatz des im Plangebiet vorhandenen Bahnüberganges durch eine Unterführung. Die "ambitionierte" Variante C geht von einer umfassenden Siedlungsentwicklung im gesamten Wettbewerbsgebiet aus, inklusive einer Lösung für die übergeordnete Verkehrsproblematik in der Gemeinde Sulzbach. Die Kommissionsmitglieder kürten zwar keinen eindeutigen Sieger, sprachen aber für jede der Entwicklungsvarianten Empfehlungen aus. Wohin die Entwicklung nun gehen soll gehen soll, muss letztendlich die Gemeinde Sulzbach entscheiden.
Grundsätzlich votierte die Kommission jedoch für die Umsetzung des ambitionierten Konzeptes und hier einstimmig für den Vorschlag von bb22 architekten + stadtplaner aus Frankfurt am Main mit dem Wiesbadener Büro Heinz + Feier. Deren Entwurf sei die „interessanteste und wirkungsvollste Lösung“  mit einem innovativen Verkehrskonzept für das gesamte Gemeindegebiet. Der vorhandene und zukünftig zusätzliche Verkehr soll über die Bundesstraße B8 und eine bereits geplante Querspange am Main-Taunus-Zentrum führen. Diese Verkehrsführung mache den Schleich- und Durchgangsverkehr durch den Ortskern Richtung Schwalbach unattraktiv und ermögliche den Rückbau der Landstraße 3266, so die Kommission. Zudem würden die geplante Unterführung überflüssig und die Lärmemission für die derzeitige Bebauung an der Bahnstraße und für das zukünftige südliche Wohngebiet geringer. Insgesamt sind 432 Wohneinheiten vorgesehen. Südlich soll eine Promenade den Ortsrand abgrenzen. Nach Ansicht der Kommissionsmitglieder strukturiere der städtebauliche Entwurf das Gebiet in "überschaubare, klar gegliederte Nachbarschaften mit Einzel-, Doppel-, Reihen- sowie Mehrfamilienhäusern". Die geplante Gewerbenutzung soll gebündelt Richtung MTZ auf dem westlich der L 3266 gelegenen Areal des ehemaligen Autokinos untergebracht werden.
Sollte sich Sulzbach für die Minimalvariante entscheiden, empfahl die Kommission einstimmig das moderate Konzept mit 100 Wohneinheiten vom Team ANP – Architektur- und Planungsgesellschaft GmbH aus mit PGN – Planungsgruppe Nord aus Kassel. Bevorzugt die Gemeindevertretung eine ambitioniertere Lösung mit Unterführung der Bahntrasse, bilde der moderate Entwurf der Berliner Planungsgruppe 4 mit dem Ingenieurbüro R+T, Topp, Huber-Erler, Hagedorn/Darmstadt mit 230 Wohneinheiten und einer Kindertagesstätte die beste Grundlage.

Katja Klenz