Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

KfW Bankengruppe: Neubau eines Bürogebäudes

Preisträger

1. Preis: Bob Gysin + Partner BGP Architekten (CH)

€ 25.000

Marco Giuliani

Mitarbeit: Franz Aeschbach, Anna Devigili, Sasha Ciear, Andreas Schmatz

Fachberater: EK Energiekonzepte, Christoph Ospelt (CH) (Nachhaltigkeit / Haustechnik)

3-Plan, Stephan van Velsen und Nikolai Artmann (CH) (Haustechnik)

Meides-Schoop, Hendrik Schoop, Offenbach (Brandschutz)

1. Preis: Eisfeld Engel Architekten Hamburg mit agn Niederberghaus & Partner, Ibbenbüren

€ 25.000

Sabine Eisfeld, Ulrich Engel, Bernard Busch

Mitarbeit: Christiane Wencke, Benjamin Leppelt, Martin Seibert, Gislaine Lourente

Fachberater: agn Niederberghaus & Partner GmbH, Hans Wiesner (Energiekonzept)

3. Preis: Henn GmbH, München

€ 10.000

Prof. Dr. Gunter Henn

Mitarbeit: Fredrik Werner, Isabelle Hölscher, Ferdinand Fleckenstein

Fachberater: MAYER Ing.-Büro f. technische Gebäudeausstattung, Alfred Mayer, Ottobeuren

Anerkennung: JSWD Architekten GmbH & Co KG, Köln

€ 4.500

Olaf Arne Drehsen, Konstantin Jaspert

Mitarbeit: Til Jäger, Micheal Pflüger, Thi Ha Linh Le, Carsten Saggau

Fachberater: Schmidt Reuter Integrale Planung und Beratung GmbH, Köln (TGA)

IDK KLEINJOHANN GmbH & Co. KG, Köln (Tragwerk)

Hanke, Kappes + Kollegen GmbH Landschaftsarchitekten BLDA, Sulzbach (Freiraum)

Anerkennung: AllesWirdGut Architektur ZT GmbH (A) mit FCP – Fritsch, Chiari und Partner ZT GmbH (A)

€ 4.500

Friedrich Passler

Mitarbeit: Maxime Bossard, Johannes Windbichler

ZFG Projekt GmbH, Josef Fellhofer (A)

Preisgerichtsentscheidung steht fest.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem, qualifiziertem Auswahlverfahren
Preisgerichtssitzung 21.07.2011
Ort Frankfurt
Auslober KfW Bankengruppe, Frankfurt am Main
Betreuung SMNG Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, Frankfurt mit Stadtbauplan GmbH, Darmstadt
Preisrichter Louisa Hutton, Prof. Zvonko Turkali (Vorsitz), Dieter von Lüpke, Axel Hinterthan, Dr. Günther Bräunig, Dr. Norbert Kloppenburg, Dr. Axel Nawrath

Bo 104
Neubau eines Bürogebäudes an der Bockenheimer Landstraße

Bo 104 – so das Kürzel für den Wettbewerb eines Neubaus in der Bockenheimer Landstraße 104 in Frankfurt am Main. Hier soll das bestehende siebengeschossige Bürogebäude abgerissen und durch einen vergleichbar großen Neubau ersetzt werden. Ausloberin des nichtoffenen Realisierungswettbewerbs nach RPW 2008 ist die KfW Bankengruppe, die nicht nur den Bau besonders energieeffizienter Gebäude mit zahlreichen Programme fördert, sondern auch bei den eigenen Bauten hohe Anforderungen an Nachhaltigkeit und Energieeffizienz stellt. Betreut wurde das Verfahren durch das Büro stadt.bau.plan aus Darmstadt.

Das geplante Bürogebäude soll ab 2015 Raum bieten für 220 Mitarbeiter, ein Schulungszentrum sowie eine Tiefgarage. Die unmittelbare Nachbarschaft zur denkmalgeschützten Villa Sondheimer, dem ehemaligen Literaturhaus, musste von den Teilnehmern ebenso berücksichtigt werden wie die innerstädtisch beengte Lage des Grundstücks. Das Preisgericht vergab unter den zehn eingegangenen Arbeiten zwei erste Preise – an das Büro Bob Gysin + Partner aus Zürich sowie an Eisfeld Engel Architekten aus Hamburg mit agn Niederberghaus & Partner aus Ibbenbüren. Ein zweiter Preis wurde nicht vergeben, den dritten Preis erhielt das Architekturbüro Henn aus München. 

Den Entwurf von Bob Gysin +Partner bezeichneten die Preisrichter als „intelligent in drei Volumen“ gegliederten Baukörper, der auf die benachbarte Villa Rücksicht nähme. Positiv bewerteten sie das weit zurückgesetzte siebte Obergeschoss, die Klarheit und Effizienz des Erschließungskonzeptes sowie die abwechslungsreichen Aufenthaltsqualitäten der Dachterrassen. Die angedachte Fassadengestaltung aus glasfaserarmierten Betonfertigteilen und bronzefarbenen Paneelen empfand das Preisgericht „angemessen zurückhaltend elegant“. Es diskutierte jedoch die im Eingangsbereich zur Straße hin vorgeschlagenen zweigeschossigen Arkaden, da dieser großzügigen Geste nach außen im Inneren ein lediglich eingeschossiges Foyer gegenüberstehe. Das Energie- und Materialkonzept erhielt das Prädikat „in jeder Hinsicht überzeugend“.

Der ebenfalls mit einem ersten Preis bedachte Vorschlag von Eisfeld Engel Architekten mit agn Niederberghaus & Partner sieht zwei leicht gegeneinander verschobene, homogene Baukörper vor, deren Architektur die Preisrichter als zurückhaltend und gleichzeitig präsent bewerteten. Der Neubau füge sich durch die Aufnahme der Raumfluchten, die angemessenen Proportionen, den ruhigen Charakter der Fassaden sowie die Materialwahl „gut in den urbanen Kontext“ ein und zeichne sich aus durch hohe innenräumliche Qualitäten. Die Erschließung sei intelligent und die Büroorganisation „in gleichem Maße kompakt wie funktional gut gelöst“. Als kritikwürdig befanden die Preisrichter die als Sonnenschutz gedachten vertikalen Glaslamellen, sie vermissten zudem Informationen zur Energiebilanz.

Platz drei ging an ein „differenziertes Bürogebäude“ mit einer „für den Stadtteil eher fremden Bauform“. Als solche bezeichneten zumindest die Preisrichter den Entwurf des Architekturbüros Henn. Dieser sieht ein Gebäude vor, das auf allen Seiten Höhenstaffelungen und Terrassierungen aufweist. Die Fassadengliederung und Materialwahl wurden als „angenehm selbstverständlich“ und „qualitätvoll“ eingestuft. Einig waren sich Preisrichter und Denkmalschutzvertreter bei der Beurteilung der Straßenseite: Sie bewerteten die Staffelung der oberen Geschosse als positiv, hinterfragten jedoch den im Zusammenhang mit der Rücknahme des Erdgeschosses im zweiten bis vierten Geschoss entstehenden „kraftvollen Vorbau“ – besonders in Bezug auf die Nachbargebäude.

Das Preisgericht, dem Prof. Zvonko Turkali vorsaß, empfahl einstimmig, einen der beiden erstplatzierten Entwürfe der Realisierung des Projektes zugrunde zu legen. Alle drei prämierten Entwurfsverfasser erhielten die Gelegenheit im Rahmen des folgenden VOF-Verhandlungsverfahrens ihre Wettbewerbsbeiträge auf Basis der Anmerkungen der Preisrichter sowie des Auslobers weiter zu entwickeln und Kostenschätzungen abzugeben.
Den Zuschlag erhielt nach den Vergabegesprächen das Münchner Architekturbüro Henn, dessen „engagierte Überarbeitung“ überzeugte. Die Fertigstellung des neuen Bürogebäudes für die KfW-Bankengruppe ist für 2015 geplant.

Katja Klenz