Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Landesgartenschau Gießen 2014

Preisträger

1. Preis: Lahnaue/2. Preis Wieseckaue Steffan Robel, Joachim Swillus, Berlin

€ 10.000/€ 26.000

Mitarbeit: Stefan Grieger, Mikulasch Adam, Joachim Naundorf, Conrad Panzner, Judith Schneider, Eva Lange, Julian Engmann, Moritz Bannach

2. Preis: Lahnaue/Ankauf Wieseckaue Andreas Hermanns, Niederkrüchten

€ 7.000/€ 8.000

Mitarbeit: Inge Reulecke

3. Preis: Lahnaue Martin Schedlbauer (faktorgruen), Freiburg

€ 5.000

mit K9 Architekten - Wolfgang Borgards . Marc Lösch . Manfred Piribauer, Freiburg
Mitarbeit: Melanie Borutta, Johannes Schittenhelm, Stefan Scholz

4. Preis: Lahnaue Hager Landschaftsarchitektur, Zürich (CH)

€ 3.000

Guido Hager
Mitarbeit: Pascal Posset, Kerstin Marx, Michael Karl, Karol Kruk

Ankauf: Lahnaue/3. Preis Wieseckaue Stephan Lenzen, Bonn

€ 2.000/€ 17.000

Mitarbeit: Alexander Richter, Katharina Thoma, Jana Mönnikes, Markus Piel, Katharina Schneider
Fachberater: Prof. Peter Jahnen, Aachen (Stadtplanung)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Einstufiger beschränkter Wettbewerb in Form eines begrenzt offenen landschaftsarchitektonischen Realisierungswettbewerbs mit max. 35 Teilnehmern nach GRW 1995
Preisgerichtssitzung 28.01.2010
Ort Gießen
Auslober Stadt Gießen
Betreuung Herbstreit Landschaftsarchitekten, Bochum
Preisrichter Till Rehwaldt (Vorsitz), Hans Dettling, Prof. Gerlinde Krause, Axel Lohrer, Prof. Christa Reicher, Heike Roos, Ludwig Wiemer, Detleff Wierzbitzki, Gerda Weigel-Greilich, Thomas Rausch, Harald Scherer, Joachim-Eberhard Maltzahn, Dr. Markus Labasch, Dietlind Grabe-Bolz, Reinhard Paul

Auen schauen und Gärten genießen 
Zwei Sieger beim Wettbewerb für die Landesgartenschau 2014 in Gießen

„Auf zu neuen Ufern“ – unter diesem Motto hatte sich Gießen für die fünfte hessische Landesgartenschau 2014 beworben und vor zwei Jahren auch den Zuschlag erhalten. Das Konzept: Zwei etwa drei Kilometer auseinander liegenden Kernbereiche der Stadt sollen mit einem grünen Gürtel verbunden werden, neue Rad- und Gehwege sowie Brücken inklusive. Der eine, innerstädtische Bereich betrifft die Lahnaue, eine heterogene Mischung aus öffentlichen Grünflächen, Kleingartenkolonien, Wassersporteinrichtungen und vereinzelten Häusern. Der andere Bereich ist die sich von der Stadt weg öffnende Wieseckaue mit den Auenpartien, dem Stadtpark, dem Schwanenteich sowie das Areal mit dem Hallen- und Freibad und Kleingärten. Das eigentliche Gartenschaugelände wird in der Wieseckaue entstehen – aber letztlich geht es dort um eine grundsätzliche Neustrukturierung, denn das Ziel ist eine Nachhaltigkeit über die Zeit der Schau hinaus.

Beim Realisierungswettbewerb, den Gießen dazu ausgelobt hat, hatten 27 Teilnehmer ihre Arbeiten eingereicht, die Lösungen für beide Bereiche wurden getrennt beurteilt. Die Preisrichter unter ihrem Vorsitzenden, dem Dresdner Landschaftsarchitekten Till Rehwaldt, vergaben also zweimal die Platzierungen von eins bis drei. Wobei sich diese Plätze insgesamt nur fünf Büros teilten. Denn das Berliner Büro a24_Landschaft um die Landschaftsarchitekten Steffan Robel und Joachim Swillus gewann nicht nur im Bereich der Lahn mit einem Entwurf für eine durchgängige Auenlandschaft. Sie erhielten zugleich einen zweiten Preis mit ihrem Konzept für die Wieseckaue, deren Rahmen sie sehr viel formaler gestalteten und strenger strukturierten und die sie mit der Stadt eng verzahnen. Landesgartenschauerfahren ist das Büro ohnehin: Die aktuelle Schau im bayerischen Rosenheim ist nach ihren Plänen entstanden. Bei der Lahnaue setzten sie sich gegen den Niederkrüchtener Landschaftsarchitekten Andreas Hermanns (Konzept: Die Aue als Erholungsraum mit einem Parkgerüst, das individuell angepasst werden kann) und gegen Martin Schedlbauers Büro faktorgruen aus Freiburg durch (Idee: Konzentration an der Sachsenhäuser Brücke, ansprechende Ufernutzung durch eine Freitreppenanlage und vielfältige, stern förmig angelegte Zugänge zur Lahn). Der Siegerentwurf inszeniert mit zwei Neubauten an der Sachsenhäuser Brücke sehr wirkungsvoll eine Eingangssituation. Das östliche Lahnufer wird städtischer, das westliche naturnäher gestaltet. Die Ufer werden besser begehbar – dafür müssen private Ufernutzungen verlagert werden –, was den Fluss erlebbarer macht. Dazu dient auch das Auslichten der Vegetation an einigen Stellen. Übergeordnetes Ziel des Ganzen: die schon angesprochene Auenlandschaft zu entwickeln, das aber auf behutsame Weise. Dazu passt, dass der Entwurf auch das ganze städtebauliche Potenzial ausschöpft, das an der denkmalgeschützten Klinkel’schen Mühle mit der vorgelagerten Halbinsel vorhanden ist. Deren Nordspitze erhält einen kleinen Platz mit wunderbarem Blick lahnaufwärts. Das neue Quartier „Zu den Mühlen“ mit Mischnutzung weist eine große Wohnqualität auf, bleibt vom Ufer zurückgesetzt und dient damit sowohl der Landesgartenschau als auch künftigen öffentlichen Nutzungen.

Bei vielen Wettbewerbsarbeiten war ein großer Gießen-Bezug deutlich, allen voran beim erstplatzierten Entwurf für die Wieseckaue aus der Feder des Berliner Büros geskes.hack Landschaftsarchitekten. Schon das Leitmotiv „Wissenschaftsgärten“ dürfte in der Universitätsstadt gut angekommen sein. Außerdem bleibt die ehedem von Günther Grzimek, Bruder des weltberühmten Zoologen Bernhard Grzimek, angelegte Parkstruktur erhalten bzw. wird zu einem Wissenschaftsvolkspark weiterentwickelt. Lernen und Erholung sollen Hand in Hand gehen, deshalb bilden „Sciencegärten“ auf dem rund 25 Hektar großen Areal den roten Faden. Zweiter wurde im Bereiche Wieseckaue, wie schon erwähnt, a24_Landschaft, Dritter die Landschaftsarchitekten RMP Stephan Lenzen, Bonn, die vor allem damit punkteten, wie sich bei ihnen städtische und landschaftliche Strukturen überlagern und wie sich der Park zur Stadt öffnet.

Das ist auch eine Stärke des Konzeptes von Christof Geskes und Kristina Hack, die übrigens auch für die diesjährige Landesgartenschau im nordrhein-westfälischen Hemer als Generalplaner verantwortlich zeichnen. Neue großzügige Parkkorridore verlängern den Stadtpark bis an die Ringallee, deutliche städtebauliche Anker werden zu Verbindungsgliedern zwischen dem Grün und den Quartieren. Es gibt eine klare Achsenbildung von der Wieseckaue zur Stadt hin. Eine Promenade (ein nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten gestalteter „belt walk“) führt abwechslungsreich durch den Park und um den Neuen Teich, wo ein Palmencafé mit Seeterrasse am Nordufer entsteht und wo die Besucher so gelenkt werden, dass die bestehenden Schilfzonen geschützt werden. Am Schwanenteich wird es dann mehr Leben auf dem Wasser geben, etwa in Form von Ruderbootfahren. Und eben: Immer wieder Lehrgärten und Wissenselemente.

Die Preisrichter erhoffen sich bei einer Umsetzung allerdings eine stärkere Zonierung wie auch eine Reduzierung von recht additiv wirkenden Elementen wie den „Wissens-Folies“, die von den Preisrichtern kontrovers diskutiert wurden. Doch letztlich erfährt hier das Motto „Auf zu neuen Ufern“ zahlreiche Varianten, und dass sich ausstellungsbezogene wie auch dauerhafte Nutzung gut ergänzen, lässt für die Landesgartenschau 2014 Einiges erwarten.