Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Neubau einer Grundschule in Riedberg

Preisträger

1. Preis: Neher GmbH, Sindelfingen mit MGF Architekten, Stuttgart

€ 40.000

Peter Neher, Jan Kliebe
Mitarbeit: Silke Lindemann, Daniel Gross (CAD)

2. Preis: Friedrich Poerschke Zwink Architekten mit fischer heumann landschaftsarchitekten, München

€ 27.000

Klaus Friedrich, Ute Poerschke, Stefan Zwink, Eva Fischer, Michaela Heumann
Fachberater: Michaela Hoppe (Energieberatung)

3. Preis: Harter + Kanzler Architekten, Freiburg mit Pit Müller, Freiburg

€ 19.000

Ludwig Harter, Ingolf Kanzler

4. Preis: harris + kurrle architekten, Stuttgart mit Jetter Landschaftsarchitekten

€ 12.000

Joel Harris, Volker Kurrle, Frank Jetter
Mitarbeit: Sabine Kugler, Simon Weber, Stefan Hoffman
Fachberater: Dr. Th. Dippel, Vaihingen/Enz

Anerkennung: Ferdinand Heide, Frankfurt mit Hanke.Kappes und Kollegen, Frankfurt

€ 9.000

Mitarbeit: Sandrine Schliemann, Stefan Hirschfelder (Modellbau)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener Wettbewerb mit vorgeschaltetem, qualifizierten Auswahlverfahren nach RPW 2008
Preisgerichtssitzung 10.02.2010
Ort Riedberg
Auslober HA Hessen Agentur GmbH, Wiesbaden
Betreuung BSMF, Frankfurt am Main
Preisrichter Joachim Klie (Vorsitz), Prof. Myriam Gautschi, Dierk Hausmann, Prof. Nikolaus Kränzle, Ulrich Kuhlendahl, Helmut Raff, Volker Götte, Friedhelm Flug, Ute Sauer, Martin Müller-Bialon, Dieter von Lüpke

Gut entwickelt 
Riedberg wächst und bekommt eine zweite Grundschule 

Traditionsgemäß ist ja ganz Frankfurt eine Baustelle. Und die wenigsten davon machen Freude. Eine, die man aber in jedem Fall mögen kann, ist der neue Stadtbezirk Riedberg. Dort wird seit Jahren auf 266 ha Gesamtfläche gebaut: der neue Campus, zwei große Parks, ein Einkaufszentrum, alle Arten von Wohnraum, sodass dort inzwischen 3.500 von voraussichtlich einmal 15.000 Menschen leben. Auch die Infrastruktur wächst rasch, das Gymnasium ist im Werden, eine Grundschule gibt es bereits. Nun kommt noch eine zweite hinzu: vierzügig soll sie sein, für 400 Kinder, mit einer Zweifeld-Sporthalle und einer Schwimmhalle sowie einer sechsgruppigen Kindertageseinrichtung. Das Gesamtraumprogramm dafür beträgt inklusive Freiflächen ca. 5.700 m² NF, die Bausumme ca. 27 Millionen Euro.

Und so wird sie aller Voraussicht nach aussehen: Die drei Baukörper (Schule, Kita, Schwimm- plus Turnhalle) stehen parallel und leicht versetzt zueinander und vor allem die Grundschule ist entsprechend in Längsrichtung zoniert. Indem sie orthogonal zum grünen Band „Römische Straße“ verlaufen, entsteht zugleich ein Bezug zum benachbarten Kätcheslachpark. Das zumindest sieht der Siegerentwurf im nichtoffenen Architektenwettbewerb (ausgelobt von der HA Hessen Agentur GmbH) vor, bei dem 21 Teilnehmer Arbeiten eingereicht hatten, darunter fünf, die als „kleine Büroorganisation“, und zwei, die als „Berufsanfänger“ ausgewählt worden waren. Die Preisrichter mit ihrem Vorsitzenden Joachim Klie entschieden sich einstimmig für das Konzept von MGF Architekten aus Stuttgart zusammen mit den Landschaftsarchitekten Preis Neher aus Sindelfingen. Gleichfalls einstimmig fielen die Entscheidungen für den zweiten und dritten Preis. Zum einen für Friedrich Poerschke Zwink Architekten mit fischer heumann landschaftsarchitekten, beide München, die ihre drei sehr unterschiedlich ausgestatteten Volumina mit viel Gespür für Freiräume arrangieren, der Innenhof der Schule inklusive. Zum anderen Harter + Kanzler Architekten, Freiburg, mit Pit Müller, gleichfalls Freiburg, die sich an der Arealstruktur orientieren und ihr Ensemble winkelförmig anlegen.

Da wirkt die Anlage des ersten Preisträgers einfacher, ist aber in der Kombination der drei Gebäude sehr effektvoll. Die Grundschule verläuft entlang der Graf-von-Stauffenberg Allee, besitzt eine großzügige Eingangssituation, auf die eher zurückgenommene, über Atrien belichtete Räume folgen. Hier befinden sich im Zentrum Mehrzweckraum, Speisesaal und Küche, wobei die Preisrichter bemängelten, dass diese im geschlossenen Zustand die innere Durchlässigkeit beeinträchtigten. Durch das Obergeschoss führt ein großer Flur, die Jahrgangs-cluster sind flexibel. Zwischen den Clustern sorgen Fugen für die Belichtung. Mit vergleichbar sparsamen Mitteln überzeugen auch die linear angelegte Kita mit einer inneren Straße sowie die Sport- und Schwimmhalle, die im Inneren mit guten räumlichen Qualitäten aufwartet. Hauptpluspunkt aber sind die Freiflächen, insbesondere der Übergang zum Park bzw. zu den Sportflächen.

Das dürfte ohnehin der große Vorteil Riedbergs sein: dass dort das Hasenstallkonzept vieler Investoren im Rhein-Main-Gebiet keine Rolle spielt. Hier wird Stadt entwickelt, nicht verwickelt.