Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Niederrad Frankfurt/Main

Preisträger

2. Preis: Jo.Franzke Architekten, Frankfurt / Main mit Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten, Berlin

€ 28.500

Jo. Franzke, Prof Rainer Schmidt
Mitarbeit: Dieter Adelberger, David Sauerwein, Alexander Volz, Christina Chantzara, Frank Kiessling, Robin Krajpowicz, Claudia Stolle, Norma Oder

2. Preis: ANP Architektur- und Planungsgesellschaft, Kassel

€ 28.500

Michael Berholter, Barbara Ettinger-Brinckmann, Birgit Schwarze
Mitarbeit: Dörte Brethauer, Heiko Büsscher, René Hollender, Anne Kirschbaum, Thorsten Ley, Robin Mai, Fabian Schäfer, Martin Schmittdiel, Steffen Wörsdörfer, Andreas Wilkening
Fachberater: Proforma GbR Architekten, Markus Eusterbrock, Kassel (Visualisierung)

3. Preis: CB Landschaften, Berlin mit o5 architekten+ingenieure - raab hafke lang, Frankfurt/Main

€ 17.500

Dirk Christiansen, Till Bacherer, Jan-Henrik Hafke, Joachim Raab, Ruben Lang
Mitarbeit: Marina Hokari

3. Preis: BS+ städtebau und architektur, Frankfurt/Main mit el:ch landschaftsarchitekten, München

€ 17.500

Torsten Becker, Henrike Specht, Elisabeth Lesche, Christian Henke
Mitarbeit: Magnus Jakob, Kerstin Formhals, Jana von Mackensen

Anerkennung: Trojan Trojan + Partner, Darmstadt mit HEIDE LandschaftsArchitekten, Frankfurt/Main

€ 6.433

Prof. Klaus Trojan, Verena Trojan, Claus Heide
Mitarbeit: Volker Ihm, Carl Wilkens, Mario Freese, Moritz Mücke

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Stadtplanung
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Offener, zweiphasiger städtebaulicher Ideenwettbewerb gemäß RPW 2008
Preisgerichtssitzung 26.05.2010
Ort Frankfurt/Main
Auslober Stadtplanungsamt Frankfurt am Main
Betreuung Stadtbauplan, Darmstadt
Preisrichter Prof. Dr. Michael Koch (Vorsitz), Dr. Harald Heinz, Martin Oster, Prof. Dr.-Ing. Engelbert Lütke Daldrup, Angela Bezzenberger, Ulrich Baier, Eva Maria Lang, Dieter von Lüpke, Jürgen Braun

Erhalten oder abreißen? 
Neue Perspektiven für „Niederrad am Main“ 

Wohnen am Fluss hat in Frankfurt Hochkonjunktur – als Wohnkonzept und natürlich ganz konkret in der baulichen Umsetzung. Dass nun gleich ein ganzer Stadtteil – oder zumindest sein nördlicher Teil – an den Main „heranrücken“ soll, ist da nur konsequent. „Niederrad am Main“ lautet deshalb auch doppeldeutig das Leitmotiv, unter dem der Frankfurter Stadtteil weiterentwickelt werden soll. Kernproblem sind dort vor allem die um 1970 herum entstandenen Hochhäuser mit bis zu 21 Stockwerken. Im Rahmen eines offenen, zweiphasigen städtebaulichen Ideenwettbewerbs waren 15 Büros in der zweiten Phase aufgerufen, die Grenzen zum Main und zum alten Ortskern hin abzubauen, ein Rück- oder Neubaukonzept für die Mainfeld-Siedlung zu entwerfen und Überlegungen zu Freiraum, Ökologie und Verkehr vorzulegen. Das Wettbewerbsgebiet ist vom Main im Norden, den Universitätskliniken im Osten, der Bürostadt Niederrad im Westen und dem Ortskern im Süden begrenzt.

Das Preisgericht Vorsitz Prof. Michael Koch vergab einstimmig zwei zweite Preise. Außerdem wurden zwei Arbeiten auf den dritten Rang gesetzt. Ein erster Preis wurde nicht vergeben, weil trotz der guten Vorschläge für eine Öffnung des Mainufers immer noch die Frage nach weiteren Alternativen offen ist, um das Ufer für die Öffentlichkeit noch zugänglicher zu machen. Und so differenziert letztlich die Strategien für die Hochhaussiedlung waren – das Preisgericht vermochte keine in Gänze zu überzeugen. Trotzdem lautete die Einschätzung, dass alle vier ausgezeichneten Arbeiten letztlich sehr gute Grundlagen für die Diskussion um die zukünftige Entwicklung Niederrads bieten.

Vor allem die beiden zweitplatzierten Entwürfe deuten in ihrer Unterschiedlichkeit die ganze Bandbreite an – nämlich Erhalt oder Abriss der Hochhäuser, Heranrücken an den Main oder eine verdichtende Binnenlösung.

So will die ANP Architektur- und Planungsgesellschaft, Kassel, den Bestand der Hochhäuser weitestgehend sichern. Zwei werden abgerissen (ebenso eine Seniorenanlage), ein Teil auf neun bis 14 Stockwerke zurückgebaut, sechs- bis achtgeschossige Punkthäuser sollen die Siedlung nach Westen und nach Osten ergänzen. Das Quartier wird in insgesamt verdichtet und architektonisch „bunter“, mehrere Einzelgebäude werden auf jeweils gemeinsamen Freiräumen zusammengefasst. Der Entwurf setzt auf konsequente Verkehrsberuhigung, der Verkehr wird an die Ränder umgeleitet, die Erschließungsstraße Im Mainfeld entfällt. An der nördlichen Altstadt sind zur vorhandenen Bebauungsstruktur passende Reihenhäuser vorgesehen, bei der Uniklinik schließt das Gelände an der West- und Südseite baulich prägnant mit modernen Hauszeilen ab und der Elli-Lucht-Park wird erweitert.

Während hier der Fokus auf Bestandspflege und -entwicklung liegt, setzen Jo.Franzke Architekten aus Frankfurt mit Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten, Berlin, auf eine Siedlung mit einem neuen Konzept: Die Wohntürme werden durch eine sechsgeschossige Blockrandbebauung mit ruhigen Innenhöfen ersetzt. Drei Hochhäuser, die nicht zur Disposition stehen, werden durch eine Mischnutzung aus Wohnen und Arbeiten, aus öffentlichen und kommerziellen Einrichtungen umfasst und integriert. Besonderer Clou: Die trennende Straße „Am Niederräder Ufer“ wird verlegt bzw. zu einer beidseitig bebauten Stadtstraße mit 14 Punkthäusern auf der Mainuferseite umgestaltet. Am westlichen Anfang entsteht durch einen Kreisel mit öffentlichen Gebäuden „ein städtebauliches Tor“. Die zum Main hin orientierte Bebauung wird rhythmisch unterbrochen, sodass immer wieder Wege und Blickbeziehungen zum Main entstehen. Das bedeutet auch, dass man über die derzeitige Ufernutzung durch Kleingärtner und Rudervereine reden muss. Vereinshäuser müssten beispielsweise verlagert werden. An den alten Kern Niederrads wird höhentechnisch moderat angeschlossen, ehe die Gebäude bis zu sieben Stockwerke hoch werden. Am Elli-Lucht-Park entstehen Wohnzeilen, der Park selbst öffnet sich großzügig zum Main hin.

Die Diskussionen, wie das Niederrad der Zukunft aussehen soll, gehen nun in die nächste Runde. Hier ist sogar eine Mischung aus beiden Ideen denkbar, nämlich die Anbindung mit verbesserten Zugängen zum Fluss im Norden bei gleichzeitigem Erhalt der zu sanierenden Hochhäuser, deren prekäre Alleinstellung durch eine Quartiersverdichtung bzw. ?durchmischung entschärft werden könnte.