Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Campus der Fachhochschule Gießen-Friedberg

Preisträger

1. Preis: Schneider + Schumacher Architektengesellschaft mbH, Frankfurt am Main

€ 25.000

Christian Simons
Mitarbeit: Jana Heidacker, Karlo Filipovic, Esko Willimann, Mingge Yu
Fachplaner: Gnüchtel Triebswetter Landschaftsarchitektur GBR, Michael Triebswetter, Kassel

2. Preis: Prof. Hans Nickl, Prof. Christine Nickl-Weller, München mit Nickl & Partner Architekten AG,

€ 20.000

Oliver Zimmermann
Mitarbeit: Nina Gjorgon, Huibiao Wu, Debora Lengler Velazquez
Fachplaner: Lohrer.Hochrein Landschaftsarchitekten, Ursula Hochrein, München
StetePlanung, Gisela Stete, Darmstadt (Stadt- und Verkehrsplanung)

3. Preis: JSWD Architekten GmbH & Co.KG, Köln

€ 15.000

Frederik Jaspert, Konstantin Jaspert
Mitarbeit: Nina Breuer, Thorsten Burgmer, Anna Rzymelka
Fachplaner: KLA kiparlandschaftsarchitekten, Duisburg
BSV-Büro für Stadt- und Verkehrsplanung Dr.-Ing. Reinhold Baier GmbH, Axel C. Springsfeld, Aachen

4. Preis: raumzeit gesellschaft von architekten mbH, Berlin

€ 10.000

Jan Läufer, Gunnar Tausch, Friedrich Tuczek
Fachplaner: K1 Landschaftsarchitekten, Catherine Kuhn, Axel Klapka, Berlin

Anerkennung: Poos Isensee Architekten, Hannover

€ 4.000

Mitarbeit: Monica Llobell, Petter Glaser, Joachim Plate, Michael Helbing
Fachplaner: Prof. Christoph Schonhoff, Dresden, (Landschaftsarchitektur)
Mitarbeit: Annegret Stöcker

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Stadtplanung
Wettbewerbsform Nichtoffener einphasiger städtebaulicher Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 28.10.2010
Ort Gießen
Auslober Land Hessen
Betreuung ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
Preisrichter Prof. Zvonko Turkali (Vorsitz), Martin Albers, Prof. Bernd Borghoff, Hans Dettling, Inge Laste, Prof. Nikolaus Zieske, Guido Brennert, Erika Ernst, Prof. Dr. Günther Grabatin, Dietlind Grabe-Bolz/Thomas Rausch, Hartmut Klee, Thomas Platte

In bester Nachbarschaft 
Neugestaltung für die vier Campus-Standorte der Fachhochschule Gießen

Die Geschichte der heutigen Fachhochschule Gießen-Friedberg startete 1838 mit der Gründung der „Schule für technisches Zeichnen“. Es folgten mehrere Erweiterungen des Lehrspektrums und damit einhergehende Vergrößerungen sowie Umbenennungen – beispielsweise in „Großherzogliche Gewerbe-Bauschule“ und „Staatliche Ingenieurschule für Maschinenbau, Elektrotechnik und konstruktiven Ingenieurbau, Gießen“. 1971 war mit Gründung der Fachhochschule Gießen (1978 in Gießen-Friedberg umbenannt) ein vorläufiger Endpunkt erreicht. Nun stehen erneut größere Umwälzungen an. Nicht nur wird ab März 2011 ein neuer Name – „Technische Hochschule Mittelhessen“ – die Bildungsanstalt prägen, viel bedeutsamer dürften die baulichen Veränderungen sein, die die geplante, grundlegende Neugestaltung des Fachhochschul-Standortes Gießen bringt.

Bis Ende des Jahrzehnts soll die Fachhochschule am Standort Gießen ein völlig neues Gesicht erhalten. Charakteristisches Merkmal des Standortes ist die Verteilung der Hochschuleinrichtungen auf vier verschiedene Campusbereiche, die eine Art bogenförmiges Scharnier zwischen der Innenstadt und markanten Freiräumen wie dem Botanischen Garten und der Wieseck-Aue bilden. Gesucht wurde ein ganzheitliches, bauliches Konzept, dasssowohl Abriss und Neubau als auch die Einbeziehung bestehender Bauten berücksichtigt. Gefordert waren Lösungen, die den Campusbereich Wiesenstraße als Herzstück städtebaulich und freiraumbezogen neu strukturieren, die vier Standorte Wießenstraße, Gutfleischstraße, Süd- und Ostanlage zu einer Identität stiftenden Einheit verschmelzen sowie den Hochschulstandort in den bestehenden Stadtraum integrieren und mit der Umgebung vernetzen.

Der dafür durchgeführte einphasige städtebauliche Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Auswahlverfahren, koordiniert von ANP – Architektur und Planungsgesellschaft mbH aus Kassel, erbrachte ein eindeutiges Ergebnis. Aus den 27 eingereichten Beiträgen wählte das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Zvonko Turkali einstimmig einen 1. Preis. Der Siegerentwurf vom Büro schneider+schumacher aus Frankfurt am Main überzeugte die Preisrichter durch die Leitidee „In bester Nachbarschaft“ und deren Umsetzung sowie die präzise Anordnung der Einzelgebäude. Der Entwurf gliedere sich harmonisch ins Umfeld ein – keines der geplanten Gebäude, die locker und mit viel Grünfläche dazwischen aneinander gereiht werden, soll mehr als vier Geschosse aufweisen. Auch die beabsichtigte Mischung mit städtischen Nutzungen und die daraus abzuleitende Integration bewerteten die Preisrichter positiv. Sie lobten zudem den „überdurchschnittlichen, stadtbaukulturellen Qualitätsstandard“ für alle vier Campusbereiche sowie die Flexibilität des Konzeptes, das sich mit den geplanten drei größeren und acht kleineren Gebäuden den finanziellen Möglichkeiten anpasse. Das Preisgericht empfiehlt denn auch, den ersten Preis umzusetzen – dabei aber die Ausbildung des Gebäudes zur Ringallee hin zu überprüfen.

Der zweite Preis ging an das Büro Nickl & Partner Architekten AG aus München. Diese entwickelten als Leitgedanken aus dem benachbarten Bestand einen kompakten, vielfältig nutzbaren Stadtbaustein, der – verdichtet – auch die Grundlage für die Hauptbauten Mensa, Bibliothek und Hörsaalgebäude am Hauptstandort bildet. Einen dritten Preis vergab das Preisgericht an den Vorschlag von JSWD Architekten aus Köln, die durch eine prägnante neue Campus-Mitte im Bereich Wiesenstraße und die städtebauliche Erweiterung von zwei der weiteren drei Campusbereichen überzeugten. Für ihren Vorschlag eines eher introvertierten Campus mit einem orthogonal zur Wieseck-Aue angeordneten zentralen Campus-Platz erhielt das Berliner Architekturbüro raumzeit den 4. Preis.

Die Fachhochschule Gießen hat ehrgeizige Pläne, um sich zukünftig zu erweitern und zu entfalten. Ob die finanziellen Mittel aus dem Hochschulförderprogramm des Landes Hessen „Heureka“ ausreichen, ist noch ungewiss. Aber angesichts der bisherigen Entwicklung von einer Gewerbeschule mit 28 Schülern zur zukünftigen „Technischen Hochschule Mittelhessen“ mit mehr als 7.000 Studenten am Standort Gießen wäre es wünschenswert, die „städtebauliche Vision, die uns eine hervorragende Entwicklungsperspektive für wettbewerbsfähige Lehre, Forschung und Weiterbildung bietet“, wie der Präsident der Fachhochschule Gießen-Friedberg Prof. Dr. Günther Grabatin formulierte, umzusetzen. Auf der Grundlage des Siegerentwurfes soll nun zunächst ein Masterplan mit vier Bauabschnitten entstehen, über den dann diskutiert und abgestimmt werden wird.