Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau des Lahn-Marmor-Museums in Villmar

Preisträger

Preisgruppe: Schmidt│Weismüller Architekten, Gießen

€ 3.000

Gesine Schmidt, Matthias Weismüller

Preisgruppe: André Kramm, Limburg/Lahn

€ 3.000

Mitarbeit: Francois Steul, Sarah Textor
Fachplaner:
R & P Ruffert, Ingenieurgesellschaft mbH, Limburg

Preisgruppe: Sturm + Wartzeck GmbH, Dipperz

€ 3.000

Jörg Sturm, Susanne Wartzeck

Anerkennung: Schmitt Projekt GmbH, Limburg

€ 1.000

Werner Schmitt
Mitarbeit: Andreas Schmitt, Hans Schmitt

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Einstufiger Realisierungswettbewerb in Form eines nichtoffenen Wettbewerbs gemäß RPW 2008 mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 23.06.2010
Ort Villmar
Auslober Gemeindevorstand der Gemeinde Villmar
Betreuung Planungsbüro Holger Fischer, Linden
Preisrichter Joachim Klie (Vorsitz), Hans-Peter Kissler, Manfred Michel, Hermann Hepp, Volker Klemens

Klein, fein, steinreich 
Das neue Lahn-Marmor-Museum in Villmar 

Der Westerwald hat viele touristische Optionen. Eine von ihnen ist der Geopark Westerwald-Lahn-Taunus. Das Projekt von fünf Landkreisen ist seit diesem Jahr amtlich und zielt darauf, die buchstäblich steinreiche Gegend nicht nur für eingefleischte Geologie-Fans interessanter zu machen. Marmor, Stein und Eisen waren Grundlage der Montanindustrie des 19. Jahrhunderts, und ihre heutigen Spuren locken schon seit langem viele Geotouristen in die Gegend.

Zu den Besonderheiten zählt der farbenreiche Lahnmarmor, ein polierbarer Kalkstein. Seine Geschichte erzählt das Lahn-Marmor-Museum in Villmar – eines der zehn Informationszentren des Geoparks. Dieses soll nun an einem anderen Standort neu errichtet werden. Auf 400 Quadratmeter Ausstellungsfläche wird es über den Geopark informieren und unter anderem eine Marmorwerkstatt, ein Café und ein Museumsgeschäft beherbergen. Ein kleines, aber feines Museum, das zum Eingangstor des Geoparks werden soll – und eine gute Adresse für das 7.000-Einwohner-Städtchen Villmar werden wird.

Bei dem von der Gemeinde Villmar ausgelobten Realisierungswettbewerb, bei dem auch die Option einer künftigen Erweiterung mit ins Gewicht fiel, gab es allerdings bei neun eingereichten Arbeiten keinen Sieger. Unter ihrem Vorsitzenden Joachim Klie entschieden sich die Preisrichter dafür, keine Rangfolge festzulegen. Stattdessen bildeten drei gleichberechtigte Entwürfe eine Preisgruppe: Schmidt?Weismüller Architekten, Gießen, André Kramm aus Limburg an der Lahn sowie das Büro Sturm + Wartzeck GmbH, Dipperz. Alle drei setzen auf funktionale Architektur, die sich mit dem Thema „Abbau“ auseinandersetzt und in der sich das industrielle Moment wiederfindet. Bei allen Entwürfen gab es Optimierungsbedarf, vor allem in punkto Wirtschaftlichkeit und Überarbeitung hinsichtlich der Anforderungen des Ausstellungskonzepts bzw. der schwergewichtigen Exponate.

Sturm + Wartzeck etwa sehen einen – für Museumszwecke eher ungewöhnlichen –fünfgeschossigen Bau vor, der zugleich als Aussichtsturm dient. Die an Marmorblöcke angelehnte Containerbauweise hingegen bietet großflächige Erweiterungsmöglichkeiten. Das Kramm’sche Modell ist senkrecht zum Hang konzipiert, ein klares Zeichen im Landschaftsraum.

Mittlerweile steht fest, dass der Beitrag von Schmidt?Weismüller den Zuschlag erhält. Der dreigeschossige Bau weist ein schlüssiges Raumkonzept auf und fügt sich gelungen in die Topographie ein. Es will den Übergang von Natur- und Kulturlandschaft markieren, bietet einen großzügigen Bereich, der gleichermaßen zur Erschließung wie zum Verweilen dient. Nach vorne zur Lahn hin sieht das Modell eine Terrasse vor, mit der – und mit der Rauheit der gewählten Materialität – es die Marmorabbausituation zitiert. Hinsichtlich dieser Terrasse als oberer Abschluss des klimatisch kontrollierten Bereiches äußerten die Preisrichter allerdings Bedenken. Es ist der Entwurf, dessen „formal anspruchsvolle und auch architektonisch gelungene Gestaltung“ das Preisgericht ganz besonders lobte. Die wird schlussendlich aber die notwendige Bedingung dafür sein, dass in Villmar tatsächlich das Eingangstor entsteht, durch das möglichst viele Besucher den Weg in die Region finden.