Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Museum Sander Mathildenhöhe, Darmstadt

Preisträger

1. Preis: schulz + schulz architekten GmbH, Leipzig

€ 16.000

Ansgar Schulz, Benedikt Schulz
Mitarbeit: Julian Möhring, Wilhelm Rosenberger

3. Preis: raumwerk, Gesellschaft für Architektur und Stadtplanung mbH, Frankfurt/Main

€ 10.000

Sonja Moers, Thorsten Wagner, Jon Prengel
Mitarbeit: Ulli Heckmann, Vera Kontos, Melanie Schäfer
Fachberater:
A24 Landschaftsplanung, Berlin (Landschaftsarchitektur)
Transsolar Energietechnik, München (Energieplanung)
Lenz Weber Ingenieure, Frankfurt/Main (Tragwerksplanung)
Sachverständigenbüro Oliver Hilla, Frankfurt/Main (Brandschutz)
Tillmann Sick, Köln (Visualisierung)

3. Preis: töpfer.bertuleit.architekten GbR, Berlin

€ 10.000

Sandra Töpfer, Dirk Bertuleit
Mitarbeit: Katrin Wünsche
Fachberater:
BWI – Bähr Werner Ingenieur Consult GmbH (TGA)
Kress & Adams, Atelier für Tages- und Kunstlichtplanung (Lichtplanung)

4. Preis: Lengfeld + Wilisch GbR, Darmstadt

€ 8.000

Mathias Lengfeld, Kay Wilisch
Mitarbeit: Christoph Kelber, Björn Osman, Jeanette Dencinger-Herge, Marcus Brückner
Fachberater:
Sommerlad, Haase, Kuhli Landschaftsarchitekten, Gießen (Landschaftsarchitektur)
Erik Römmele (Energieoptimierung)

Anerkennung GRAFT GmbH, Berlin

€ 6.000

Thomas Willemeit

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 25.06.2010
Ort Darmstadt
Auslober H.-J. und G. Sander Stiftungs GmbH
Betreuung HEGGER HEGGER SCHLEIFF – HHS Planer + Architekten AG, Kassel
Preisrichter Prof. Wolfgang Lorch (Vorsitz), Angela Bezzenberger, Mario Bellini, Erick van Egeraat, Dieter Wenzel, Nikolaus Heiss, Gisa Sander, Hans-Joachim Sander, Prof. Gerd Weiß

Jugendstil mit Kubus 
Das neue Museum Sander auf der Mathildenhöhe 

Weil die eine Lage überaus sensibel ist, ist die andere Lage äußerst angespannt: Die Rede ist zum einem von dem Standort des neuen Museums Sander in Darmstadt. Das soll nämlich auf der „Jugendstil-Akropolis“ Mathildenhöhe entstehen, dort, wo einst das von Joseph Maria Olbrich entworfene und 1944 zerstörte Haus Christiansen stand, die „Villa in Rosen“. Und zum anderen ist gemeint, dass seit dem Ergebnis des Architektenwettbewerbs ein Architekturstreit Darmstadt spaltet: Soll man das Villen-Ensemble zwischen Alexandraweg und Russischer Kapelle überhaupt wieder ergänzen? Mit einem Kubus?

Hinsichtlich des nichtoffenen Wettbewerbs waren diese Fragen schon im Vorfeld beantwortet. Die Kubusform war im Wesentlichen vorgegeben. Und das Grundstück hat die Stadt Darmstadt dem Ehepaar Hans-Joachim und Gisa Sander in Erbpacht überlassen. Deren H.-J. und G. Sander Stiftungs GmbH wird sowohl den Neubau als auch den laufenden Museumsbetrieb finanzieren. Ausgestellt werden sollen rund 260 Werke ihrer bedeutenden Sammlung Darmstädter Kunst seit dem 18. Jahrhundert.

Teilgenommen hatten 19 international bekannte Büros wie Chipperfield, London, deutsche Architekten mit Erfahrung im Museumsbau, aber auch lokale Architekten sowie junge Architekturbüros. So vielstimmig nun die Kommentare zum Vorhaben an sich sind, so einstimmig fiel die Entscheidung in diesem Wettebewerb. Die Preisrichter unter Vorsitz von Prof. Wolfgang Lorch vergaben den ersten Preis an schulz + schulz architekten GmbH, Leipzig. Gerade hier überwog das Lob für die Einbindung des Baukörpers, der sich aus dem Thema der Einfriedung heraus entwickelt, in das Gesamtensemble. Ebenfalls einstimmig fiel die Entscheidung, zwei dritte Preise zu vergeben. Der eine ging an raumwerk, Gesellschaft für Architektur und Stadtplanung mbH, Frankfurt am Main, die auf die Spannung von Haustypus und Museum fokussieren und mit einer skulpturalen Dachkonstruktion aufwarten. Der andere ging an töpfer.bertuleit.architekten GbR, Berlin, für einen klaren, durch Sichtöffnungen pointierten Kubus, der die historische Zugangssituation aufgreift und die Verknüpfung mit der Mathildenhöhe erfolgreich umsetzt.

Der Siegerentwurf emanzipiert sich von seinem Vorgängerbau: Er gibt dessen Orientierung auf und setzt stattdessen auf eine Symmetrie mit der Treppenanlage zum Atelierhaus als Achse. Einfriedung und Haupteingang spiegeln die Vorzone des Olbrich-Hauses, machen so die verlorenen Dimension erfahrbar. Backstein und Kupfer zitieren das Material des Hochzeitsturms, was den Bau integriert und ihn gegenüber den anderen Putzbauten seine Eigenständigkeit bewahren lässt. Mit dem einzelnen Hauptkörper enden auch schon die Eingriffe in das frei fließende, parkartige Gelände. Ohnehin ist von dem Gebäude nur ein Drittel zu sehen, das war schon durch die Höhenbeschränkung vorgegeben, das Gros der Ausstellungsräume ist in den Hang integriert.

Im Innenraum geht die Kubatur bis ins Untergeschoss weiter. Alle öffentlichen Bereiche sind um eine gut beleuchtete Mitte herum gruppiert. Weitere Möglichkeiten der Tageslichtführung im Untergeschoss gibt es nicht. Das ist für Ausstellungen nicht ganz optimal, aber letztlich der Preis dafür, dass der Bau nur sehr behutsam in die Landschaft eingreift. Die Besucher gelangen über eine lange Treppe zur Ausstellungsebene, haben zuvor den zentralen Raum und das Café passiert. Ein klassischer Museumsrundgang ist möglich.

Nachbesserungen schrieb das Preisgericht den Wettbewerbsgewinnern allerdings auch ins Pflichtenheft: Die Enge im Bereich des Atelierhauses, die durch die Drehung des Volumens entsteht, sei zu überprüfen, ebenso noch einmal die Gebäudehöhe, und die Auseinandersetzung mit der Materialität sei trotzt eines ersten überzeugenden Vorschlags zu vertiefen.

Diese kleineren Kritikpunkte stehen nicht im Fokus der jetzigen Kontroverse um die Mathildenhöhe. Die setzt erneut bei Grundfragen an. Das kann man, auch wenn es zwei Jahre, nachdem die Marschrichtung des Wettbewerbs festgelegt worden war, stattfindet, durchaus tun, dient es doch der Selbstvergewisserung dessen, was Architektur soll. Und es ist eine Chance, noch einmal alle Argumente auszutauschen. Ein Argument ist: Wenn man einen Neubau auf der Mathildenhöhe errichten will, dann gibt es, das hat der Wettbewerb gezeigt, Konzepte, wie man das Ensemble „wiederherstellen“ und dabei der Gegenwart und der Vergangenheit Genüge tragen kann.