Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neugestaltung Rudolphsplatz in Marburg

Preisträger

1. Preis: Ferdinand Heide, Frankfurt/Main mit Stephan Buddatsch von TOPOS Stadtplanung Landschaftsplanung Stadtforschung, Berlin

€ 13.000

Mitarbeit: Frank Heinen, Victoria Zander

2. Preis: Olympia Chatzopoulou mit Dimitra Figa, Thessaloniki (GR)

€ 7.000

Mitarbeit: Kiki Katsika

3. Preis: Franz Reschke mit Jan Derveaux, Berlin

€ 5.000

Franz Reschke, Jan Derveaux 

Mitarbeit: Frederik Springer

Anerkennung: Baena Casamor Architects BCQ, SLP, Barcelona (E)

€ 3.000

Antonio Casamor Maldonado

Mitarbeit: David Baena Asencio, Maria Taltavull, Mika Iitomi, Jordi Sanchez, Andreas Kammermeier

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Stadtplanung
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener städtebaulicher Ideenwettbewerb mit vorgeschaltetem, qualifiziertem Auswahlverfahren als kooperatives Verfahren mit Zwischenpräsentation der Arbeiten
Preisgerichtssitzung 09.09.2011
Ort Marburg
Auslober Magistrat der Universitätsstadt Marburg
Betreuung BSMF Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH, Frankfurt/Main
Preisrichter Angela Bezzenberger, Prof. Michael Braum (Vorsitz), Waltraud Mechsner-Spangenberg, Prof. Wolfgang Schulze, Dr. Franz Kahle, Jürgen Rausch, Egon Vaupel

Attraktives Tor zur Stadt 
Neugestaltung des Rudolphsplatzes in Marburg 
Wer über die Weidenhäuser Brücke in Richtung Marburger Innenstadt läuft oder fährt, nimmt zunächst die imposante Oberstadt, das Dominikaner-Kloster, das die Universität beherbergt und das historische Gebäude der ehemaligen Volksbank war. Sobald jedoch das Ende der Brücke erreicht ist, empfängt einen der Rudolphsplatz – weniger ein Ort zum Verweilen als vielmehr ein Nadelöhr für den Verkehr. Noch bis 1969 bebaut, kreuzen hier heute täglich tausende Autos, Busse, Fußgänger und Radfahrer. Die kaum genutzte Freifläche des Platzes liegt – durch Unterführungen erreichbar – unterhalb der Straßen- und Brückenebene, die Nähe der Lahn ist hier kaum wahrnehmbar.
Die Stadt Marburg möchte weg von dieser auf den Autoverkehr fokussierten Gestaltung des Platzes und hat für dessen Metamorphose einen internationalen städtebaulichen Ideenwettbewerb mit vorgeschaltetem Auswahlverfahren ausgelobt. Vorab waren bereits eine neue Verkehrsführung erarbeitet und Bürgerworkshops durchgeführt worden. Zudem hatten Stefan Rausch-Böhm vom Landeswettbewerbs- und Vergabeausschuss sowie Gesine Ludwig vom Referat Vergabe und Wettbewerbe der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen Gespräche mit Vertretern der Stadt geführt. Die Frankfurter BSMF – Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH betreute den Wettbewerb.
Von den zwölf Wettbewerbsteilnehmern wurden Vorschläge für die Neugestaltung des Rudolphsplatzes gefordert, denen der Spagat zwischen den Funktionen als Verkehrsknotenpunkt und als städtischer Platz mit Aufenthaltsqualität gelingt. Dazu gehörte unter anderem auch, die heutigen Niveauunterschiede aufzuheben und den Platz Richtung Lahn zu öffnen. Die drei Preisträger verbindet, dass sie die vorgeschlagene Ansiedlung der Bibliothek in ihren Entwürfen aufgriffen.
Für ihre Idee, mithilfe eines Neubaus gegenüber dem historischen Mühlengebäude ein Tor zur Innenstadt zu schaffen, konnte sich die Arbeitsgemeinschaft von Ferdinand Heide aus Frankfurt am Main mit Stephan Buddatsch von TOPOS Stadtplanung, Landschaftsplanung, Stadtforschung aus Berlin gegen die Konkurrenz durchsetzen. Das "Brückenhaus" soll Eingangsbauwerk der neuen Bücherei sein und einen Veranstaltungssaal beherbergen. Ein Sockelbau, auf dem ein gläserner Lesesaal ruht, wird eine neue Kante zwischen Lahnufer und dem angehobenen neuen Platzniveau bilden und das Brückenhaus mit dem historischen Gebäude der Volksbank verbinden. Vom Platz führt eine Freitreppe hinunter zur Lahn. Die Straße „Am Grün“ soll nur noch einspurig befahren sein. Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Michael Braum bescheinigte dem Vorschlag in städtebaulicher wie architektonischer Hinsicht einen sehr urbanen Charakter. Es diskutierte jedoch die dargestellte Transparenz des gläsernen Lesesaals hinsichtlich der Realisierbarkeit.
Der zweitplatzierte Entwurf des Büros Olympia Chatzopoulou / Dimitra Figa aus dem griechischen Thessaloniki definiert den neuen Platz mittels Bebauung. Die Architekten platzieren einen siebengeschossigen Bibliotheksturm direkt gegenüber der historischen Universität. Das Volksbankgebäude soll von den bisherigen Anbauten befreit werden und im südlichen Bereich eine neue Ergänzung erhalten. Durch das Abrücken der Straße "Am Grün" gelänge ein Platzgewinn, so die Preisrichter. Sie werteten die Arbeit in städtebaulicher Hinsicht als gelungen. Jedoch erschienen ihnen die sieben Geschosse des Bibliothekbaus als "zu hoch gegriffen" und sie vermissten Ideen für die Platzgestaltung.
Platz drei ging an die Berliner Franz Reschke und Jan Derveaux, die den Versuch einer stadträumlichen Reparatur unternehmen. In Richtung des Platzes sind Neubauten in der Maßstäblichkeit der Nachbarbebauung vorgesehen, die einen neuen Stadtraum formen. Ein zusätzlicher Steg für Fußgänger, an dessen Ende das Gebäude für die Bibliothek platziert wird, führt über die Lahn. Zwischen Bibliothek, Neubebauung am Rudolphsplatz und Weidenhäuser Brücke sind eine in die Grünfläche eingebettete Rampe, eine steinerne Treppe und ein "Lahn-Balkon" geplant. Nach Ansicht der Preisrichter spräche die vielfältige Gestaltung der Freiflächen etliche Interessengruppen an, jedoch wirke der der Landschaftsraum unruhig.
Mit einem klaren Votum empfahlen die Preisrichter den Siegerentwurf von Ferdinand Heide und Stephan Buddatsch bei der weiteren städtebaulichen und architektonischen Planung zu verfolgen, um aus dem Nadelöhr mit seinen unansehnlichen Restflächen ein attraktives Tor zur Stadt zu machen und einen urbanen Ort mit Aufenthaltsqualität zu schaffen.

Katja Klenz