Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau Kreishaus Wetzlar

Preisträger

1. Preis: ARGE hks ARCHITEKTEN – plandrei, Erfurt

€ 27.000

Michael Rommel, Stefan Dittrich
Mitarbeit: Andreas Kieser, Marco Schlothauer, Matthias Schott, Anja Langelotz, Sven Ilmer
Fachberater: HKL Ingenieurgesellschaft mbh, Martin Deutschmann, Erfurt (TGA)
Reichmann + Partner, Carsten Reichmann, Ehringshausen (Statik)

2. Preis: Drei Architekten Prof. Haag ∙ Haffner ∙ Stroheker, Stuttgart

€ 20.000

 

Mitarbeit: Paul Moor

3. Preis: Ute Kramm, Gießen

€ 13.000

aplus architektur
Keller & Keller, Kronberg (Außenanlagen)
Mitarbeit: Gesine Schmidt, Matthias Weismüller, Karlheinz Schmidt

Anerkennung: Prof. Andreas Theilig, Ostfildern

€ 4.000

Mitarbeit: Christoph Anderer

Anerkennung: Kissler + Effgen Architekten, Wiesbaden

€ 4.000

Hans-Peter Kissler, Roland Effgen
Mitarbeit: Stanko Galic, Dennis Zander
Fachberater: Bierbaum.Aichele Landschaftsarchitekten, Mainz (Landschaftsplanung)
Ingenieurpartnerschaft ip5, Karlsruhe (Energieberatung)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Realisierungswettbewerb in Form eines nichtoffenen Wettbewerbs nach RPW 2008
Preisgerichtssitzung 26.03.2010
Ort Wetzlar
Auslober Kreisausschuss des Lahn-Dill-Kreises
Betreuung BAUWERT Projekt Consult GmbH, Siegen
Preisrichter Hans-Uwe Schultze (Vorsitz), Angela Bezzenberger, Friedemann Roller, Helmuth Honemann, Wolfgang Schuster, Elisabeth Müller, Günther Kaufmann-Ohl

Von der Stadt, für die Stadt 
Neues Kreishaus des Lahn-Dill-Kreises in Wetzlar

Die zentrale Frage bei Verwaltungsgebäuden in größeren Städten lautet so gut wie immer: Wie hält ein Gebäude von der Stadt für die Stadt die Balance zwischen Repräsentation und Bürgernähe? In Wetzlar etwa, wo man genau vor dieser Aufgabe stand, ist zwar das städtebauliche Umfeld, auf dem Teile Stadtverwaltung abgerissen und neu gebaut werden sollen, nicht ganz einfach. Aber genau solche äußeren Parameter machen ein signifikantes Ergebnis fast unumgänglich: Unweit der Lahn im Herzen der Stadt, genau in der Gabelung des viel befahrenen Karl-Kellner-Rings und der Moritz-Hensoldt-Straße gelegen, muss der Neubau für rund 360 Mitarbeiter an das abgerundete Kopfhaus der denkmalgeschützten Wetzlaer Sparkasse anknüpfen, das die Stadt gekauft hat und erhalten will. Zum geplanten Parkhaus hin unterteilt das recht funktionale, siebengeschossige lineare Kreishaus das Areal, dazwischen muss sich der Neubau behaupten. Dadurch ist eine offensive Architektur schon programmiert, Zurückhaltung wäre das falsche Signal.

Das etwa hat die ARGE hks ARCHITEKTEN – plandrei, Erfurt, bewiesen. Sie belegten unter den 23 Teilnehmern, die am Wettbewerb, den der Kreisausschuss des Lahn-Dill-Kreises ausgelobt hat, den ersten Platz. Ihre Idee: Das neue Gebäude leitet sich aus der Rundung des bestehenden Kopfbaus ab und vervollständigt sie: Es entsteht ein markanter Rundling, der im Eingangsbereich mit einem herausgedrehten, schwebenden Körper, der einen zweigeschossigen Sitzungssaal beherbergt, eine überzeugende Variante zum Sparkassenbau setzt. Die Fortsetzung des Sparkassenbaus mit anderen Mitteln war auch Leitmotiv der beiden weiteren Preisträger, für das zweitplatzierte Stuttgarter Büro Drei Architekten Prof. Haag • Haffner • Stroheker, die in diesem Jahr in Hessen schon den Wettbewerb für das neue Rathaus in Neu-Anspach gewonnen haben, ebenso wie für die drittplatzierte Architektin Ute Kramm aus Gießen.

Was den Preisrichtern unter ihrem Vorsitzenden, dem Kasselaner Architekten Hans-Uwe Schultze, am Siegerentwurf besonders gefiel, war die souveräne Geste, mit der der schwebende Sitzungssaal inszeniert ist, wie der Eingangsbereich in den neuen Stadtplatz hineinragt bzw. ihn fasst und dadurch das Gebäude seine Identität gewinnt. Lob fand auch die Art, mit den Höhen umzugehen: Die Viergeschossigkeit beim Sparkassenbau erhöht sich organisch um zwei Geschosse zum alten Verwaltungsgebäude hin. Dadurch behauptet sich der Neubau an dieser Stelle und fügt sich höhentechnisch gleich zweifach in die umgebende Bebauung ein. Zum Karl-Kellner-Ring verkürzt sich das Gebäude geschickt mit einem engen Radius, wodurch der Vorplatz betont wird. Einladend ist die Geste im Foyerbereich, im Inneren überzeugen der überdeckte und der offene Innenhof. Die Fassade greift die Bänderung des Sparkassengebäudes auf, interpretiert sie neu und markiert durch Materialität und Farbigkeit ein „steinernes“, städtisches Haus. Auch dadurch fügt sich das neue Verwaltungsgebäude gut in den Ort ein, ebenso wie das Split-Level-Parkhaus, das ganz klar an den alten Verwaltungsbau angegliedert ist. Von der Stadt, für die Stadt eben – vorbildlich umgesetzt.