Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Frankfurt International School, Oberursel

Preisträger

1. Preis: BLFP Frielinghaus Architekten - Planungsgesellschaft mbH, Friedberg

€ 15.000

Michael Frielinghaus
Mitarbeit: Ladislav Dolezal, Natalija Krutsch, Claudia Moser, Eike Wiborny, Sabine Michalke-Vieler (Modellbau), Jürgen-F. Linde
Fachberater: TU Braunschweig, Institut für Gebäude- und Solartechnik, Prof. Dr. Norbert Fisch, Volker Huckemann, Lars Altendorf, Braunschweig

2. Preis: RKW Rhode Kellermann Wawrowsky GmbH + Co. KG, Düsseldorf

€ 10.000

Wojtek Grabianowski, Avi Spievak
Mitarbeit: Bastian Brakemeier, Jule Vochezer, Daniel Hüsgen
Fachberater: HTW Düsseldorf, Düsseldorf (TGA),
KUK Krebs und Kiefer, Darmstadt (Tragwerke),
Hagen Ingenieurgesellschaft für Brandschutz, Kleve (Brandschutz),
EGL GmbH, Landshut (Landschaftsplanung),
Grebner Ruchay, Düsseldorf (Verkehrsplanung)

3. Preis: Scheffler + Partner Architekten, Frankfurt am Main

€ 5.000

Prof. Ernst Ulrich Scheffler, Brigitte Scheffler
Mitarbeit: Alexia Bamberg, Eva Menges, Franz Nendeck, Annett Plonka, Jochen Schütz
Fachberater: Bauer und Partner Landschaftsarchitekten, Karlsruhe (Landschaftsarchitektur),
Bollinger + Grohmann Ingenieure, Frankfurt (Tragwerk), Planungsbüro Röhrig, Frankfurt (TGA),
Ingenieurbüro Hilla, Frankfurt (Brandschutz),
Dobberstein Realisierungsmanagement, Frankfurt (Kosten)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Wettbewerb gemäß RPW 2008
Preisgerichtssitzung 28.01.2010
Ort Oberursel
Auslober Frankfurt International School e.V., Oberursel
Betreuung Goldschmidt, Fischer + Partner, Heusenstamm in Zusammenarbeit mit Stadtbauplan GmbH, Darmstadt/Mannheim
Preisrichter Prof. Johann Eisele (Vorsitz), Prof. Zvonko Turkali, Prof. Anett Maud Joppien, Geoffrey Flockton, Hubert Deforth, Jana Schlichtenberg, Hans-Georg Brum, Peter Baker/Detlev Siebrecht, Wilfried Kastening, Jonathan Clenshaw, Niklas Sinander, Rhiannon Wood

Think global, act local 
Die Frankfurt International School als neues Ensemble 

Eigentlich mag man die begriffliche Fliegenklatsche, die heute scheinbar alles erklären kann und für alles herhalten muss, gar nicht mehr ins Feld führen: Globalisierung. Doch wenn es um eine internationale Schule geht, passt kaum etwas besser. Vor allem Privatschulen, an denen englisch gesprochen wird, sind so etwas wie ein Schmelztiegel globaler Ströme – und mittlerweile ein wichtiger Standortfaktor. Fachleute aus dem (nicht nur englischsprachigen) Ausland schätzen ein Schulsystem, das länderübergreifend kompatibel ist. Die Kinder von Deutschen, die wissen, dass sie ins Ausland wechseln werden, oder die aus dem Ausland zurückkehren, können gleichermaßen davon profitieren.

Das erklärt die Attraktivität internationaler Schulen in Hessen, allen voran die Frankfurt International School (FIS) in Oberursel. Seit 1961 ist sie stetig gewachsen, vor allem der zentrale Campus „Waldlust“ in Oberursel. In Oberursel steht seit 2001 auch die in die benachbarte Alfred-Lechler-Straße ausgelagerte Primary School für Kinder bis zur ersten Klasse, und schon seit 1992 gibt es einen Ableger in Wiesbaden, sodass über 1.800 Kinder aus 50 Ländern die FIS besuchen.

Da die Nachfrage ungebrochen ist, ist das Erweiterungsprojekt des Hauptcampus nicht nur ein Geschenk, das sich die FIS zum 50-jährigen Jubiläum 2011 selbst macht, sondern eine wichtige Zukunftsentscheidung: Das etwa 14 Millionen Euro teure Vorhaben umfasst unter anderem 16 neue Klassenräume, zwei Sporthallen, Parkmöglichkeiten sowie die Renovierung bzw. Erweiterung vorhandener Räume wie Theater und Cafe – wobei es nicht um mehr Kapazitäten geht, sondern um mehr Qualität für Schüler und Lehrer.

Die Planung der neuen Gebäude war zugleich Bestandteil der Aufgabe des nichtoffenen Wettbewerbs, den die FIS dazu ausgelobt hat. Sieben Büros waren teilnahmeberechtigt, die allesamt schon Erfahrungen mit internationalen Schulen vorweisen konnten, sechs hatten Arbeiten eingereicht. Dritter wurden Scheffler + Partner Architekten aus Frankfurt: Sie platzieren einen 3-geschossigen Riegel vor dem neuen Sportcenter und erreichen so einerseits eine einheitliche Fassade und schaffen anderseits mit der L-Form einen zentralen Platz. Positiv vermerkten die Preisrichter unter ihrem Vorsitzenden Prof. Johann Eisele weiterhin, wie die Absenkung der Sporthallen mit Blick auf die Topographie hilft, die Höhenauflage einzuhalten und das wenig beachtete Areal zum Urselbach hin gut genutzt wird. Auf den zweiten Platz kam die RKW Rhode Kellermann Wawrowsky GmbH + Co. KG aus Düsseldorf mit einem kompakten Neubau-Ensemble, wobei die leicht versetzte Anordnung der differenzierten Baukörper das große Volumen gut integriert. Auch sie setzen auf einen neuen zentralen Platz für die ganze Schule, und finden für die Schüler, die per Bus ankommen oder mit dem Auto gebracht werden, eine schöne Willkommenssituation an der alten Villa.

Vergleichbare Elemente finden sich auch beim Siegerentwurf von der Friedberger BLFP Frielinghaus Architekten - Planungsgesellschaft mbH wieder: ein repräsentativer Vorplatz beim historischen Schulgebäude und ein zentraler Platz mit hohen Freiraumqualitäten, der die Orientierung erleichtert und um den sich Alt- und Neubauten gruppieren, die von dort alle erschlossen werden. Die Zufahrten von Pkws und Bussen werden gesondert geleitet. Insbesondere aber zeichnet den Entwurf aus, dass er auf dem bereits eng bebauten Gelände die bestehenden heterogenen Gebäude der FIS städtebaulich neu ordnet und sie mit eleganten Langkörpern in ein geschlossenes Ganzes verwandelt. Dabei entsteht allerdings keine closed society: Nach Westen hin bleibt der Pausenhof trotz eines neuen Gebäudes offen, und auch das 3-geschossige Gebäude zwischen Amphitheater und Auditorium transportiert eine Atmosphäre von geschützter Freiheit, da es im Erdgeschoss offen ist. Lob erhielt zudem der funktionale Verbund von Theater, Foyer und Cafeteria, der unabhängig vom Schulbetrieb nutzbar ist, was gleichfalls für die Sporthallen gilt. Das Preisgericht sah Verbesserungsmöglichkeiten bei der Fassadengestaltung, der Verglasung der Turnhallen, der Größe der Cafeteriaküche und der Überlegung, wie eine spätere Anbindung an die Hohemarkstraße umgesetzt werden könnte. Letztlich aber steht unter dem Strich ein „Brückenschlag“ zwischen Tradition und Zukunft, der den Geist einer internationalen Schule, lokal zu handeln und global zu denken, architektonisch umsetzt.