Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Law School, Wiesbaden

Preisträger

1. Preis: Eller + Eller GmbH Architekten, Düsseldorf / Berlin

€ 55.000

Erasmus Eller
Mitarbeit: Christiane Flasche, Achille Farese, Martin Schliefer, Joern Lammert
Fachberater: Scholze Ingenieurgesellschaft mbH, Leinfelden-Echterdingen (Gebäudetechnik),
St raum a, Tobias Micke, Berlin (Landschaftsplanung),
Krebs und Kiefer, Darmstadt (Tragwerksplanung)

2. Preis: Zinterl Architekten ZT GmbH, Graz mit ZT Arquitectos LDA, Lissabon

€ 41.000

Thomas Zinterl
Mitarbeit: Ines Brandao, Uwe Dahms, Carol Eibach, Ana Martins, Rodrigo Santos, Antonio Catita Soeiro
Fachberater: Die Haustechniker GmbH, Jennersdorf (A) (Gebäudetechnik),
DI Heinrich ZT GmbH, Salzburg (A) (Tragwerksplanung),
Rosenfelder Bauphysik, Graz (A) (Bauphysik),
Engel Sachverständigenbüro für Brandschutz, Rothenberg (D) (Brandschutz),
DI Gruber Baukostenmanagement, Grosspesendorf (A) (Kosten)

3. Preis: 3XN A/S, Arhus (DK)

€ 28.000

Tommy Bruun
Mitarbeit: Helle Hjelmborg
Fachberater: HL-Technik Engineering Partner GmbH, Prof. Dr.-Ing. Klaus Daniels, München (Gebäudetechnik),
Werner Sobek Stuttgart GmbH & Co KG, Roland Bechmann, Stuttgart (Tragwerksplanung),
HHPberlin Ingenieure für Brandschutz GmbH, Dirk Kohmann, Frankfurt / Main (Brandschutz)

4. Preis: Nieto Sobejano Arquitectos S.L.P., Madrid (E) / Berlin

€ 14.000

Fuensanta Nieto, Enrique Sobejano
Mitarbeit: Dirk Landt, Nik Wenzke, Vanessa Manrique, Nils Rostek, Laura Diestel, Adela Bravo, Udo Brunner
Fachberater: Ingenieurgesellschaft W33 mbH, P. Leistenschneider, A. Tabassomi, M. Moritz, Berlin,
GSE Ingenieurgesellschaft mbH, Dr. Jörg Enseleit, Jürgen Marschner, Prof. Frank Prietz, Wolfram Sauerbier, Berlin

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Begrenzt offener Realisierungswettbewerb in zwei Bearbeitungsphasen, die zweite im kooperativen Verfahren, nach GRW 1995
Preisgerichtssitzung 18.01.2010
Ort Wiesbaden
Auslober Land Hessen
Betreuung [phase eins]., Berlin
Preisrichter Prof. Mario Campi, Prof. Rebecca Chestnutt, Harald Clausen, Dirk Neujahr, Volker Staab (Vorsitz), Dr. Walter Arnold, Dr. Elmar Damm, Georg Engel, Prof. Dr. Christopher Jahns, Prof. Dr. Joachim Pös

Uni gut, alles gut 
Die EBS wird zur privaten Universität mit neuem Zuhause 

Soll, kann oder muss eine Stadt eine große private Hochschule finanziell unterstützen? An dieser Frage erhitzte sich in Wiesbaden die Diskussion um einen Neubau der European Business School (EBS) – zumal es um zehn Millionen Euro ging. Denn mit einer solchen Summe hätte man das ein oder andere akute Problem städtischer Schulen locker lösen können.

Doch inzwischen überwiegt die Gegenrechnung für die juristische Fakultät im zentralen Quartier um die Moritzstraße – für die die EBS auch vom Land Hessen rund 25 Millionen Euro Anschubfinanzierung bekommt: Die neue Law School mit einer NF von ca. 11.300 qm im Alt- und Neubau bringt der Stadt Arbeitsplätze und Studenten, dem zentral gelegenen Quartier eine Tiefgarage und den Bürgern einen Bürgersaal (eigens in die Planung aufgenommen, um eine Verzahnung von Fakultät und Anwohnern zu ermöglichen). Wiesbaden darf sich außerdem bald – als letzte der Landeshauptstädte – Universitätsstadt nennen, da die reine Wirtschaftshochschule EBS durch die Law School die Weihen zur Universität für Wirtschaft und Recht erhalten hat.

Und zu guter Letzt: Das Vorhaben hat einen Architektenwettbewerb gezeitigt, für den sich 147 Büros beworben hatten, von denen in einer ersten Phase 25 ausgewählt wurden und unter denen wiederum sieben in die zweite Phase kamen – mit ausgesprochen sehenswerten Entwürfen. Durch sie kann der Neubau für die Juristen, zu dem der Umbau des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes des ehemaligen Amts- und Landgerichts an der Gerichtsstraße hinzukommt, in dem Umfeld der bürgerlichen Repräsentationsbebauung aus dem 19. Jahrhundert eine besondere Bedeutung für die Stadtentwicklung erlangen.

So etwa der Siegerentwurf, den das Düsseldorfer Büro Eller + Eller (u.a. Schokoladenmuseum Köln, Siemens-Hauptquartier Moskau) vorgelegt hat. Sie setzen – wie weitere Wettbewerber auch – auf eine für das Quartier typische Blockrandschließung, schaffen es aber am besten, diese nach außen wie selbstverständlich wirken zu lassen. Im Inneren entsteht gleichfalls ein nahtloses Verschmelzen, indem die Übernahme der Geschosshöhen eine ringförmige Durchwegung ermöglicht. Zur Albrechtstraße hin weist das Gebäude eine große Tiefe auf, ist zur Straße hin aber zurückgesetzt. Dadurch kann es erstens alle Gebäudefunktionen fassen, was einen klaren Innenhof ermöglicht, und zweitens entsteht mehr Straßenraum an der Albrechtsstraße – die wie alle Querstraßen zur wichtigen Moritz- und Oranienstraße bislang einen eher engen Charakter hat. Die Preisrichter unter dem Vorsitz des Berliner Architekten Volker Staab wählten dieses Konzept einstimmig auf Platz eins.

Nicht weniger wettbewerbsprägend, aber sehr viel kontroverser diskutiert, war der zweite Preisträger. Mit 8:3 Stimmen ging der zweite Preis an Zinterl Architekten aus Graz mit ZT Arquitectos LDA, Lissabon. Sie greifen die historische Zweiteilung auf: Dem bestehenden Gerichtssolitär stellen sie an der Stelle des bereits abgerissenen Gefängnisses einen gegenüberliegenden Solitär entgegen – verbunden durch verglaste Stege, spielend mit dem ersten Eindruck öffentlicher Zugänglichkeit des Innenbereichs, der aber durch Tore abschließbar sein soll. Platz drei ging an das dänische Büro 3XN A/S aus Århus, die gleichfalls für ein kompaktes Gesamtgebäude zur Albrechtstraße mehr Raum lassen und so einen einzigen Solitär aus zwei Teilen erzeugen, der durch seine „Wellen“fassade und vor allem seine moderne Dachgestaltung buchstäblich herausragt.

Für den Neubau der Law School wird zwar das historische Beamtenwohnhaus an der Oranienstraße geopfert, der Siegerentwurf versucht aber sonst, so stark wie möglich das alte Amtsgericht zu würdigen oder an die umliegenden Altbauten anzuknüpfen, sei es hinsichtlich historischer Höhen oder durch das Aufgreifen der horizontalen Fassadengliederung, die zeitgemäß adaptiert wird. Da die Fassade mit Pfosten und Riegeln insgesamt ruhig gestaltet ist, wirken vor allem die großzügige und einladende Eingangssituation an der Moritzstraße sowie die großzügige Öffnung der Bibliothek zu Albrechtstraße umso stärker. Weitere Pluspunkte: eine klare Erschließung via das verglaste Foyer und den ein Geschoss höher liegenden „Marktplatz“, bei dem sich auch die Haupthörsäle befinden. Dass von hier aus über Atrien die Funktionsräume der weiteren Geschosse erschlossen sind, dass durch raumhohe Verglasungen so viel Tageslichtbeleuchtung wie möglich genutzt wird und der Blick in den Innenhof eher die Regel als sie Ausnahme ist, zählt zu den wichtigsten Merkmalen der großen Innenraumqualität. Einzig der Erschließungsfluss aus Cafe und Mensa schien den Preisrichtern optimierbar wie auch die Tatsache, dass die Bibliothek nicht unabhängig vom Lehrbetrieb nutzbar ist und dass der Präsidialbereich einen eigenständigen Charakter vermissen lässt.

Bis 2013 soll das neue Gebäude realisiert sein, 200 Jurastudenten sollen aber bereits zum Wintersemester 2011/12 übergangsweise im leer stehenden „Köllmann-Haus“ in Wiesbaden das Studium aufnehmen. Genug Zeit also auch für Zwischenbilanzen. Wenn am Ende aber letztlich unter dem Strich steht, dass die Uni gut ist, dann ist alles gut.