Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Realisierungswettbewerb Schlossplatz Diemelstadt-Rhoden

Preisträger

1. Preis: BIERBAUM.AICHELE. landschaftsarchitekten, Mainz

€ 7.000

Klaus Bierbaum, Klaus-Dieter Aichele

Mitarbeit: Frank Finger, Rebecca Faller, Juliane La Meir

3. Preis: B.S.L. Landschaftsarchitekten, Soest

€ 4.000

Klaus Schulze

Mitarbeit: Lena Golla, Torsten Tölle

3. Preis: Mann Landschaftsarchitektur, Fulda

€ 4.000

Tobias Mann

Mitarbeit: Matthias Kimmel, Arne Busmann, Nils Schellenberg

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb gemäß RPW 2008
Preisgerichtssitzung 25.04.2012
Ort Diemelstadt-Rhoden
Auslober Magistrat der Stadt Diemelstadt
Betreuung Sanierungsträger Wohnstadt Hessen GmbH, Kassel
Preisrichter Prof. Ariane Röntz (Vorsitz), Prof. Wigbert Riehl, Torsten Wewel, Elmar Schröder, Helmut Butterweck

„Stimmige Antwort auf den Geist des Ortes“

Freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb „Schlossplatz Diemelstadt-Rhoden“

Mitte des 17. Jahrhunderts stieg die Stadt Rhoden zur Residenzstadt Waldecks auf. Zu dieser Zeit ließ der Graf und spätere Fürst Georg Friedrich dort ein Schloss auf den Grundmauern der ehemaligen Burg errichten. Doch schon 1664 verlegte der Fürst seinen Residenzsitz nach Arolsen. 1970 verlor Rhoden mit der Gebietsreform in Hessen seine Eigenständigkeit und wurde zum Ortsteil und Verwaltungssitz der damals neu gegründeten Stadt Diemelstadt. Das Schloss diente schon seit dem Ende des zweiten Weltkrieges als Altenpflegeheim und der „Schlossplatz“ tauchte bis 2011 nur noch als Straßennamen auf. Erst der Abriss der maroden Häuserzeile am „Burggraben“ ließ hier wieder eine tatsächliche Freifläche entstehen. Nun soll der gesamte Bereich „Burggraben / Schlossplatz“ wieder in einen Freiraum umgestaltet werden, der des Namens „Schlossplatz“ würdig ist.

Die Stadt hatte für die Gestaltung des Platzes sieben Landschaftsarchitekten zu einem freiraumplanerischen Realisierungswettbewerb eingeladen. Ziel des Verfahrens war es, die Nutzungsqualitäten der durch den Abriss der Häuser im „Burggraben“ neu entstandenen Wegeverbindungen und Freiflächen herauszuarbeiten sowie den historischen Ortskern und das Ortsbild Rhodens aufzuwerten. Als wünschenswert erachteten die Auslober zudem, die gestalterische Aufwertung des Platzes mit der Nutzung des Schlosses als Altenpflegeheim in Einklang zu bringen. Das Wettebewerbsmanagement lag in den Händen des Sanierungsträgers, der NH ProjektStadt.

Nach Abschluss des Verfahrens vergaben die Preisrichter einen ersten Preis sowie zwei dritte Preise. Der Siegerentwurf von Bierbaum.Aichele Landschaftsarchitekten präsentierte eine „überraschend einfache Lösung“. Die Arbeit sei eine „stimmige Antwort auf den Geist des Ortes“, so die Preisrichter. Das Mainzer Büro schlägt eine Terrasse mit geometrisch geschnittenem Platanendach vor, der das Preisgericht eine „hohe atmosphärische Qualität“ bescheinigte und die temporär auch für Stellplätze des Gemeindehauses genutzt werden kann. Die versetzte Mauerkante der Terrasse am Burggarten sei „räumlich richtig und kraftvoll“. Als „attraktiven Kontrast“ zur Geometrie der Terrassengestaltung empfanden die Preisrichter den frei gesetzten Kirschenhain. Den Höhenunterschied zum Schloss überwindet ein Wiesenhang. Den Preisrichtern gefiel besonders der „zurückhaltende und respektvolle Entwurfsansatz“ dieser „weichen, grünen Lösung“ und die „überraschende“ Annäherung und Einbettung des Schlosses.

Einen dritten Preis erhielt das Fuldaer Büro Mann Landschaftsarchitektur. Roter Sandstein prägt den Entwurf und findet sich – als „Fundament des Ortes“ – wieder bei allen Mauern und den neuen Steinflächen. Positiv bewerteten die Preisrichter die reduzierte Ausstattung der Flächen sowie die einfache, ortsangemessene Materialwahl. Als weniger angemessen empfanden sie die Großzügigkeit der Steinflächen angesichts der Kleinteiligkeit der vorhandenen Strukturen, auch stellten sie die Aufenthaltsqualität in diesen Bereichen in Frage. Ein „Sonderlob“ erhielt die Auffahrtsituation zum Gemeindehaus, die die Bedürfnisse älterer Bürger und Behinderter hervorragend berücksichtige. Bei der Freistellung der Ostfassade des Schlosses vermissten sie den „atmosphärisch- gestalterische Mehrwert“.

Ebenfalls einen dritten Preis zugesprochen bekamen B.S.L. Landschaftsarchitekten BDLA aus Soest, deren Arbeit nach Ansicht des Preisgerichts die bestehenden Strukturen aufnehme und die Flächen neu interpretiere. Mauern und Treppenanlagen sollen die Höhenunterschiede auffangen und überwinden, die barrierefreie Erschließung soll parallel zum Gemeindehaus erfolgen. Die vorgeschlagenen, multifunktional nutzbaren, befestigten Flächen bewerteten die Preisrichter als großzügig und klar. Die den Entwurf prägende, hohe Stützmauer schränke jedoch die großzügig erscheinende Zufahrt zum Schloss und damit die einladende Geste des neuen Schlossparks ein. In der Vielfalt der verwendeten Elemente – Brunnenanlage, Obstgarten im Burggraben, Hochbeet und gesonderter Spielbereich – sah das Preisgericht eine eher „fragmenthafte Aneinanderreihung“.

Ihr klares Votum, der Vergabe eines ersten und zweier dritter Preise, bestärkten die Preisrichter unter Vorsitz von Prof. Ariane Röntz zudem durch die einstimmige Empfehlung, den erstplatzierten Entwurf der weiteren Bearbeitung zugrunde zu legen. Für diese regten sie neben der Konkretisierung der Höhenentwicklung und der Überarbeitung der Materialwahl auch die Überprüfung der topografischen Verknüpfung zum Schloss und die Optimierung des Stellplatzkonzeptes an.

Katja Klenz