Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Fassadensanierung Rathaus Viernheim

Preisträger

1. Preis: Andreas Schwarz, Berlin und Ulrike Rau, Berlin

€ 11.500

Mitarbeit: Rainer Schmitz
Fachberater: RCI Ingenieure, Frankfurt am Main, Martin Schmied

2. Preis Oberst & Kohlmayer GmbH Generalplaner, Stuttgart

€ 8.500

Jens Oberst, Regina Kohlmayer
Mitarbeit: Martina Dietrich, Markus Rein
Fachberater: Andreas Engelhardt

Anerkennung: berger röcker Architekten, Stuttgart

€ 2.500

Daniel Berger, Peter Röcker
Mitarbeit: Philipp Stigler
Fachberater: Advanced Engineering Knippers Helbig GmbH, Stuttgart

Anerkennung: Gatermann + Schossig Bauplanungsgesellschaft mbH & Co. KG, Köln

€ 2.500

Prof. Dörte Gatermann, Alfred Schelenz
Mitarbeit: Jan Rübenstrunk, Lukas Reichel, Anneke van de Meer
Fachberater: scape Landschaftsarchitekten GmbH, Düsseldorf, Prof. Rainer Sachse
energydesign, Prof. Lars Kühl

Anerkennung: Collignon Architektur / Collignon Architektur und Design GmbH, Berlin

€ 2.500

Oliver Collignon
Mitarbeit: Marcel Heyn, Sebastian Rusch
Fachberater: Happold Ingenieurbüro GmbH, Berlin
Kucharzak Fassaden Engineering, Berlin

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Wettbewerb gemäß RPW 2008 mit vorgeschaltetem, qualifiziertem Auswahlverfahren
Preisgerichtssitzung 25.11.2010
Ort Viernheim
Auslober Magistrat der Stadt Viernheim
Betreuung Stadtbauplan GmbH, Darmstadt
Preisrichter Prof. Jürgen Braun (Vorsitz), Jörg Michael Haas, Prof. Jean Heemskerk, Prof. Anett-Maud Joppien, Jörg Blume, Markus Ott, Prof. Hellmut Raff, Petra Borgwardt, Dr Jörn Ritterbusch, Manfred Winkenbach, Matthias Baaß, Martin Ringhof, Wolfgang Kempf

Bürgernahe Stadtloggia 
Fassadensanierung des Rathauses Viernheim 

Das Rathaus der Stadt Viernheim, ein in den 1960er Jahren errichtetes Gebäudeensemble aus Hauptgebäude, Kassengebäude und Ratssaal, wartet mit typischen Merkmalen öffentlicher Verwaltungsgebäude aus jener Zeit auf: Waschbeton- bzw. Klinkerfassade, Flachdach, langgezogene Fensterbänder. Ebenso charakteristisch ist die aktuelle Beurteilung der Substanz: Der bauliche Zustand entspricht nicht mehr dem heutigen Stand der Technik, Außenwirkung und Wirtschaftlichkeit lassen zu wünschen übrig, innere Organisation und Raumaufteilung genügen den Ansprüchen der Nutzer nicht mehr.

Um ihr Rathaus umfassend zu sanieren und bestmöglich gestalterisch sowie energetisch zu optimieren, lobte die Stadt Viernheim einen beschränkten Wettbewerb mit vorangestelltem Bewerbungsverfahren aus, den das Büro stadt.bau.plan aus Darmstadt betreute. Aus den eingereichten 15 Arbeiten wählte das Preisgericht, dem Prof. Jürgen Werner Braun aus Stuttgart vorsaß, einstimmig einen ersten und einen zweiten Preis. Den Siegerentwurf der Arbeitsgemeinschaft Andreas Schwarz und Ulrike Braun aus Berlin werteten die Preisrichter als „großartiges Angebot, mehr Bürgernähe zu erreichen“, das Rathaus und seine Umgebung werde „mit überraschenden, neuen Qualitäten“ belebt. Den zweiten Preis erhielt der Vorschlag des Stuttgarter Büros Oberst & Kohlmayer Generalplaner, der vor allem durch eine sensible und „selbstverständliche Interpretation des Bestandes“ überzeugte. Einen dritten Preis vergaben die Preisrichter nicht, sprachen jedoch vier Anerkennungen aus.

Die Verfasser des ersten Preises sehen den Bau eines neuen Rathausplatzes vor, auf dem sich die Besucher zukünftig auf Rathausniveau bewegen sollen – entlang der neuen, bis zum Boden verglasten Südseite des Erdgeschosses. Hinter dessen transparenter Fassade sich dann das neue, großzügige Bürgerbüro befände. Die schmale Eingangsebene soll in Richtung des Parkplatzes im Norden erweitert und mit einem zusätzlichen Eingang versehen werden. Durch den Rückbau der Erdgeschossebene des zweigeschossigen Ratssaals am östlichen Platzende werde die Südwand des Rathauses als Raumkante definiert und der Vorbereich zu einer vielfältig bespielbaren „Stadtloggia“ umgestaltet. Die Sanierung der Fassade unter Erhaltung der bestehenden Brüstung zeige den „gebotenen Respekt gegenüber der Bausubstanz“, sei „wohltuend klar strukturiert“ und wirtschaftlich, so die Preisrichter. Sie empfahlen die Arbeit zur Realisierung, regten jedoch für die Weiterbearbeitung ein Nachdenken auch über andere Fassadenmaterialien als die vorgeschlagene Oberfläche aus Putz auf Wärmeverbundsystem an.

Beim zweiten Preis überzeugten die städtebauliche Integration des Rathauses sowie die Zukunftsfähigkeit des Konzeptes. Die Arbeit formuliere eine „sehr klare Strukturierung der öffentlichen Räume und Eingänge.“ Das Preisgericht hob die sehr gute Bearbeitungstiefe sowie die präzisen, einfachen und wirtschaftlichen Details hervor. Vor dem Rathaussaal, den eine ornamentierte Messinghaut akzentuiert, werde ein gut erreichbarer, übersichtlicher und multifunktionaler Platz aufgespannt. Die Wahl der Materialien für die Fassaden und die unterschiedliche Handhabung der Gestaltung bewerteten die Preisrichter als gelungen.

Mit der neuen Gestaltung hoffen die Auslober nun nicht nur auf eine verbesserte Nutzbarkeit des Rathauses und des Vorplatzes und die Integration in die unmittelbare Umgebung, sondern auch auf eine positive Ausstrahlung für die angrenzende Innenstadt.