Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Realisierung eines Forschungs- und Innovationscenters Clariant iMotion, Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis: HPP Hentrich-Petschnigg & Partner GmbH + Co.KG, Düsseldorf

€ 43.000

Joachim H. Faust, Werner Sübai
Mitarbeit: Antonio Vultaggio, Marco Leue, Dennis Scherer,
Kun-San Moon, Iris Justenhoven, Anna Weistropp
Fachberater: Schwarzbart + Partner, Frankfurt (Tragwerksplanung),
Christoffel Labor Experten GmbH, Bornheim (Laborplanung),
Brendel Ingenieure, Leipzig (Haustechnik),
AMP Ingenieure, Neuss (Fassadenplanung),
Corall Ingenieure, Meerbusch (Brandschutz),
greenbox Landschaftsarchitekten, Bochum (Landschaftsplanung)

2. Preis: Dietz Joppien Architekten AG, Frankfurt am Main

€ 26.000

Albert Dietz, Prof. Anett-Maud Joppien
Mitarbeit: Joachim Stephan, Christine Brückner, Boris Kunz, Malte Fründ, Manuel Lösaus, Sophie Brauer
Fachberater: B+G Ingenieure Bollinger und Grohmann GmbH, Frankfurt am Main

3. Preis: Henn GmbH, München

€ 17.000

Prof. Dr. Gunter Henn
Mitarbeit: Fredrik Werner, Chih-Chieh Chuang, Nicolas Neumann
Fachberater: SÜSS Beratende Ingenieure GmbH & Co. KG, München

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 01.12.2010
Ort Frankfurt/Main
Auslober Clariant Produkte (Deutschland) GmbH
Betreuung BÄUMLE Architekten I Stadtplaner, Darmstadt
Preisrichter Kai Bierich (Vorsitz), Monika Weber-Pahl, Prof. Bernd Kogel, Jens Rasche, Helmut Müller, Dr. Martin Vollmer, Dr. Christian Kohlpaintner, Dr. Roland Mohr, Wolfgang Loeper

Forschen und kommunizieren 
Neubau Forschungs- und Entwicklungszentrum Clariant in Frankfurt am Main

Das Schweizer Spezialchemieunternehmen Clariant will seine Aktivitäten auf dem Gebiet der Forschung und Entwicklung ausbauen. Bisher ist das Unternehmen bereits im Industriepark in Frankfurt-Höchst mit 1.400 Mitarbeitern, verteilt auf verschiedene Gebäude, präsent. Für 500 Beschäftigte, darunter auch einige neu hinzukommende Forscher aus der Schweiz, soll nun ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum im Industriepark entstehen, das „Clariant Innovation Center“.

Elf Büros waren zur Teilnahme am nichtoffenen Realisierungswettbewerb eingeladen. Das Preisgericht unter Vorsitz des Stuttgarter Architekten Kai Bierich vergab jeweils einstimmig einen ersten, zweiten und dritten Preis. Der erste Preis in dem vom Darmstädter Büro BÄUMLE Architekten I Stadtplaner betreuten Verfahren erhielt die HPP Hentrich-Petschnigg & Partners GmbH & Co. KG aus Düsseldorf. Den zweiten Preis sicherte sich das Frankfurter Büro Dietz Joppien Architekten AG. Den dritten Preis vergaben die Preisrichter an die Henn Architekten GmbH aus München.

Die erstplazierten Architekten von HPP schlagen für das Forschungszentrum drei ineinander verzahnte Kuben vor. Jedem von ihnen ordnen sie jeweils eine Funktion zu: Application Development, Support und Chemical Research. Umlaufend an den Fassadenseiten liegen die Büros und Labore, drei überdachte, ellipsenförmige Atrien mit den organischen Brücken prägen die Innenräume. Letztere stünden „in phantasievollem Kontrast“ zum klaren äußeren Erscheinungsbild, so die Preisrichter. Das vier- bis fünfgeschossige Gebäude zeige eine „herausragende Präsenz eingebunden in eine großzügige Außenanlage“ und die halbtransparent bedruckte Verglasung wirke edel. Auch die spannenden Sichtbezüge, die Offenheit gegenüber Besuchern und die qualitativ hochwertigen, arbeitsplatznahen Kommunikationsbereiche bewerteten die Preisrichter als optimal. Sie bescheinigten dem Entwurf, die Vorgaben in „herausragender Weise“ umgesetzt zu haben.

Dietz Joppien Architekten entwarfen einen nahezu quadratischen Baukörper mit einem „modernen, technischen Gesicht“ und einem durch die Erschließungsmagistrale geteilten mit Innenhof. Dieser zweitplazierte Entwurf zeige einen nach Ansicht des Preisgerichts eine eher geschlossene Außenwirkung, die jedoch ein großzügiger Besuchereingang auf der Ostseite des Gebäudes aufbricht. Das Innere des Gebäudes prägt eine horizontale Erschließungsschleife, an der auch die Kommunikationsbereiche liegen sollen. Positiv werteten die Preisrichter die gegenüberliegende Anordnung von Labor- und Bürobereichen für die Kommunikation und innere Transparenz.

Ebenfalls einen kompakten „neuen Stadtbaustein“ mit einer ringförmigen Anordnung der Nutzungen um einen zentralen, überdachten Innenhof zeigt der drittplazierte Vorschlag von Henn Architekten. Gezielte Rücksprünge, die den Baukörper fragmentierten und vom Boden lösten, kämen den Proportionen und dem Erscheinungsbild zugute, so das Preisgericht. Die Preisrichter lobten neben der städtebaulichen Wirkung die großen Flächen für die öffentliche Kommunikation und Ausstellungen im Erdgeschoss. Kritischer bewerteten sie hingegen die Flexibilität und räumliche Zuordnung der Nutzungen sowie mangelnde Möglichkeiten zur Kommunikation zwischen Büro- und Laborbereichen.

Allen drei Entwürfen attestierten die Preisrichter jedoch überarbeitungswürdige Vorschläge für die bereits angedachte Erweiterung des jetzt geplanten Gebäudes sowie die Brandschutz- und Technikkonzepte.

50 Millionen Euro will Clariant in den neuen Standort investieren. Dabei legt der Konzern viel Wert auf Transparenz, interne Kommunikationsmöglichkeiten und Offenheit gegenüber den Besuchern. Ab Ende 2012 soll der knapp 30.000 Quadratmeter große Neubau all dies bieten und die dort tätigen Mitarbeiter dazu anregen, ihre Forschungen in Innovationen und neue Produkte umzusetzen.