Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Besucherzentrum Niederwalddenkmal Rüdesheim

Preisträger

1. Preis: Kuehn Malvezzi, Berlin

€ 10.000

Johannes Kuehn

Mitarbeit: Karin Fendt, Franz Wietersheim, Yunjie Zhou

Fachberater: PRG INGENIEURGESELLSCHAFT mbH, Konrad Meyer, Berlin

2. Preis: wulf & partner, freie Architekten BDA, Stuttgart

€ 6.000

Mitarbeit: Camilo Hernandez, Violette Kratzke, Berit Jennrich

3. Preis: Auer + Weber + Assoziierte Dipl. Ing. Architekten BDA, Stuttgart

€ 4.000

Prof. Carlo Weber, Jörn Scholz

Mitarbeit: Selma Alihodzic, Tobias Laipple

Fachberater: Schreiber Ingenieure, Prof Jürgen Schreiber, Ulm (Technische Gebäudeausstattung)

Knippers Helbig Advanced Engineering, Boris Peter, Stuttgart (Tragwerksplanung)

db-arch studio, Dmitry Boykov, Stuttgart (Visualisierung)

Homolka Modellbau, Leinfelden – Echterdingen (Modellbau)

Anerkennung: C18 Architekten BDA, Stuttgart

€ 2.000

Marcus Kaestle, Andreas Ocker, Michel Roeder

Mitarbeit: Hannes Stark, Florian Krampe

Anerkennung: René van Zuuk, Den Haag (NL)

€ 2.000

Mitarbeit: Peter Hagelaar, Joe Scragg, Anja Rademaker

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener, einphasiger Realisierungswettbewerb mit Ideenteil mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 26.05.2011
Ort Rüdesheim
Auslober Land Hessen
Betreuung ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
Preisrichter Prof. Anne Beer, David Cook, Dr. Anja Dötsch, Prof. Jórunn Ragnarsdóttir, Ricarda Ruland, Prof. Enst Ulrich Scheffler (Vorsitz), Sybille Waechter, Inge Laste, Harald Clausen, Ingmar Jung / Kirsten Worms, Volker Mosler / Christoph Wurster, Sebastian Stoll, Karl Weber

Würdiges Tor zum Welterbe 
Besucherzentrum Niederwalddenkmal 

Schon seit 1871 kündet das Niederwalddenkmal oberhalb des Rheins bei Rüdesheim von der Gründung des Deutschen Reiches. Das wuchtige Monument auf dem Areal des zum UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal gehörenden Niederwaldes zieht allein aufgrund seiner Bekanntheit und seiner exponierten Lage am Rhein jährlich rund 1,8 Millionen Menschen aus aller Welt an. Die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten möchte den Besuchern nun auch die historische Entwicklung und Bedeutung des Gesamtareals des Niederwaldes, das den Auftakt der Welterbestätte bildet, nahe bringen. Immerhin gilt der zum Niederwald gehörende Osteinsche Park als einer der frühesten landschaftlichen Parks des 18. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum.

Zukünftig soll den Touristen in einem Besucherzentrum, für das ein Realisierungswettbewerb ausgelobt wurde, Informationen, ein Shop, ein Café sowie sanitäre Einrichtungen angeboten werden. Betreut wurde das Wettbewerbsverfahren vom Kasseler Büro ANP – Architektur- und Planungsgesellschaft.

Das Preisgericht unter Vorsitz des Frankfurter Architekten Prof. Ernst Ulrich Scheffler vergab den ersten Preis an die Arbeit der Berliner Architekten Kuehn Malvezzi. Diesen gelinge mit einfachen Mitteln, dass sich das neue Besucherzentrum gekonnt in die Landschaft schmiege, so die Preisrichter. Die Verlängerung der vorhandenen Mauer und ihre „bewusste Modellierung“ böten eine attraktive Raumfolge mit hoher Aufenthaltsqualität. Ein kräftiger Gelände-Einschnitt nach Norden forme einen geschützten Außenraum mit herrlichem Blick über die Landschaft. Der auf dem Sockelgeschoss im Mauerbreich platzierte Pavillon, bilde mit seiner Form einen in der Natur „nötigen Anlaufpunkt“, die Grundrisse seien „gut organisiert, sorgfältig ausgearbeitet und von schlichter Eleganz“. Eine gestalterische Schwäche machten die Preisrichter lediglich an der Ostfassade aus, deren Material und Ausführung sie als dem Standort nicht angemessen bewerteten.

Der zweite Preis ging das Stuttgarter Büro wulf & partner, die das Besucherzentrum als eingeschossiges Gebäude zwischen Parkplatz, Seilbahn und Denkmal positionieren und in den Hang integrieren. Durch die Einbettung präsentiere der Neubau den Besuchern differenzierte Ansichten: Vom Tal aus sei er als abgetreppte, leichte Natursteinmauer wahrnehmbar, aus Richtung Seilbahn und Parkplatz erscheine er hingegen „festungsartig“. Die klare Orientierung zum Tal hin biete neue Ausblicke und ermögliche eine barrierefreie Erschließung. Die Einbindung in die Landschaft, die Übergänge zwischen Außen und Innen sowie die Materialwahl überzeugten die Preisrichter ebenso, wie die Ausbildung eines geschützten, leicht erhöhten Hofes. Die angegebenen Höhen in den Plänen sowie die Veränderungen in den Außenanlagen empfahlen die Preisrichter zur Prüfung.

Die Verfasser des mit dem dritten Preis ausgezeichneten Entwurfes, Auer + Weber + Assoziierte aus Stuttgart, schlugen einen langgestreckten Pavillon vor, gestaltet mit ortsüblichem Naturstein und Glasflächen mit ornamentierten Metallschiebeläden als Sonnenschutz. Dieser Bau füge sich nach Ansicht der Preisrichter „maßstabsgerecht in die Landschaft“ ein und zeige einen eigenen, nicht in Konkurrenz zum Denkmal stehenden architektonischen Ausdruck. Die Arbeit sei einerseits eine „sympathische Lösung“ für die Aufgabe, weise andererseits jedoch kaum spezifische Merkmale für den Standort auf. Zudem wirke die langgestreckte Nordwand abweisend und widerspreche dem Prinzip eines Pavillons im Park.

Das Preisgericht vergab ferner zwei Anerkennungen, die an René van Zuuk aus den Niederlanden und C18 Architekten aus Stuttgart gingen und eine weitere, lediglich auf den neben dem Realisierungsteil ausgelobten Ideenteil bezogene Anerkennung. Diese erhielten die Lemgoer h.s.d. architekten für ihren behutsamen Umgang mit der vorhandenen Situation. Gefragt worden war nach Vorschlägen für einen Rittersaal, der auf einem Mauerrest auf einer exponierten Felsenklippe rund zwei Kilometer vom Denkmal entstehen soll.

2014 feiert der Osteinsche Park sein 250-jähriges Jubiläum. Dann soll das neue Besucherzentrum – die Preisrichter empfehlen die mit dem 1. Preis ausgezeichneten Arbeit von Kuehn Malvezzi zur Umsetzung – als würdiges Tor zum Welterbe Oberes Mittelrheintal die Touristenströme willkommen heißen und lenken.

Katja Klenz