Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Umgestaltung "Scharnier" Bad Wildungen

Preisträger

2. Preis: Gunter Fischer, Bonn

€ 14.750

Mitarbeit: Neelja Gillch, Susanne Hoffmann

2. Preis: sinai. Faust. Schroll. Schwarz. Freiraumplanung & Projektsteuerung GmbH, Berlin

€ 14.750

Mitarbeit: Elena Emmerich, Frederike Müller, Ole Saß, Christoph Schimetzky, Maja van der Laan
Fachberater: Gesellschaft für Gesamtverkehrsplanung, Regionalisierung und Infrastrukturplanung mbH, Berlin (Verkehrsplanung)
Mitarbeit: Bodo Fuhrmann, Judith Außendorf
kleyer.koblitz.letzel.freivogel gesellschaft von architekten mbH, Alexander E. Koblitz, Timm Kleyer, Berlin
Mitarbeit: Silvia Huth, Jörg Siegmüller

3. Preis: Dr. Hartmut Holl, Würzburg

€ 12.000

Mitarbeit: Natascha Weigand, Jan Lages, Peter Friedrich
Fachberater: Verkehrsplanung Link, Stuttgart, Christoph Link
Licht | Raum | Stadtplanung, Wuppertal, Uwe Knappschneider
Mitarbeit: Ruxandra Sturm

4. Preis: plancontext GmbH Landschaftsarchitektur, Berlin

€ 8.500

Christian Loderer
Mitarbeit: Eike Ahlhausen, Felix Mohr

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Stadtplanung
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Städtebaulich-freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb mit Ideenteil mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 02.12.2010
Ort Bad Wildungen
Auslober Magistrat der Stadt Bad Wildungen
Betreuung ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
Preisrichter Dr. Reinhold Baier, Prof. Cornelia Bott, Prof. Christl Drey (Vorsitz), Karin Jasch, Prof. Heinz Nagler, Michael Karutz, Hans Starke, Hubert Schwarz, Volker Zimmermann

Gelenk mit Brunnen 
Umgestaltung des Scharniers in Bad Wildungen 

Ein Scharnier ist ein verbindendes Gelenk dort, wo zwei Teile beweglich verbunden sind. Das nordhessische Kurstädtchen Bad Wildungen nun bezeichnet den Übergangsbereich zwischen der Altstadt und dem Kurviertel entlang der Brunnenstraße und der Brunnenallee als Scharnier. Für viel Bewegung sorgt hier sicher der mäandernde Verkehr des Stadtringes. Vor allem wird am so genannten Scharnier jedoch der Bruch zwischen den beiden städtischen Strukturen spür- und sichtbar.

Um dort nun den öffentlichen Raum und das bauliche Umfeld aufzuwerten, hatte die Stadt einen städtebaulich-freiraumplanerischen Realisierungswettbewerb mit Ideenteil mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren ausgelobt. Gefordert wurden zudem mehr Gestaltungs- und Nutzungsqualität – unter Berücksichtigung des historischen baulichen Kontextes –, zur wirtschaftlichen Belebung des Gebietes. Zwölf Arbeiten nahm das Büro ANP – Architektur- und Planungsgesellschaft mbh aus Kassel entgegen, das das Verfahren betreute. Das Preisgericht unter Vorsitz der der Stadtplanerin Prof. Christl Drey konnte unter diesen jedoch keinen eindeutigen Sieger ausmachen. Stattdessen vergaben die Preisrichter zwei zweite sowie je einen dritten und vierten Preis.

Ein zweiter Preis ging an Gunter Fischer aus Bonn, deren Arbeit die Preisrichter eine „sehr kräftige, überzeugende Grundidee“ und „klare Raumfolgen“ attestierten. Die Leitidee, ein Bindeglied und eine Raumfolge zu schaffen und das Raumgefüge aufzuräumen, sei sehr gut umgesetzt worden, so die Preisrichter. Die bestehende Allee werde geschickt verlängert, der Bereich des Scharniers sinnvoll verkürzt und die Blickachse von der Brunnenallee zur Altstadt akzentuiert. Die Verlegung des Kurschattenbrunnens, die vielfältige Möblierung sowie die beiden zusätzlichen Brunnen sollten nach Ansicht der Preisrichter jedoch überdacht werden.

Ebenfalls einen zweiten Preis erhielt die sinai. Faust. Schroll. Schwarz. Freiraumplanung + Projektsteuerung GmbH aus Berlin. Ihre Arbeit überzeugte das Preisgericht durch die „gelungene Fortführung des Boulevards bis zu den Toren der Altstadt“, die sensible Gestaltung der verschiedenen Aufenthaltsbereiche und die Bildung eines „robusten Rahmens zwischen Aktstadt und Kurbereich“. Die Verkehrsführung gewährleiste ein problemloses Miteinander von Autos, Bussen, Fußgängern und Radfahrern, so die Preisrichter. Kritischer werteten sie die Positionierung und Dimensionierung der im Realisierungsteil vorgesehenen Einzelhandelsstandorte.

Das Büro für Städtebau und Architektur Dr. Hartmut Holl aus Würzburg errang den dritten Preis für sein Konzept der behutsamen Eingriffe im städtebaulichen Raum und die einfache, klare Grundstruktur des Entwurfs. Diese böte, so das Preisgericht, offene Räume sowie eine gute Orientierung – das Entreé der Stadt werde deutlich wahrgenommen. Positiv bewerteten die Preisrichter die Freistellung des Kurschattenbrunnens und die Möblierung der Allee. Es fehlte ihnen jedoch – bei aller Robustheit der städtebaulichen Grundstruktur und der gelungenen topografischen Einbindung – an originellen Impulsen.

An die Berliner Plancontext gmbh lanschaftsarchitektur vergaben die Preisrichter den vierten Preis. Die Leitidee ihres Entwurfes – die Schaffung dreier deutlich unterschiedlich gestalteter Bereiche – führe zu einer „prägnanten Verknüpfung des Kurbereiches mit der Altstadt“. Dem Scharnier werde ein klar abgegrenzter Bereich zugeordnet. Die Preisrichter hinterfragten jedoch die vorgeschlagene Verkehrsführung hinsichtlich der Auswirkungen auf die Aufenthaltsqualität des Brunnenplatzes, den Wegfall geschäftsnaher Stellplätze zugunsten einer Tiefgarage und die Verlegung der Bushaltestelle, die größere Entfernungen zum Scharnier und zur Altstadt zur Folge hätte.

Alle vier Preisträger erhielten die Chance, ihre Entwürfe den Empfehlungen der Preisrichter entsprechend zu überarbeiten und zur endgültigen Entscheidung vorzulegen.