Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Umgestaltung des ehemaligen Posthofs in Limburg an der Lahn

Preisträger

1. Preis: ST raum a. Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, Berlin

€ 4.800

Tobias Micke

Mitarbeit: Anne Sickel, Melanie Meichsner

2. Preis: METTLER Landschaftsarchitektur. Berlin

€ 3.000

Rita Mettler

2. Preis: B2 Landschaftsarchitekten, Burgrieden

€ 3.000

Viola Naser

Mitarbeit: Swantje Christ

Anerkennung: birke ∙ zimmermann landschaftsarchitekten, Berlin

€ 600

Florian Birke, Claudia Zimmermann

Anerkennung: fischer heumann landschaftsarchitekten, München

€ 600

Mitarbeit: Jenni Preuschmann

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Stadtplanung
Landschaftsarchitektur
Wettbewerbsform Nichtoffener einphasiger Realisierungswettbewerb nach RPW 2008
Preisgerichtssitzung 16.05.2012
Ort Limburg an der Lahn
Auslober Magistrat der Stadt Limburg a. d. Lahn und Feuer-Werk.Immobilien GmbH Limburg a. d. Lahn
Betreuung DSK Deutsche Stadt- und Grundstückentwicklungsgesellschaft, Frankfurt/Main
Preisrichter Angela Bezzenberger (Vorsitz), Annelie Bopp-Simon, Klaus Bierbaum, Martin Richard, Marcel Kremer

Der Reiz des Einfachen

Nichtoffener Realisierungswettbewerb zur Umgestaltung des ehemaligen Posthofs Limburg
Der ehemalige Posthof am Stadtbahnhof in Limburg an der Lahn fristet derzeit ein Dasein als Park- sowie Be- und Entladefläche unter anderem für die WERKStadt, einem Einkaufs- und Freizeitzentrum in der denkmalgeschützten „Richthalle“, dem ehemaligen Ausbesserungswerk der Deutschen Bundesbahn. Gefördert durch das Programm „Aktive Kernbereiche in Hessen“ soll der Posthof zum Eingangstor für WERKStadt, die gerade im zweiten Bauabschnitt erweitert wird, umgestaltete und gleichzeitig zum Scharnier zwischen Bahnhofsvorplatz und Neustadt werden.
Nach der Beratung durch Gesine Ludwig, Referentin Vergabe und Architektenwettbewerbe und Martin Schaper vom Landeswettbewerbsausschuss der AKH fiel die Entscheidung für die Durchführung eines nichtoffenen Realisierungswettbewerb. Diesen führten der Magistrat der Stadt und der Investor feuer.werk Immobilien GmbH gemeinsam durch, die Betreuung hatte die Frankfurter Deutschen Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft DSK inne. Gesucht wurden Lösungen für die Gestaltung in öffentlich-privater Partnerschaft, die aus dem Hof einen Platz mit Aufenthaltsqualität entwickeln. Die Limburger waren zuvor zu ihren Gestaltungs- und Nutzungswünsche befragt worden und die Ergebnisse der Befragung waren in die Wettbewerbsauslobung eingeflossen.
Unter den elf eingereichten Arbeiten überzeugten vor allem die einfachen Lösungen. So gingen der erste Preis sowie einer der beiden zweiten Preise an eben solche zurückhaltenden Entwürfe. Auf die Vergabe eines dritten Preises verzichtete das Preisgericht, deren Vorsitz die Darmstädter Landschaftsarchitektin Angela Beezenberger übernommen hatte.
Die Preisrichter belohnten den „klaren, schnörkellosen“ Entwurf der Berliner ST raum a. Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH mit dem ersten Preis. Die Arbeit setze den Postplatz mit „wenigen umsichtigen Mitteln in Szene“. Ein Baum im Blickfeld der Achsen, ein ebenerdiges Wasserspiel sowie eine klar definierte Oberflächengestaltung bilden die prägenden Elemente. Mit einer passepartoutartigen Pflasterung und einer mit großformatigen Betonplatten ausgelegten Platzmitte greifen die Planer die Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes auf. Gastronomische Sitzplätze wechseln sich ab mit Pflanzkübeln und weiteren Sitzmöglichkeiten. Den notwendigen Werkstoffhof sowie die Fahrradboxen rücken die Planer gut andienbar an den Rand des Platzes.
Auch der mit dem zweiten Preis prämierte Entwurf von B2 Landschaftsarchitekten aus Burgfrieden kommt mit wenigen, gestalterisch einfachen Mitteln aus. Diese teilten den Platz in unterschiedliche Zonen, machten ihn aber dennoch als Einheit wahrnehmbar, so die Preisrichter. Drei Bäume mit angedockten Sitzelementen bilden kleine, zum Verweilen einladende Inseln. Eine grüne Pflanzenwand schirmt den Werkstoffhof ab, der auf kürzestem Weg erschlossen wird. Den vorgeschlagenen, mit Bodenstrahlern bestückten Pflasterstreifen empfand das Preisgericht eher als störendes, denn als die nächtliche Atmosphäre förderndes Element.
Der ebenfalls mit dem zweiten Preis ausgezeichnete Gestaltungsvorschlag des Büros METTLER Landschaftsarchitekten aus Berlin sieht als prägendes Platzelement einen mit Abbruchmaterialien gestalteten „Nebelbrunnen“ vor, dessen Dampf als Metapher für den früheren Bahnverkehr verstanden werden soll. In den frei angeordneten Bäumen im ruhigen, südlichen Platzbereich erkannten die Preisrichter einen „Kontrapunkt zur streng gerasterten Baumbeflanzung des Bahnhofsplatzes“. Dieses Wechselspiel biete den Passanten unterschiedliche Erlebnisräume und führe zu einer hohen städtebaulichen Qualität. Die Teilung des Platzes in einen Transit- und einen Ruhebereich schränke jedoch die Funktionalität des Platzes hinsichtlich größerer Veranstaltungen ein.
Der ehemalige Posthof soll nach seiner Umgestaltung getreu dem Konzept der Stadt, „Räume verbinden Quartiere“ den Bahnhofsvorplatz und die Neustadt als Teil eines Fußgängerleitsystems verbinden. Hierfür ist auch ein zusätzliches Portal zum Platz an der Zugangsseite vom Bahnhofsvorplatz geplant.


Katja Klenz