Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Museum der Weltkulturen in Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis: Kühn Malvezzi, Berlin

€ 51.000

Mitarbeit: Johannes Kühn, Karin Fendt, Christian Felgendreher, Liping Lin, Yu Ninagawa, Catherina Pedó
Fachberater: Krone Hamann Reinke Ingenieurbüro GmbH, Berlin (Tragwerksplanung)
Mitarbeit: Martin Hamann
PRG Ingenieurgesellschaft mbH, Berlin (Haustechnik)
Mitarbeit: Konrad Meyer

2. Preis: Bruno Fioretti Marquez Architekten, Berlin

€ 30.000

Piero Bruno, Donatella Fioretti, Josè Gutierrez Marquez
Mitarbeit: Lorenz Kirchner, Laetizia Vouillon, Riccardo Sanquerin
Fachberater: ifb frohloff staffa kühl ecker, Michael Staffa, Berlin-Friedenau

3. Preis: Trint + Kreuder d.n.a., Köln

€ 20.000

Kay Trinkt, Hanno Kreuder
Mitarbeit: Ho Soep Kim
Fachberater: Prof. Nagel, Schonhoff und Partner GbR, Hannover (Landschaftsarchitekt)
Mitarbeit: Annegret Stöcker

4. Preis: David Adjaye, Adjaye Associates, London (GB)

€15.000

Mitarbeit: Pamela Andrade, Murray Barker, Mansour El-Khawad, Roman Piontkowski
Fachberater: Büro Happold, Florian Förster, Berlin (Tragwerksplanung)
Müller BBM, Helmuth Bachmann, Berlin (Brandschutz)
Transsolar, Thomas Lechner, Stuttgart (Climate Engineering)
el.ch landschaftsarchitekten, Elisabeth Lesche,
Berlin (Landschaftsplanung)

Anerkennung e2a eckert eckert architekten ag, Zürich

€ 2.500

Mitarbeit: Wim Eckert, Piet Eckert, Mireya Sanchez Gomez, Ove Jacobsen, Wallo Villacorta
Fachberater: Nipkow Landschaftsarchitektur, Zürich (Landschaftsarchitektur)
Mitarbeit: Beat Nipkow, Dirk Mashövel

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener einphasiger Realisierungswettbewerb im anonymen Verfahren mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 16.12.2010
Ort Frankfurt/Main
Auslober Magistrat der Stadt Frankfurt am Main in Kooperation mit dem Kulturamt Frankfurt am Main
Betreuung BÄUMLE Architekten │ Stadtplaner, Darmstadt (Organisation Bewerbungsverfahren) ANP – Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel (Wettbewerbsorganisation)
Preisrichter Prof. Peter Cheret, Prof. Bettina Götz, Prof. Louisa Hutton, Prof. Marcel Meili, Prof. András Pálffy (Vorsitz), Prof. Carl Pruscha, Prof. Michael Schumacher, Prof. Nikolaus Hirsch, Prof. James Clifford, Dr. Clémentine Deliss, Prof. Peter Pakesch, Dr. Manuela Rottmann, Edwin Schwarz, Prof. Richard Sennett, Prof. Dr. Felix Semmelroth

WeltWeltWeltVitrine im Park 
Erweiterungsbau des Museums der Weltkulturen in Frankfurt am Main

Über die Erweiterung des Museums der Weltkulturen ist in Frankfurt am Main lange diskutiert worden. Schon vor über zwanzig Jahren sollte der von Richard Meier, dem Architekten auch des Museums für Angewandte Kunst, geplante Neubau entstehen. Doch dann fehlte das Geld und später der kulturpolitische Wille, das Museumsufer wie geplant zu vollenden. Und erst in jüngster Vergangenheit scheiterte aus Kostengründen der Plan, den Neubau auf dem Degussa-Gelände am nördlichen Mainufer zu errichten. Schließlich einigte man sich doch auf den Standort im Museumspark hinter den drei historischen Villen am Schaumainkai, die derzeit das Museum der Weltkulturen beherbergen.

Der nichtoffene, mit insgesamt 126.000 Euro dotierte Realisierungswettbewerb wurde betreut vom Kasseler Büro ANP – Architektur und Planungsgesellschaft mbH. Die Auslobung forderte einen behutsamen Umgang mit dem Park und seinem Baumbestand. Dennoch soll die bisherige Ausstellungsfläche von 600 auf rund 3500 Quadratmeter ansteigen und der Neubau insgesamt sogar gut 6.000 Quadratmeter Fläche bieten – unter anderem für eine Bibliothek mit Lesesaal, ein Café sowie Räume für Museumspädagogik und Forschung.

Das Preisgericht, dessen Vorsitz Prof. András Pálffy aus Wien führte, nahm sich zwei Tage Zeit, um die 43 eingegangenen Arbeiten zu begutachten, zu diskutieren und eine Entscheidung zu fällen. Nach Ansicht der Preisrichter erfüllte das Berliner Architekturbüro Kuehn Malvezzi die gestellten Anforderungen am besten und erhielt dafür den ersten Preis. Der zweite Preis ging ebenfalls an ein Büro aus der Hauptstadt – Bruno Fioretti Marquez Architekten. Den dritten Preis vergaben die Preisrichter an das Büro Trinkt + Kreuder aus Köln, den vierten Preis an David Adjaye vom Büro Adjaye Associates aus London. Außerdem wurden vier Anerkennungen ausgesprochen. Allen prämierten Arbeiten war gemeinsam, dass sie den größten Teil der geforderten Flächen unterirdisch anordneten.

Beim Siegerentwurf von Kuehn Malvezzi lobte das Preisgericht die „unprätentiöse Zurückhaltung“ und die „sinnvolle, feine und einprägsame Konstellation“ der oberirdischen Bauten. Nur drei sichtbare Elemente treten an die Oberfläche: ein gläserner Kubus – eine Art „Eingangsvitrine“, der aus der Mitte des Museumsparks emporragt –, ein Atrium im westlichen Teil des Parks sowie ein viergeschossiger, dunkler Neubau neben dem denkmalgeschützten Kutscherhaus. Die weiteren Museumsflächen liegen unterirdisch in einer dreiflügligen, mit drei ähnlich großen, jedoch unterschiedlich geschnittenen Raumkontingenten. Der gläserne Eingangskubus dient dabei als Knotenpunkt zwischen den ein- und zweigeschossigen Museumsteilen. Nach Ansicht des Preisgerichts schreibe die Arbeit „die heutigen Qualitäten des Ortes auf höherem Niveau“ fort. Sie empfahlen einstimmig die Arbeit zur Weiterbearbeitung und forderten, dabei bestehende funktionale und architektonische Probleme wie die Größe des Eingangskubus und die unterirdische Einbeziehung des Kutscherhauses zu lösen.

Auch der zweitplatzierte Entwurf von Bruno Fioretti Marquez Architekten integriere sich behutsam in den Parkraum, so die Preisrichter. Er biete mit drei pavillonartigen, oberirdischen Bauten ein gut strukturiertes und eindeutig gestaltetes Konzept und stelle dem denkmalgeschützten Bestand eine unaufdringliche Architektur entgegen. Gebäude, Wegesystem und der definierte Museumsplatz bildeten eine Art Museumscampus, bei dem die Verbindung von Gebäude und Umfeld überzeugend gestaltet sei. Die Innenräume zeigten spannungsvolle Raumfolgen und hohe Aufenthaltsqualität.

Der mit dem dritten Preis ausgezeichneten Arbeit attestierten die Preisrichter eine bemerkenswerte städtebauliche wie architektonische Leitidee. Auf mehrgeschossige „vordergründig repräsentierende Bauten“ werde konsequent verzichtet. Stattdessen setze das Architekturbüro Trinkt + Keuderer auf „eine fein abgestimmte Komposition einladender Gesten“. Ausgangspunk ist das Kutscherhaus, die Ausstellungsbereiche sind in einem einzigen unterirdischen Geschoss untergebracht.

Den viertplazierte Entwurf von David Adjaye prägen Museumspavillons in ebenerdiger, transparenter Bauweise und verbunden mit einem überdeckten Wegenetz. Das Zentrum bildet ein abgesenkter begrünter Innenhof, flankiert von einem ebenerdigen Wasserbecken. Den auf einer Ebene im ersten Untergeschoss liegenden Ausstellungsflächen sprechen die Preisrichter aufgrund der großen, stützenfreien und zusammenhängenden Räume eine hohe Nutzungsqualität zu.

Frankfurt am Main versteht sich als multikulturelle Stadt – und einer solchen stünde ein Museum der Weltkulturen von adäquater Größe gut zu Gesicht, um dem kosmopolitischen Anspruch gerecht zu werden. Noch 2011 soll die Bau- und Finanzierungsvorlage für den Neubau erarbeitet werden, über die das Stadtparlament dann entscheidet. Hoffentlich reicht diesmal die – finanzielle – Puste.