Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Zwei Haltestellen für die Stadtbahnlinie U5, Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis: Just/Burgeff Architekten GmbH, Frankfurt/Main

€ 6.000

Till Burgeff
Mitarbeit: Malte Just, Miriam Rollwa, Ferdinand Salzmann, Nils Lamm, Marieke Strohbach
Fachberater:
Claudius Grothe, FreiraumX
Prof. Rudolf Eger, Verkehrsplanung Eger Consult

1. Preis: KÖLLING ARCHITEKTEN GbR, Bad Vilbel

€ 6.000

Moritz Kölling, Bernd Kölling
Mitarbeit: Sabine Kölling, Jochen Dressler, Bettina Rohe

3. Preis: netzwerkarchitekten PartG, Darmstadt

€ 3.500

Philipp Schiffer, Thilo Höhne
Mitarbeit: Victoria Peters

Anerkennung: Christl + Bruchhäuser Freie Architekten, Frankfurt/Main

€ 1.500

Michael Christl, Joachim Bruchhäuser
Mitarbeit: Jan Becker

Anerkennung: schneider+schumacher Architekturgesellschaft mbh, Frankfurt/Main

€ 1.500

Till Schneider
Mitarbeit: Joachim Wendt, Sven Müller, Mirjam Buchwalsky

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Realisierungswettbewerb in Form eines nichtoffenen Wettbewerbs gemäß RPW 2008 mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 01.09.2010
Ort Frankfurt/Main
Auslober Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main mbH (VGF)
Betreuung a5 Planung GmbH, Wiesbaden
Preisrichter Prof. Zvonko Turkali (Vorsitz), Prof. Jochem Jourdan, Corinna Endreß, Lutz Sikorski, Michael Budig

Einsteigen bitte! 
Zwei neue Haltestellen für die Frankfurter U-Bahn-Linie U5

Mobilität wird in Zeiten von Globalisierung und ständigem Wechsel von Auf- und Abschwung gerne von den Menschen gefordert. Für eine solche Mobilität braucht es jedoch – besonders in einer Stadt wie Frankfurt mit ihren rund 680.000 Einwohnern und zusätzlich über 300.000 Pendlern Tag für Tag – einen funktionierenden öffentlichen Nahverkehr. In der Finanzstadt verbindet beispielsweise die U-Bahn-Linie U5 das Stadtviertel Preungesheim über die Konstablerwache mit dem Hauptbahnhof. Und in nicht allzu ferner Zukunft soll sie die Menschen sogar vom Frankfurter Berg bis ins Europa-Viertel bringen. Um dieses Ziel realisieren zu können, hatte sich die VerkehrsGesellschaft Frankfurt VGF nach einer schier endlosen und kontroversen Diskussion gegen eine Stadtstraßenbahn und für die Beibehaltung und Verlängerung der U-Bahn entschieden – und damit auch für die umstrittenen und vielfach kritisierten Hochbahnsteige.

Für die nun erforderlichen beiden neuen Stadtbahn-Haltestellen mit eben diesen Hochbahnsteigen entlang der Eckenheimer Landstraße wurde nach gestalterisch anspruchsvollen und vor allem barrierefreien Lösungen gesucht. Den dafür durchgeführten nichtoffenen Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Auswahlverfahren betreute die a5 Planung GmbH aus Wiesbaden. Lage, Geometrie und Erschließung der Bahnsteige der beiden neuen Stationen "Musterschule" und "Glauburgstraße" hatte die VGF vorgegeben: Jeweils versetzt angeordnete Bahnsteige mit beidseitigen eingeschobenen Rampen sollen den Querschnitt des Straßenraums optimal ausnutzen und die alternierenden Höhen der Bahnsteige die Barrierewirkung im Straßenraum verringern. Weiteres Ziel – neben einem barrierefreien Zugang zu den Zügen – war vor allem die städtebauliche Einfügung.

Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Zvonko Turkali machte unter den zwölf eingereichten Arbeiten drei unterschiedliche Ansätze aus: erstens kraftvoll und skulptural ausgebildete Bahnsteige und Aufbauten, zweitens sich reliefartig aus den angrenzenden Bürgersteigen entwickelnde Bahnsteige mit zurückhaltenden Einbauten und drittens in der Höhe reduzierte Bahnsteige mit mechanischen Einbauten für die geforderte Barrierefreiheit. Die Preisrichter vergaben gleichberechtigt jeweils einen ersten Preis an zwei Konzepte, die die Haltestellen als öffentliche Plätze definieren und die Trennung der unterschiedlichen Verkehrszonen aufheben. Ein erster Preis ging an das Frankfurter Büro Just/Burgeff Architekten, das auf den Wiedererkennungswert von skulpturalen Formen für Plattform und Regendach setzt. Ebenfalls mit einem ersten Preis bedacht wurde das Konzept von Kölling Architekten aus Bad Vilbel, welches den Bahnsteig als Teil des nutzbaren Stadtraumes definiert. Für ihr klares architektonisches Konzept für die Bahnsteiggestaltung erhielt das Büro netzwerkarchitekten aus Darmstadt den dritten Preis.

Die von Just/Burgeff Architekten vorgeschlagene Gestaltung der beiden Haltestellen jeweils mit einem gefalteten Dach wertete das Preisgericht als "ein weithin erkennbares Zeichen", das mit einem hohen Wiedererkennungswert ein Logo darstelle und einen "Beitrag zur Identitätsstiftung der Orte" leiste. Die beiden leicht variierten Haltestellen fügten sich gut in die jeweilige Umgebung ein und die leichte Faltung der jeweils aus dem Gehweg herausgehobenen Bahnsteige ermögliche Fußgängern und Radfahrern die gemeinsame Nutzung des Bewegungsraumes. Nachgefordert wurde vom Preisgericht bei einer Überarbeitung lediglich, die verbleibenden Verkehrsflächen an einigen Stellen zu verbreitern.

Der Entwurf von Kölling Architekten überzeugte die Preisrichter durch seine städtebauliche Zurückhaltung, Großzügigkeit und die Öffnung zu den Häuserzeilen hin, die die Bahnsteige Teil des nutzbaren Stadtraumes werden ließen. Der Verzicht auf trennende Kanten mache die Haltestellen "durchlässig" für Fußgänger, gleichzeitig böten sich ruhige Bereiche für die Wartenden. Positiv gewertet wurde, dass die sich aus dem Bürgersteig entwickelnden Bahnsteige Barrierefreiheit in allen Bereichen böten und so den Verzicht auf gebaute Rampen, Geländer und Absturzsicherungen ermöglichten. Bedenken äußerten die Preisrichter hinsichtlich der Stolpergefahr bei den sich verschneidenden Stufen. Sie trugen den Architekten auf, diese bei der Ausarbeitung zu minimieren.

Angesichts der Ergebnisse des Wettbewerbes sind die Kritiker hoffentlich nun zuversichtlich, dass sich ihre Befürchtungen einer Teilung des Stadtteils durch die neue Hochbahnsteige nicht erfüllen. Und welch glücklicher Umstand für die Preisträger, dass gleich zwei neue Haltestellen benötigt werden. So hat das Preisgericht denn salomonisch dem Auslober empfohlen, beide Sieger je eine Haltestelle realisieren zu lassen. Geplanter Baubeginn ist 2012 und am Ende können Frankfurts Bürger entscheiden, an welcher Station sie lieber ein- oder aussteigen.