Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau einer Kindertagesstätte „Apfelwiese“ in Bad Nauheim

Preisträger

1. Preis: sdks architekten, Darmstadt

€ 10.000

Michael Sonek
Mitarbeit: Esther Bender
Fachberater: Angela Bezzenberger, Darmstadt (Freianlagenplanung), Enikö Sariri-Baffia, Seeheim-Jugenheim (Energieplanung)

2. Preis: waechter + waechter architekten, Darmstadt

€ 6.000

Felix Waechter, Sibylle Waechter

Mitarbeit: Michael Kohaus, Kathrin Sattler

3. Preis: dirschl.federle architekten, Frankfurt/Main

€ 4.000

Kristin Dirschl, Matthias Federle

Mitarbeit: Ilka Kempf

Fachberater: GTL – Gnüchtl Triebswetter Landschaftsarchitekten, Michael Triebswetter, Kassel

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 16.04.2012
Ort Bad Nauheim
Auslober Bad Nauheimer Wohnungsbaugesellschaft mbH, Bad Nauheim
Betreuung BSMF GmbH, Frankfurt/Main
Preisrichter Joachim Klie (Vorsitz), Klaus Kehrbaum, Prof. Kerstin Schultz, Prof. Wolfgang Schulze, Jürgen Patscha, Armin Häuser, Peter Krank, Brigitta Nell-Düvel, Jochen Mörler

Neubau auf der Apfelwiese

Realisierungswettbewerb für eine Kindertagesstätte in Bad Nauheim

Bereits seit 2007 denkt die Stadt Bad Nauheim über einen Ersatz für die katholische Kindertagesstädte „Auf der Apfelwiese“ nach, da diese den heutigen Anforderungen an eine solche Einrichtung seit geraumer Zeit nicht mehr gewachsen ist. Bisher wichtigster Hinderungsgrund für die Umsetzung war die Unsicherheit über die Entwicklung der Kinderzahlen im Einzugsbereich der Kita. Den aktuellen Bedarfszahlen nach, benötigt die Stadt die Betreuungseinrichtung jedoch auch zukünftig und in gleicher Größe – jedoch mit verändertem inhaltlichen Angebot. Statt der vier bislang existierenden Gruppen für Kinder über drei Jahren sollen zukünftig drei Gruppen für je zehn Kinder unter drei und zwei Gruppen für je 25 Kinder über drei Jahren in der Kita betreut werden.

Elf Architekturbüros waren zum Realisierungswettbewerb eingeladen worden, dessen Betreuung die Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH BSMF gewährleistete. Das Wettbewerbsgrundstück am Rand eines kleinen Parks, liegt in der Nähe der Bonifatiuskirche und eines Gradierbauwerkes, einer Holzkonstruktion zur Salzgewinnung. Unter den eingereichten Arbeiten vergab das Preisgericht unter Vorsitz von Joachim Klie jeweils einen ersten, zweiten und dritten Preis.

Das Darmstädter Büro sdks architekten erhielt den ersten Preis für ihren „schlichten und zurückhaltend gestalteten Solitär“, dessen Erschließung im Osten das Prädikat „hervorragend gelöst“ erhielt. Ein ausgreifendes, quadratisches, begrüntes Dach fasst die Nutzungen zu einer Einheit zusammen, im Süden liegen die großzügigen Außenbereiche. Die Preisrichter lobten die „spannende Anordnung mit vielen Durchblicken in einer guten räumlichen Orientierung“ im Inneren der Kita und den großzügigen Eingangsbereich mit „vielfältigen Sichtachsen“ und einem reizvollen Einblick in den Innenhof. Weitere Qualitäten des Entwurfes sahen sie in der „Durchlässigkeit zwischen den Gruppenräumen“ und den sich bietenden vielfältigen Gestaltungs- und Nutzungsmöglichkeiten.

Das Büro waechter + waechter architekten, ebenfalls aus Darmstadt, landete auf Platz zwei. Die Arbeit überrasche „positiv mit seiner Reaktion auf die bauliche Umgebung“, so die Preisrichter. Vier gegeneinander verschobene, mit Höfen aufgelockerte Gebäuderiegel bilden ein „offenes Netz von Innen- und Außenräumen“, dessen Struktur das Baugrundstück „maßvoll besetze“. Von der Erschließung der Kita zeigten sich die Preisrichter zwar weniger überzeugt, dafür umso mehr von den innenräumlichen Qualitäten. So werde das „muntere Spiel der Innen- und Außenräume in der Fassade und den Grundrissen sicher weitergespielt“. Anklang fanden auch die in der Regel dreiseitig belichteten Gruppenräume und deren Verflechtung mit den direkt vorgelagerten Freibereichen.

Die mit dem dritten Preis ausgezeichneten Frankfurter dirschl.federle architekten präsentierten ein rechteckiges, Nord-Süd-ausgerichtetes Gebäude, das Raum für die Außenbereiche im Süden und Südwesten lässt. Die Preisrichter lobten die spielerische Anordnung der in freien Raumformen untergebrachten Ruhebereiche und Nebenräume und die hohe Transparenz durch großzügige Verglasungen im Inneren. Sie würdigten aus architektonischer Sicht die „starke designerische Durcharbeitung“ der Kita, hinterfragten diese jedoch hinsichtlich der Bespielung und Möblierung der dreieckigen und gekurvten Räume sowie der voraussichtlich zahlreich notwendigen Sonderbauteile.

Da die bestehenden Betreuungsplätze der Kindertagesstätte auch während der Bauphase benötigt werden, muss zunächst der Neubau fertiggestellt sein, bevor das alte Gebäude abgerissen werden kann. Als Bauplatz ist daher der angrenzende Sportplatz der benachbarten Lioba-Schule vorgesehen, auf dem für etwa zwei Millionen Euro die neue katholische Kindertagesstätte entstehen soll. Danach weicht das alte Kita-Gebäude wiederum dem neuen Schul-Sportplatz.

Katja Klenz