Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau Hochhaus "99West" - AFE-Areal, Frankfurt/Main

Preisträger

1.Preis: CMA Cyrus | Moser Architekten, Frankfurt/Main

30.000 € (netto)

Oliver Cyrus, Andreas Moser, Marian Cichewicz
Mitarbeit: Lidija Kljakovic, Viktor Saib, Dajana Elez, Christin Kramer, Stefan Strigl, Johannes Kibler, Negin Khodarahm

2.Preis: Till Schneider (schneider + schumacher Planungsgesellschaft mbH, Frankfurt/Main)

20.000 € (netto)

Till Schneider
Mitarbeit: Bum Suk Ko, Chuhui Wu, Christian Simons, Nikola Bisevac

3.Preis: KSP Jürgen Engel Architekten, Frankfurt/Main

10.000 € (netto)

Jürgen Engel, Christopher Hammerschmidt
Mitarbeit: Thomas Busse, Hobin Choi, Mario Dinev, Ulf Gatzke-Yu, Haejung Kang, Taehwan Kim, Bingxin Liu, Emilia Markowska, Drazan Mateljak, Shiraz Cheriya Parambath
Fachberater: Lemon Consult, Winfried Seidinger, CH-Zürich (Energietechnik, TGA-Konzept, Bauphysik)
Weiske und Partner, Dr.-Ing. Ulrich Breuninger, Stuttgart (Tragwerksplanung)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb im nicht anonymen Verfahren
Preisgerichtssitzung 29.09.2017
Ort Frankfurt/Main
Auslober G&P Zelos GmbH & Co. KG Frankfurt/Main
Betreuung ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
Preisrichter Prof. Christoph Mäckler (Vorsitz), Martin Hunscher, Prof. Ingrid Burgstaller, Prof. Zvonko Turkali, Mike Josef, Frank Junker, Jürgen Groß

Neuer Blickfang in der Frankfurter Skyline
Neubau Hochhaus 99West auf dem ehemaligen AfE-Areal in Frankfurt

Mit einem großen Knall versank 2014 der 116 Meter hohe AfE-Turm auf dem alten Uni-Gelände in Frankfurt-Bockenheim in Schutt und Asche. Zwei Jahre später stand fest: An seiner Stelle soll ein Ensemble aus vier Gebäuden mit Hotellerie, Gastronomie, Büros und Apartments entstehen. Genauer gesagt: Ein 140 Meter hohes Hybridhochhaus, ein zweites, etwa 100 Meter hohes Hochhaus, ein sechsgeschossiges Bürogebäude und eine achtzügige Kindertagesstätte. Im ausgelobten Realisierungs- und Ideenwettbewerb konnte sich das ortsansässige Architekturbüro cyrus moser architekten, auch gegen internationale Konkurrenz, durchsetzen.

Hieran anknüpfend lobte nun die G&P Zelos GmbH & Co. KG aus Frankfurt einen weiteren Wettbewerb für die Realisierung des zweiten Hochhauses aus. Dabei konnten die sechs zum Wettbewerb eingeladenen Büros auf die Vorplanung von cyrus moser architekten aufbauen bzw. diese modifizieren oder vollständig unverändert übernehmen. Gefordert war ein 25 geschossiger Büroturm mit Tiefgaragen, welche sich unterhalb der anderen auf dem Areal geplanten Bauvorhaben erstrecken. Das Erdgeschoss war für Gastronomieflächen vorzusehen, das 6. Obergeschoss mit Zugang zur Dachterrasse für eine Konferenz­zone. Gemäß dem 2015 formulierten Ziel „Harmonie in der Vielfalt“ sollte zudem eine Ensemblewirkung durch eine einheitliche Fassadengestaltung geschaffen werden.

Das Frankfurter Büro cyrus moser architekten konnte sich erneut durchsetzen und wurde einstimmig vom Preisgericht vor dem Architekten Till Schneider (schneider + schumacher Planungsgesellschaft mbH) und KSP Jürgen Engel Architekten, ebenfalls aus Frankfurt, auf Platz eins gewählt. Die Verfasser präsentieren ein „elegante(s)“, „zurückhaltende(s)“  Gebäude, das sich jedoch nicht in zweiter Reihe verstecke. Der Sockel könne sich noch deutlicher vom Hochhausschaft abheben. Er reagiere aber durch subtile Vor- und Rücksprünge überzeugend auf die umgebenden Gebäude Kita und Bürohaus Nord, zumal sich dadurch alle Austrittsflächen auf dem eigenen Grundstück befänden. „Die Adressbildung“, lobten die Preisrichter, „ist durch die großzügigen Verglasungen sowie die Überdachung durch gestaffelte Rücksprünge eindeutig.“

Der zweitplatzierte Entwurf konnte ebenfalls durch ein zurückhaltendes Erscheinungsbild bestechen: Die Grundkonstruktion der Fassade erfolgt als einfache, bewährte Bauart mit hoher Modularität der Elemente für die thermische Hülle. „Die Ausbildung des Gebäudekopfes ist klar und ebenso überzeugend wie der subtile Umgang mit der Konferenzzone und dem Übergang zwischen Sockel und Hochhaus“, urteilte das Preisgericht. Der Entwurf müsse jedoch noch stärker auf das Ensemble abgestimmt werden.

Am stärksten von der Vorplanung weicht die drittplatzierte Arbeit ab. Die Grundform der Vorplanung ist modifiziert, um die drei Abschnitte leicht zueinander zu verdrehen. Auch die Grundrisse in nahezu allen Geschossebenen sowie die Tiefgarage sind modifiziert. Markant für den Entwurf ist die schuppenartige Verglasung der Fassade. Sie lasse einen interessanten Schattenwurf erwarten, im täglichen Betrieb aber auch technische Probleme wie Verschmutzung oder Eisplattenabsturz. Zudem könne die sehr glatte, reflektierende Außenhülle im städtebaulichen Kontext nicht gänzlich überzeugen. Begeistert zeigte sich das Preisgericht hingegen von der hohen Qualität der Arbeit und der guten inneren Organisation.

Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Christoph Mäckler aus Frankfurt empfahl einstimmig die erstplatzierte Arbeit zur Umsetzung. Nach dem aktuellen Terminplan sollen Hybridhochhaus, Bürogebäude Nord und Kita Ende 2019 fertiggestellt sein. Für das Hochhaus West, das Gegenstand dieses Wettbewerbs war, wird eine Fertigstellung für Ende 2020 angestrebt.

Lena Pröhl