Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Erweiterungsneubau Justus-Liebig-Universität Gießen

Preisträger

1. Preis: behet bondzio lin Architekten, Münster

€ 12.000

Martin Behet

Mitarbeit: Tim Kossel, Anne Niehaus, Ines Schulte, Liesa Linhorst

Fachberater: Ingenieurbüro Nordhorn GmbH & Co. KG, Martin Drewer, Münster (Technische Gebäudeausrüstung)

2. Preis: Michel + Wolf + Partner, Stuttgart

€ 9.000

Manfred Michel, Gerhard Wolf, Ulrich Hermann

Mitarbeiter: Michael Scheuerer, Philipp Hüve

Fachberater: Pfefferkorn Ingenieure, Stuttgart (Tragwerk)

Mitarbeit: Herr Äckerle

EGS-Plan, Stuttgart (TGA), Mitarbeit: Herr Sautter

3. Preis: Bez + Koch Architekten Generalplaner GmbH, Stuttgart

€ 6.000

Martin Bez, Thorsten Kock

Mitarbeit: Ho-Jin Wi

Fachberater: Weischede Herrmann + Partner, Andreas Herrmann, Stuttgart (Tragwerksplanung)

Renderbar, Jörg Röhrich, Stuttgart (Visualisierung)

Boris Degen Modellbau, Stuttgart (Modell)

4. Preis: Thomas Fischer, Ole Creutzig Atelier 30 Architekten GmbH, Fischer-Creutzig, Kassel

€ 3.000

Mitarbeit: Johannes Schürmann, Timo Gundelach, Maria Jakobshagen, Christian Stürmer, Yunus Coskun

5. Preis: Dierks Blume & Nasedy Architekten, Darmstadt

€ 2.000

Christian Nasedy

Mitarbeit: Tanja Häußer, Manfred Brandt, Aylin Gülüoglu

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Wettbewerb gemäß RPW 2008 mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 20.04.2012
Ort Gießen
Auslober Land Hessen
Betreuung ANP- Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
Preisrichter Monika Weber-Pahl (Vorsitz), Prof. Thomas Meurer, Prof. Alexander Reichel, Monika Bader, Manfred Balg, Friedhelm Dorndorf, Prof. Dr. Martin Gutzeit, Prof. Dr. Joybrato Mukherjee, Gerda Weigel-Greilich

Gestalterisch zwangloser Dialog

Neubau Lehrgebäude Recht und Wirtschaft – Justus-Liebig-Universität Gießen
In den kommenden zwei Jahren wird die Zahl der Studierenden an hessischen Hochschulen aufgrund der doppelten Abitur-Jahrgänge voraussichtlich stark steigen. Auf diesen Ansturm will die Justus-Liebig-Universität vorbereitet sein – der Ausbau der drei Hochschul-Campusbereiche ist derzeit in vollem Gange. Nun sollen auch die Fachbereiche Rechtswissenschaft und Wirtschaftswissenschaften, an denen bereits 3.700 Studierende eingeschrieben sind, einen Erweiterungsneubau erhalten. Finanziert werden soll das 10,75 Millionen teure Projekt aus dem von der Hessischen Landesregierung initiierten Investitionsprogramm Hochschulpakt 2020. Der Neubau soll auf 1.800 Quadratmetern Raum bieten für einen Hörsaal und zwölf Seminarräume. Als Standort vorgesehen ist eine Grünfläche auf dem Campus Kultur- und Geisteswissenschaften im Südosten des Juridicums zwischen der Cafeteria und den Bahnschienen am „Ostpreußenviertel“ Gießens.
Die Betreuung des beschränkten Verfahrens übernahm des Kasseler Büro ANP – Architektur- und Planungsgesellschaft mbH. 19 Entwürfe für den Erweiterungsbau begutachtete das Preisgericht  unter Vorsitz der Darmstädter Architektin Monika Weber-Pahl und es vergab fünf Preise sowie zwei Anerkennung. Auf dem ersten Platz landeten die Münsteraner behet bondzio lin architekten. Platz zwei und drei gingen an die Stuttgarter Büros Michel +  Wolf + Partner Freie Architekten und Bez + Kock Architekten. Den vierten Platz verbuchten ATELIER 30 Architekten aus Kassel, das Darmstädter Büro Dierks Blume Nasedy bekam den fünften Platz zuerkannt. Die beiden Anerkennungen vergab das Preisgericht an den Frankfurter Architekten Ferdinand Heide sowie an hammeskrause architekten aus Stuttgart.
Die erstplatzierten behet bondzio lin architekten präsentierten einen klaren und kompakten Entwurf, der sich nach Ansicht der Preisrichter „städtebaulich hervorragend in die vorhandene Struktur“ einfügt und  einen „gestalterisch zwanglosen, aber selbstverständlichen und zeitgemäßen Dialog mit den bestehenden Universitätsgebäuden“ erwarten lässt. Architektur und Materialwahl seien eine „moderne Interpretation des bestehenden Gebäudes“. Die Seminarräume gruppieren sich um ein offenes Atrium, konstruktiv soll der Neubau über lediglich zwei Geschosse mit der Cafeteria verbunden werden. Die Preisrichter attestierten dem Hörsaal ideale Proportionen und lobten die ausgezeichnete Teilbarkeit des Saals.
Michel + Wolf + Partner Freie Architekten ordnen ihren in der Grundfläche deutlich größeren, zwei- bis dreigeschossigen Neubau an der Südostecke des Bestandsgebäudes an. Positiv bewerteten die Preisrichter die Anordnung von Hörsaal, Foyer und Cafeteria in einer sich nach Norden öffnenden Ebene. Gefallen fanden auch die Qualitäten des Hörsaals sowie der Seminarräume und die „klassisch elegante Fassade“ mit den über zwei Geschossen zusammengefassten Fenstern.
Der von Bez + Kock Architekten präsentierte, fast quadratische Erweiterungsbau greift nach Ansicht der Preisrichter die funktionale Architektur der 1970er Jahre auf und fügt sich in die vorhandene Baustruktur ein. Die vorgezogene Platz- und Zugangsgestaltung schaffe eine Verbindung zum Stadtraum und zum benachbarten Campus Philosophikum. Dem gemeinsamen Foyerbereich in Alt- und Neubau attestierte das Preisgericht schlüssige Strukturen und gute Orientierungsmöglichkeiten.
ATELIER 30 Architekten positionierten ihren Neubauentwurf an der Gebäudeecke des Bestandsbaus. Dies werteten die Preisrichter als gute Wahl, da so der Parkcharakter der Anlage gewahrt bleibe. Der vorgeschlagene, vorgelagerte Platz biete „willkommende Anlässe zum Verweilen“ und die Fassadengestaltung aus Betonfertigteilen und raumhohen Verglasungen sei schlicht, aber wirkungsvoll und greife die Materialität der Bestandsgebäude auf.
Als „städtebaulich markant“ bewertete das Preisgericht die Arbeit von Dierks Blume Nasedy. Ein länglicher Baukörper umschließt den Eingangsbereich des Bestandsgebäudes vollständig, rückt nah an die Straße heran und trennt den Freiraum deutlich in zwei Bereiche. Neben einem neuen Eingangsbereich im Erweiterungsbau biete der Entwurf die „interessante Idee“ einer zusätzlichen Erschließung vom nördlichen Campus.
Die Preisrichter regten eine Überarbeitung der platzierten Entwürfe an, da ihrer Ansicht nach keine der prämierten Arbeiten die im Wettbewerb gesetzten Ziele vollständig erreicht habe. Für das anschließende Verhandlungsverfahren forderten sie die angemessene Berücksichtigung der durch die Preisvergabe ausgedrückten Hierarchisierung.

Katja Klenz