Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Bebauung an der Europa-Allee, Frankfurt/Main

Preisträger

Ein 2. Preis: Eike Becker_Architekten, Berlin

€ 24.000 (netto)

Eike Becker
Mitarbeit: Ken Rannoch, Junji Yonehara, Hon-Tan Trieu, Eunji Cho, Yongtae Cho, Fidias Curiel, Daniel Niens, Bartlomiej Stachurski, Christoph Wunderlich
Fachberater: HMI Hartwich Mertens Ingenieure Planungsgesellschaft für Bauwesen mbH, Berlin (Tragwerk)
hhpberlin Ingenieure für Brandschutz GmbH, Berlin (Brandschutz)
Modellbau: Monath + Menzel, Berlin
MIR (Visualisierung)

Ein 2. Preis: sauerbruch Hutton Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin

€ 24.000 (netto)

Prof. Matthias Sauerbruch, Juan Lucas Young, Konrad Opitz
Mitarbeit: Alina Tapley, Ben Hansen, Felix Xylander-Swannell, Ana-Marija Knezevic
Fachberater: INNIUS RR GmbH, Ulrich Krafft, Herr Bamberger, Rosbach v.d.H. (Technische Gebäudeausstattung)
Werner Sobek Frankfurt Gmbh & Co. KG, Patrick Prasser, Frankfurt/Main (Tragwerksplanung)
hhpberlin Ingenieure für Brandschutz GmbH, NL Frankfurt, Tim Kiefer, Frankfurt/Main (Brandschutz)
Visualisierung: on3studio GmbH, Hamburg
Modellbau: Werk5 GmbH, Karsten Kröger, Berlin

3. Preis: msm meyer schmitz-morkramer main gmbh, Frankfurt/Main

€ 12.000 (netto)

Holger Meyer
Mitarbeit: Gregor Gutscher, Xiaohua Zhang, André Picamilho, Alejandro Cortes-Carrera
Landschaftsarchitektur: Nowak Partner Landschaftsarchitekten, München

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 06.09.2017
Ort Frankfurt/Main
Auslober PGE Grundstücksgesellschaft Europaviertel, c/o Paulus Immobiliengruppe, Grünwald
Betreuung bgsm Architekten Stadtplaner, München
Preisrichter Prof. Zvonko Turkali, (Vorsitz), Markus Radermacher, Prof. Anett-Maud Joppien, Klemens Rump, Jens Jensen, Mike Josef/Beate Huf, Christian Paulus, Prof. Dr. Elmar Schütz

Städtebauliches Tor
Neubau eines Gebäudekomplexes an der Europa-Allee in Frankfurt

Das Europaviertel in Frankfurt nimmt zunehmend Gestalt an. Zentral gelegen zwischen Messe und Hauptbahnhof sowie Platz der Einheit und Rebstockgelände bietet es einen Mix aus Wohnen und Gewerbe, Grünflächen und Parks, Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten. Herzstück des Quartiers ist die Europa-Allee, die am Ende des 60 m breiten Boulevards in Tieflage geht und die Parkanlage des Europagartens unterfährt. Genau an dieser stadtbildprägenden Stelle soll – in Verbindung mit der Bebauung des gegenüberliegenden Grundstücks – ein städtebauliches Tor entstehen.

Zu diesem Zweck hatte die Projektgesellschaft der Paulus Immobilien Gruppe aus Grünwald in Abstimmung mit der Stadt Frankfurt einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb ausgelobt, der vom Münchener Büro bgsm Architekten Stadtplaner betreut wurde. Konkretes Ziel war die Gebäudeplanung für einen Komplex mit Büro-, Hotel-, Gastronomie- und Einzelhandelsnutzung: In der westlichen Hälfte des Grundstücks, in der Ecke zum Europagarten, soll ein bis zu 60 m hohes Bürohochhaus entstehen; in der östlichen Hälfte ein Flachbau für ein 3- bis 4-Sterne-Hotel mit rund 300 Zimmern, der alternativ auch als Bürogebäude realisiert werden kann. Das Erdgeschoss ist vornehmlich für Gastronomie und Einzelhandel vorzusehen. Zwei Untergeschossen, welche sich über beide Grundstückshälften erstrecken, sollen die Tiefgarage und erforderliche Nebenanlagen aufnehmen. Das gesamte Vorhaben soll barrierefrei nutzbar sein.

Das Preisgericht, unter Vorsitz von Prof. Zvonko Turkali aus Frankfurt, konnte sich nicht auf einen eindeutigen Sieger verständigen und vergab stattdessen zwei zweite Plätze (Eike Becker_Architekten, Berlin; sauerbruch Hutton Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin) sowie einen dritten Platz (msm meyer schmitz-morkramer main gmbh, Frankfurt).

Dem Entwurf des Berliner Büros Eike Becker_Architekten attestierten die Preisrichter eine „Identität stiftende, markante Gebäudesilhouette“, welche die Ost-West-Ausrichtung des Boulevards betone und sich „angenehm“ in die Nachbarbebauungen einfüge. Die Verfasser schlagen eine Trennung der beiden Großnutzungen Büro und Hotel in zwei Gebäude vor, was im Hinblick auf eine spätere Vermarktbarkeit gelobt wurde. Vor allem die Grundrisse überzeugten:  Der H-Typus des Bürohochhauses ermögliche eine „sehr hohe Flexibilität der Büronutzungen“; der U-Grundriss des Hotels „ein hohes Maß an Wirtschaftlichkeit“, so die Preisrichter. In der Erdgeschosszone werde ein vielfältiges Nutzungsangebot geschaffen, das eine positive Belebung des Boulevards erwarten lasse. Insgesamt würdigte das Preisgericht die Wirtschaftlichkeit, Flexibilität und Funktionalität des Beitrages. Aus städtebaulicher Sicht sei jedoch zu klären, wie mit einer Abweichung vom Bebauungsplan – dieser sieht nur einen Gebäudekomplex vor – umzugehen ist.

Die sauerbruch Hutton Gesellschaft von Architekten mbH aus Berlin präsentiert einen Gebäudekomplex mit verschiedenen Höhenniveaus, der den Europaboulevard „sehr geschickt“ in den Europapark überführe. Besonders angetan zeigte sich das Preisgericht von der großzügigen Erdgeschosszone mit fast 5 m Raumhöhe und der frei zugänglichen Stadtterrasse auf Ebene 1. Diese öffnet den Blick in den Boulevard sowie den höher gelegenen Park und wird von einem dreigeschossigen „Schaufenster“ gerahmt, das wiederum Blickbeziehungen aus dem Patio des Hotels in den Stadtraum ermöglicht. Der Erdgeschossbereich zum Boulevard ist für gewerbliche und gastronomische Einrichtungen vorgesehen, was eine „hohe Flexibilität, Attraktivität und urbane Qualität“ verspreche, so das Fazit der Preisrichter.

Die mit dem dritten Preis bedachte msm meyer schmitz-morkramer main gmbh aus Frankfurt schlägt einen „dominanten“, geradezu massiven Sockelbau vor, der zwar „einen kraftvollen Auftakt für die Bebauung der Nordseite der Europaallee“ bilde, jedoch die ensembleartige Torwirkung gefährde. Der Komplex ist funktional in drei realteilbare Gebäude – Bürohochhaus, Bürogebäude und Hotel – gegliedert; wobei sich die Eingänge konsequent zur Europaallee orientieren und so wirkungsvoll zur Belebung des Straßenraums beitragen, urteilten die Preisrichrer.

Das Preisgericht empfahl einstimmig, die beiden Zweitplatzierten mit einer Überarbeitung ihrer Projekte zu beauftragen. Die Ergebnisse sollen erneut dem Preisgericht vorgestellt werden, mit dem Ziel einer abschließenden Empfehlung.

Lena Pröhl