Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Innovationsquartier, Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis: tobeSTADT, Frankfurt/Main, mit Kölling + Voigt Architekten, Bad Vilbel/Frankfurt/Main und Stefan Bernard Landschaftsarchitekt, Berlin

€ 45.000 (netto)

Torsten Becker, Antje Voigt, Moritz Kölling, Stefan Bernard
Mitarbeit: Jonas Kleinemeier, Mareike Borkeloh, Carolin Morell, Fabian Lux

2. Preis: KH Studio, Paris (F)

€ 30.000 (netto)

Ilaria Novielli, Alessandro delli Ponti
Mitarbeit: Michele Ganzarolli, Verdiana Spicciarelli, Samuel Zwerger
Fachberater: Léonard Cattoni (Landschaftsplanung)
Hugo Bernard Lecharpentier (Energieberechnung)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Stadtplanung
Wettbewerbsform Nichtoffener, einphasiger, städtebaulicher Ideenwettbewerb im kooperativen Verfahren
Preisgerichtssitzung 30.09.2017
Ort Frankfurt/Main
Auslober Stadt Frankfurt/Main, Stadtplanungsamt
Betreuung Stadtbauplan GmbH, Darmstadt
Preisrichter Ferdinand Heide (Vorsitz), Heike Appel, Petra Bittkau, Martin Hunscher, Prof. Christa Reicher, Peter Cachola Schmal, Uli Baier, Karin Guder, Mike Josef, Dr. Nils Kößler

Stadtraum weiterbauen – Grünraume stärken
Entwicklung eines innovativen Wohnquartiers in Frankfurt

Frankfurt platzt aus allen Nähten. Seit Jahren ist der Wohnungsmarkt in der Rhein-Main-Metropole angespannt. Die Entwicklung eines neuen, innovativen Wohnquartiers im Nordosten der Stadt, dem soge­nannten „Ernst-May-Viertel“, soll nun Abhilfe schaffen.

Für dessen Gestaltung hatte das Stadtplanungsamt Frankfurt einen nichtoffenen, einphasigen, städtebaulichen Ideenwettbewerb im kooperativen Verfahren  ausgelobt, der von der Stadtbauplan GmbH aus Darmstadt betreut wurde. Konkretes Ziel war es, für das rund 20 Hektar große Areal eine langfristige städtebauliche Entwicklung zu einem attraktiven Quartier für innenstadtnahes Wohnen und Arbeiten aufzuzeigen: Gewünscht waren bis zu 1.500 Wohneinheiten für verschiedene Nutzer, die Wiedervernetzung des durch die A 661 zerschnittenen Landschaftsraumes, die Schaffung neuer öffentlicher Grünflä­chen zur Erweiterung, Vernetzung und Entlastung der bestehenden Parkanla­gen sowie die Minderung des Autobahnlärms mittels passiver Schallschutzmaßnahmen. Besondere Aufmerksamkeit sollte den Themen „Kli­maresilienz“, „Energieeffizienz“, „Neue Urbane Gemeinschaften“ und „Urbane Mobilität“ geschenkt werden.

Weitestgehend erfüllt hat die Zielvorgaben der Beitrag des Frankfurter Büros tobeSTADT in Zusammenarbeit mit Kölling + Voigt Architekten aus Bad Vilbel sowie Stefan Bernard Landschaftsarchitekt aus Berlin, der aus den sechs eingereichten Arbeiten zum Sieger gekürt wurde. Der Entwurf sieht eine kompakte Bebauung vor, die in ihrer Dimension dem Maßstab des Frankfurter Nordends folgt und Gebäudebestand sowie vorhandene räumliche Bezüge aufnimmt. Insbesondere das differenzierte, freiraumplanerische Konzept „Gartenwildnis“ überzeugte die Preisrichter. Zudem wurden das Erschließungskonzept sowie der „zentrale“, „gut proportionierte“ Quartiersplatz mit Abenteuerspielplatz und Generationenhaus gelobt. Die kleinteilige Parzellierung und Gebäudegliederung lasse trotz der strengen Blockstruktur abwechslungsreiche, durchmischte öffentliche und private Räume erwarten. Insgesamt leite der Beitrag „eine einfache räumliche Grundstruktur aus den Besonderheiten des Ortes ab und bilde mit einer Fülle innovativer Ansätze eine sehr gute Grundlage für die weitere Bebauungsplanung“, so das Urteil der Preisrichter.

Auf dem zweiten Platz landete das Pariser Büro KH Studio mit seinem städtebaulichen Konzept „Urbane Oase“: Das Konzept basiert auf der Idee, Stadt und Natur nicht mehr als Gegensatz zu denken, sondern vielmehr unterschiedliche Freiräume in Verbindung mit vielfältigen Nutzungen zu organisieren. Die  vorhandenen Gärten werden erhalten und die Mitte des neuen Quartiers als grüner Kern definiert, der so als „wichtiges orientierungs- und identitätsstiftendes Element“ fungiere. Besonders gut umgesetzt sahen die Preisrichter das Thema der sozialen Gemeinschaft:  An verschiedenen Stellen des Quartiers sind gemeinschaftliche Funktionen wie Co-working und Gemeinschaftsräume und -küchen untergebracht, die zur Intensivierung und Belebung des Quartiers beitrügen. Darüber hinaus sei das Quartier gut über Wege und Grünräume mit dem Bestand verknüpft; eine klare Haltung zu den Raumkanten und Grenzen zwischen Freiraum und Bebauung wurde jedoch vermisst.

Das Preisgericht unter Vorsitz von Ferdinand Heide aus Frankfurt empfahl einstimmig, den Bebauungsplan auf Grundlage des Entwurfes des ersten Preisträgers zu erstellen.

Lena Pröhl