Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Rathaus Kassel - K-Flügel, Kassel

Preisträger

1. Preis: BOLWIN | WULF Architekten Partnerschaft mbB, Berlin

€ 12.000 (netto)

Hanns-Peter Wulf, Thomas Bolwin
Mitarbeit: Andre Rische, Mario Grothe, Vanessa Vogel
Fachberater: Ingenieurbüro Franke, Glienicke (Fassadenplanung)

2. Preis: SAA Schweger Architekten GmbH, Hamburg, mit Jens-Peter Frahm, Hamburg

€ 8.000 (netto)

Prof. Peter P. Schweger, Jens-Peter Frahm

3. Preis: ahrens & grabenhorst architekten stadtplaner, Hannover

€ 4.000 (netto)

Roger Ahrens, Prof. Gesche Grabenhorst
Mitarbeit: Patricio Castaneda, Alena Schlömer, Eduard Keil, Sabina Sobocinska
Fachberater: energydesign braunschweig, Braunschweig 

Preisgerichtentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 18.08.2017
Ort Kassel
Auslober Stadt Kassel
Betreuung ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
Preisrichter Prof. Alexander Reichel (Vorsitz), Axel Bienhaus, Till Schneider, Axel Jäger, Christof Nolda, Christian Geselle, Karin Kellner

Kasseler Rathaus in neuem Gewand
Neugestaltung des K-Flügels

Der aus den 1970er Jahren stammende K-Flügel des Kasseler Rathauses entspricht in vielerlei Hinsicht nicht mehr den gängigen Standards zeitgemäßer Bürogebäude. Das soll sich ändern. Um brandschutztechnische Mängel zu beseitigen und den K-Flügel als Standort der Stadtverwaltung attraktiv und zukunftssicher zu machen, hat die Stadt Kassel einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb ausgelobt, den das ortsansässige Büro ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH begleitete.

Neben der Sanierung aller Fassadenflächen – besonderes Augenmerk war auf die Aspekte Brandschutz, Sonnenschutz und Schallschutz zu richten –, waren auch punktuelle Modifikationen in den Grundrissen der Büroetagen gewünscht, die zur Optimierung der Arbeitsplatzsituation beitragen. Da die städtische Verwaltung immer wieder Veränderungen unterworfen ist, sollte die Möglichkeit zur flexiblen Raumaufteilungen gegeben sein, beispielsweise durch Versetzen von Bürotrennwänden und Türen. Der ursprüngliche Haupteingang an der Fünffensterstraße wird durch den Wegfall der Bibliotheksnutzung im 1. OG wohl gänzlich seine Bedeutung verlieren. Daher soll im Zuge der Sanierung der bisherige „heimliche“, weil der innenstadtnäher gelegene Haupteingang des K-Flügels zum Karlsplatz hin, gestalterisch aufgewertet werden. Insgesamt – so hofft die Stadt Kassel – soll mit dem neuen Erscheinungsbild des K-Flügels Bürgernähe, Offenheit und Transparenz ins Stadtbild transportiert werden und eine städtebauliche Aufwertung erfolgen.

Das Preisgericht, unter Vorsitz von Prof. Alexander Reichel aus Kassel, vergab unter den vierzehn eingereichten Arbeiten einen ersten Preis an die BOLWIN | WULF Architekten Partnerschaft mbB aus Berlin, einen zweiten an die SAA Schweger Architekten GmbH mit Jens-Peter Frahm, beide Hamburg, sowie einen dritten Preis an ahrens & grabenhorst architekten stadtplaner aus Hannover.

Das Berliner Büro präsentiert einen „stringent(en)“, „nüchtern(en)“ Entwurf, der sich stark am Bestand orientiert und durch eine „hohe technische Präzision“ sowie „gestalterische Qualität“ auszeichnet. Der K-Flügel ist in eine Sockelzone und einen darüber liegenden, horizontalen Baukörper gegliedert. Zur Fünffensterstraße ist der Sockel eingeschossig, zum Karlsplatz zweigeschossig ausgebildet. Die Fassade überzeugte nicht nur hinsichtlich der brandschutztechnischen Anforderungen. Durch Aufnahme der Farbe des historischen Rathauses gelinge es den Verfassern zudem, den Gesamtkomplex zu einer Einheit zusammenzufassen, in dem der K-Flügel als eigenständig erkennbares Volumen wirke. Auch lobten die Preisrichter die „Flexibilität der Büronutzung“, die „Arbeitsplatzqualität“ sowie die „optimale Tageslichtversorgung“; die Materialwahl hingegen sei zu überdenken.

Die zweiplatzierte Arbeit verleihe „der Kubatur des Rathauses einen neuen gestalterischen Anspruch und Ausdruck“, lobten die Preisrichter. An die historische Entwurfsskizze aus den 1950er Jahren anknüpfend schlagen die Verfasser ein „harmonisches, ganzheitliches Bild mit Turm, Riegel und Sockel aus einem Guss“ vor. Dabei setzen sie auf die Verwendung von Werkstein bzw. Naturstein, was „auch langfristig dem Anspruch der Kasseler Bürger an ihr Rathaus gerecht wird“, so das Preisgericht. Der Haupteingang wird auf den Karlsplatz verlegt und mit einer Stadtloggia versehen. Die Themen Tragwerksintegration (aussteifende Scheiben), Lichteinfall, Brüstungshöhen und technische Integration der Medien seien noch zu konkretisieren.

Den Drittplatzierten gelinge „der Spagat, der Gebäudecharakteristik des K-Flügels gerecht zu werden und (…) eine angenehme, unaufgeregte Verknüpfung von historischem, denkmalgeschütztem Bestand und der 1970er Jahre Architektur des Rathausflügels herzustellen“, hieß es in der Urteilsbegründung. Besonders positiv bewerteten die Preisrichter die „ruhige“, „wohltuende“ Formensprache, die Spielräume für die städtebauliche Entwicklung eröffne, sowie die horizontal verlaufenden Fensterfassade mit integrierten Sonnenschutzlamellen, die den Arbeitsplätzen „optimale Belichtung, Besonnung und Ausblick“ biete. Hinsichtlich statischer Anforderungen sei der Entwurf zu überarbeiten. Insgesamt aber handele es sich um einen guten Wettbewerbsbeitrag, der auch „die stadträumlichen Chancen, die mit der Sanierung des Gebäudes einhergehen, nutzt und damit ein über die Wettbewerbsaufgabe hinausgehendes Potenzial anspricht.“

Das Preisgericht empfahl einstimmig, die Verfasser der prämierten Arbeiten in die anstehenden Verhandlungen einzubeziehen und ihnen Gelegenheit zur Überarbeitung ihrer Entwürfe zu geben, wobei die in der jeweiligen Beurteilung genannten Anmerkungen zu beachten sind.

Lena Pröhl