Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Wohnquartier Eichendorff-Gelände, Kassel

Preisträger

1. Preis: pape+pape architekten, Kassel, mit Thomas Schüler Architekten Stadtplaner, Düsseldorf

€ 20.000 (netto)

Tore Pape, Thomas Schüler
Mitarbeit: Brigitte Osenstätter, Victor Tuschik

Ein 3. Preis: KOEB&POLLAK ARCHITEKTUR, Wien (A), mit Alexander Schmoeger, Wien (A)

€ 5.000 (netto)

Roland Köb, Univ. Prof. Dr. DI Sabine Pollak, Alexander Schmoeger
Mitarbeit: Philipp Schmoeger, Sara Hammer, Manuel Prögelhof

Ein 3. Preis: Reichel Architekten, Kassel

€ 5.000 (netto)

Prof. Alexander Reichel
Mitarbeit: Nicola Seelbach, Humam Abou Asali, George Albity, Alexander Belov, Clara Roth
Fachberater: ina Planungsgesellschaft mbH, Joost Hartwig, Darmstadt (Energiekonzept, Nachhaltigkeitsberatung, Ökobilanzierung)
LK Argus Kassel GmbH, Michael Volpert, Kassel (Verkehrsplanung, Mobilitätskonzept

Ein 3. Preis: Baufrösche Architekten Stadtplaner GmbH, Kassel

€ 5.000 (netto)

Uwe Hoegen
Mitarbeit: Wenyuan Zhu, Alexandra Eberhardt
Fachberater: schöne aussichten landschaftsarchitektur, Günter sandmann, Kassel
Mitarbeit: Lisa Sparr


Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Stadtplanung
Wettbewerbsform Nichtoffener, städtebaulicher und hochbaulicher Realisierungswettbewerb als Einladungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 31.08.2017
Ort Kassel
Auslober GWG Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft mbH, Kassel
Betreuung ANP - Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
Preisrichter Prof. Walter Nägeli (Vorsitz), Uwe Eichhorn, Peter Ley, Christof Nolda, Prof. Alexander Pellnitz

Buntes Quartier
Entwicklung eines innovativen Wohnquartiers auf dem Eichendorff-Gelände in Kassel

Die Gesellschaft in Deutschland wird immer älter und bunter. Das Wohnungsangebot ist aber nach wie vor wesentlich auf 2 bis 3 Zimmer, Küche, Diele, Bad ausge­richtet, was modernen Wohnwünschen nicht immer gerecht wird. Auf dem Grund­stück der ehemaligen Eichen­dorff-Schule im Kasseler Stadtteil Bettenhausen soll daher ein innovatives Wohnquartier entstehen, das nicht nur ‚Alleinstellungsmerkmal‘ innerhalb der städtischen Wohnland­schaft, sondern auch ‚Strahlkraft‘ weit über den Stadtteil hinaus besitzt.

Für die Gestaltung hatte die GWG Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft mbH aus Kassel einen nichtoffenen Realisierungswettbewerb ausgelobt, der vom ortsansässigen Büro ANP - Architektur- und Planungsgesellschaft mbH betreut wurde. Gewünscht war ein ‚buntes‘ Quartier für Jung und Alt, das unterschiedliche Lebensmodelle zulässt und für Menschen unterschiedlicher Nationalität attraktiv ist. In der Auslobung wurde daher ein Wohnungsmix gefordert, der auch gemeinschaftsorientiertes bzw. generationenübergreifendes Wohnen ermöglicht. Vom klassischen Geschosswohnungsbau bis hin zu innovativen Wohnformen wie z.B. Haus-im-Haus-Konzepte – der Kreativität der Architekturbüros war keine Grenzen gesetzt. Es galt lediglich eine Gebäudehöhe von drei Geschossen nicht zu überschreiten und jede Wohnung mit einer Terrasse bzw. Balkon zu versehen. Besonders wichtig war den Auslobern der Aspekt der Begegnung: Wohnungen, Infra­struktur und Außenräume – insbesondere der Quartiersplatz – sollen den Rahmen für Austausch und Kommunikation bieten. Darüber hinaus wurde großen Wert auf Kinderfreundlichkeit und Barrierefreiheit gelegt. Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Walter Nägeli aus Berlin vergab unter den acht eingereichten Arbeiten einen ersten sowie drei dritte Preise.

Dem Entwurf der erstplatzierten Arbeit von pape+pape architekten aus Kassel in Zusammenarbeit mit Thomas Schüler Architekten Stadtplaner aus Düsseldorf attestierten die Preisrichter eine „hohe urbane und freiraumplanerische Qualität“. Die Verfasser schlagen einen zentralen Quartiersplatz vor, an dem die öffentlichen Einrichtungen wie das neue Stadtteilzentrum liegen. Durch Wiederaufnahme der historischen Straße ist der Platz gut an die Umgebung angebunden. Das angrenzende Gebiet entwickelt sich von einer höheren urbanen Dichte zu einer offenen durchgrünten Bebauung. Angetan zeigte sich das Preisgericht vor allem von der Materialwahl Ziegel für die Erdgeschosse und das Stadtteilzentrum. Diese binde das Quartier nicht nur in die umgebende Bebauung ein, sondern verleihe ihm auch „eine eigene Identität“.

Einen dritten Preis erhielt das Büro KOEB&POLLAK ARCHITEKTUR in Zusammenarbeit mit Alexander Schmoeger, beide aus Wien, für seinen klar strukturierten, stringenten Entwurf. Grüne Achsen unterteilen das Areal in drei eigenständig gestaltete Siedlungsbereiche: „Die unterschiedlichen Baublöcke zeigen bekannte Siedlungsstrukturen, die in ihrer Interpretationsmöglichkeit die Anforderung an Flexibilität und Vielfältigkeit vollständig abbilden“, so die Preisrichter. Die konsequente Einbeziehung des Landschaftsraumes überzeugte, ebenso wie das Erschließungssystem. Die Ausbildung des zentralen Bereichs mit Kindergarten, Turnhalle sowie einem mittig angeordneten Sonderbau zeige interessante Lösungen, müsse aber im Detail überarbeitet werden.

Ein weiterer dritter Preis ging an die Reichel Architekten aus Kassel, deren Arbeit vornehmlich in architektonisch, gestalterischer Hinsicht überzeugte. Die Verfasser regen eine Mischung aus vier Gebäude-Typologien an, die teppigartig über das gesamte Gelände angeordnet sind. Dies verspreche attraktive Wohn- und Lebensformen, lobte das Preisgericht. Das entwickelte städtebauliche Konzept sei jedoch zu überarbeiten.

Ebenfalls mit einem dritten Preis wurde die Baufrösche Architekten Stadtplaner GmbH aus Kassel ausgezeichnet, deren Arbeit durch die offenen Strukturen des Quartiers mit durchlässigen Sichtbeziehungen besticht.

Das Preisgericht empfahl einstimmig, die Verfasser der mit dem ersten Preis ausgezeichneten Arbeit gemäß Auslobung zu beauftragen. Im Interesse der Vielfalt des Quartiers sei es jedoch ratsam, weitere Architekten in die Hochbauplanung einzubeziehen, vorrangig die Preisträger.

Lena Pröhl