Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Fassadenwettbewerb TOWER 120 am Güterplatz, Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis: Hadi Teherani Architects GmbH, Hamburg

€ 30.000(netto)

Hadi Teherani
Mitarbeit: Christian Troche, Pouria Babakhani, Elke Malek, Xinghua Liu, Luis-Eloy Sereno Hernandez, Patrick Hesse Sebastian Appl
Fachberater: Priedemann Fassadenberatung GmbH, Karsten Berghäuser, Großbeeren (Fassadenplanung)

2. Preis: Kleihues+Kleihues Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin

€ 20.000(netto)

Jan Kleihues
Mitarbeit: Marsil Hanen, Silke Haupt, Palina Porohovoj, Nicolas Winklmair
Fachberater: schlaich bergermann partner sbp gmbh, Dr.-Ing. Boris Reyher, Stuttgart (Tragwerk)
DS-PLAN, Martin Lutz, Stuttgart (Fassade)

3. Preis: Eike Becker_Architekten, Berlin

€ 10.000(netto)

Eike Becker, Helge Schmidt
Mitarbeit: Eunji Cho, Yong tae Cho, Daniel Niens, Ken Rannoch, Junji Yonehara, Bartlomiej Stachurski, Fidias Curiel
Fachberater: Ingenieurbüro für Fassadentechnik, Michael Walzer, Berlin

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb im kooperativen Verfahren mit Ideenteil
Preisgerichtssitzung 17.07.2017
Ort Frankfurt/Main
Auslober G&P Galateia Grundstücksverwaltung GmbH & Co. KG Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH, Frankfurt/Main
Betreuung ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
Preisrichter Prof. Annett-Maud Joppien (Vorsitz), Prof. Julia B. Bolles-Wilson, Oliver Cyrus, Jürgen Groß, Mike Josef, Frank Junker, Markus Radermacher, Michael Stapf

Das Spiel mit Horizontalität und Vertikalität
Fassadengestaltung des TOWER 120 am Güterplatz in Frankfurt

Die Main-Metropole Frankfurt ist weithin bekannt für ihre Skyline. Regelmäßig kommen neue Wolkenkratzer hinzu. Nun soll am Güterplatz, südlich des Europaviertels, ein knapp 200 Meter hoher Büro- und Hotelturm entstehen, der sich in Ästhetik und Erscheinungsbild in den städtischen Kontext einfügt. Denn als Teil der Hochhausskyline kommt dem Neubau eine hohe städtebauliche wie städteprägende  Bedeutung zu.

Für das Bauvorhaben liegt bereits eine Planung des Frankfurter Büros Meixner-Schlüter-Wendt vor, die  für den Grundriss der Hotelgeschosse und den Kern sowie den Aufriss des Gebäudes insgesamt verbindlich war. Der von der G&P Galateia Grundstücksverwaltung GmbH & Co. KG Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH aus Frankfurt ausgelobte Wettbewerb mit Ideenteil, konzentrierte sich daher in erster Linie auf die Fassadenplanung. Ein besonderer Fokus lag auf der Kopfausbildung. Zudem waren mehr – bezüglich der Sockel- und Bürogeschosse – oder weniger Modifikationen – bezüglich der Hotelgeschosse – möglich. Desweiteren sollten Ideen für die Neugestaltung des auf dem Grundstück liegenden U-Bahn-Auf-/Abgangs formuliert werden, mit dem Ziel einer einheitlichen Gestaltung. Als Wettbewerbsbetreuer agierte das Büro ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH aus Kassel. Das Preisgericht, dem Prof. Annett-Maud Joppien aus Frankfurt vorsaß, vergab unter den sieben eingereichten Arbeiten drei Preise.

Dem Siegerentwurf von Hadi Teherani Architects GmbH aus Hamburg attestierten die Preisrichter „außergewöhnliche Alleinstellungsmerkmale“. Am augenfälligsten sei der markante Kopf, der mit seinen Vor- und Rücksprüngen Bezug auf die benachbarten Wohnhochhäuser nehme. Interessant sei auch das herausgeschobene zweite Obergeschoss, das geschickt mehrere Funktionen wie die Überdachung des Eingangs oder die Einhausung der U-Bahn bündele. Insgesamt zeige der Entwurf durch „das Spiel mit Horizontalität und Vertikalität einen geschickten Umgang mit den Proportionen, der auch den Stadtraum elegant in Szene setzt“, so die Preisrichter. Hinsichtlich der Materialwahl für die Fassade sowie des Anschlusses an die Nachbarbebauung sah das Preisgericht noch Optimierungspotenzial.

Die mit dem zweiten Preis prämierte Arbeit von der Kleihues+Kleihues Gesellschaft von Architekten mbH aus Berlin sieht eine geschossübergreifende, gefaltete Fassade vor, die an Basaltsäulen erinnert. Die Preisrichter bescheinigen dem Entwurf einen „hohe(n) Wiedererkennungswert“ , besonders da die mannigfaltigen Spiegelungen einen „angenehm irritierenden und irisierenden Effekt“ erzeugen. In Bezug auf die dahinter liegenden Nutzungen würden die Faltungen aber teilweise etwas willkürlich wirken (insbesondere im Bereich der Hotelzimmer), zumal sie das vorgegebene Fassadenbudget überschreiten. Die Vorschläge für die Vordächer sowie der Anschluss an die Nachbarbebauung überzeugten; der Vorschlag zur Überbauung des U-Bahn-Abganges müsse noch konkretisiert werden.

Der dritte Preis ging an das Berliner Büro Eike Becker_Architekten. Der Idee des „Schachtelhalms“ folgend schlagen die Verfasser eine helle Fassadengestaltung vor, die sich gut in die Nachbarschaft einfüge und sich positiv auf die Belichtungssituation im Innenhof der Nachbarbebauung auswirke. Zudem seien die Nutzungen nach außen klar ablesbar und durch die Technikgeschosse erkennbar voneinander getrennt, lobte das Preisgericht. Die Proportionen von Kopf, Schaft und Sockel zueinander seien jedoch nicht gänzlich stimmig und müssten überarbeitet werden.

Das Preisgericht empfahl einstimmig, den Verfasser der mit dem ersten Preis ausgezeichneten Arbeit zu beauftragen.

Lena Pröhl