Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau einer Kindertagesstätte, Friedberg, Housing-Area

Preisträger

1. Preis: foundation 5+ architekten Foitzik Krebs Spies Partnerschaft mbB, Kassel

€ 8.400 (netto)

Daniel Spies, Matthias Foitzik
Mitarbeit: Lisa Schmidt, Sara Scheffler
Fachberater: foundation 5+ landschfaftsarchitekten und planer, Michael Herz, Kassel (Freiraumplanung)

2. Preis: AG5 Architekten + Stadtplaner PartGmbB Klie Kornmayer Krause, Darmstadt

€ 6.300 (netto)

Joachim Klie
Mitarbeit: Christoph Kornmayer, Andres Krause

3. Preis: berger röcker gork architekten PartGmbB, Stuttgart

€ 4.200 (netto)

Daniel Berger
Mitarbeit: Peter Röcker, Tim Gork

Anerkennung: tm.es Architekten, Berlin

€ 2.100 (netto)

Doreen Ebert, Alejandro Tomás Roldan

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Innenarchitektur
Wettbewerbsform Einstufiger, nichtoffener Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 15.08.2017
Ort Friedberg
Auslober Magistrat der Kreisstadt Friedberg
Betreuung PlanES, Gießen
Preisrichter Prof. Thomas Zimmermann (Vorsitz), Susanne Wartzeck, Prof. Dirk Metzger, Michael Keller, Martina Pfannmüller

Kita mit besonderem pädagogischen Konzept
Neubau einer Kindertagesstätte in Friedberg, Housing-Area

Die Kreisstadt Friedberg am nördlichen Rand des Rhein-Main-Gebiets wächst.  In den nächsten Jahren wird auf dem Gelände der früheren US-Kaserne ein neuer Stadtteil entstehen und schon jetzt entwickelt sich die ehemalige Housing Area, die seitens der Amerikaner für Wohnzwecke genutzt wurde, zu einem Mix aus Campus und „Wohnraum für alle“. Vor allem junge Familien haben sich in diesem Bereich angesiedelt. Dies sowie der erhöhte Bedarf an Krippenplätzen – die Anmeldezahlen für unter Dreijährige steigen – machen den Neubau einer Kindertagesstätte erforderlich. Hinzu kommen die gestiegenen Platz- und Raumanforderungen durch das neue Kinderfördergesetz KiFöG.

Der Magistrat der Kreisstadt Friedberg hat daher einen einstufigen, nichtoffenen Realisierungswettbewerb ausgelobt, der von PlanEs aus Gießen betreut wurde. Das zentral in Friedberg gelegene Wettbewerbsgrundstück wird durch die Straßen Im Wingert im Westen und Am Dachspfad im Osten sowie die Königsberger Straße im Südosten erschlossen. Auf der verhältnismäßig kleinen zur Verfügung stehenden Fläche soll eine zweigeschossige Kindertagesstätte für 111 Kinder entstehen, die über sechs Gruppenräumen – jeweils drei für Kindergarten und Krippe– verfügt. Für die Krippe im Obergeschoss werden zudem Schlafräume benötigt. Hinzu kommen u.a. ein Personalraum, ein Leitungsbüro, mehrere Abstell-, Lager- und Sanitärräume, eine Küche sowie ein Speise- und Mehrzweckraum, welche zusammenschaltbar als großer Raum nutzbar sein sollen. Darüber hinaus werden ein Therapieraum, ein Werkraum und ein sog. Snoozleraum benötigt. Da die Einrichtung pädagogisch das Gesundheitskonzept von Sebastian Kneipp einbeziehen möchte, wird zusätzlich ein Waschraum mit Wassertretbecken gefordert. Die Außenbereiche von Krippe und Kindergarten sollen getrennt angeordnet werden. Besonderer Wert wird auf die Barrierefreiheit im Außen- und Innenbereich gelegt. Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Thomas Zimmermann aus Frankfurt vergab drei Preise sowie eine Anerkennung.

Die mit dem ersten Preis ausgezeichnete Arbeit von der foundation 5+ architekten Foitzik Krebs Spies Partnerschaft mbB aus Kassel sieht einen kompakten, zweigeschossigen Baukörper vor. Dieser ist von der östlichen Grundstücksgrenze abgerückt und durch Vor- und Rücksprünge im Äußeren gut gegliedert. Insbesondere der „platzartig ausgebildete Eingangsbereich“ biete Aufenthaltsqualität, so die Preisrichter. Positiv bewerten sie auch die Ausrichtung der Gruppenräume nach Osten mit vorgelagerten Terrassen und Höfen, was ein hohes Maß an Privatheit in der Gruppe zulasse. Der Vorschlag, das Haus der Elemente im Garten mit Kneipp- und Werkraum als Glashaus zu realisieren, wurde jedoch kontrovers diskutiert. Als „sehr gut strukturiert“ befanden die Preisrichter die Gruppenräume U3 im Obergeschoss mit direkter Angliederung von Sanitär- und Schlafräumen. Auch die Materialwahl – Betondecken und Holzfassade – überzeugte, denn sie ermögliche ein wirtschaftliches sowie energetisch effizientes Erstellen und Betreiben der Kindertagesstätte.

Der zweite Preis ging an das Darmstädter Architekturbüro AG5 Architekten + Stadtplaner PartGmbB Klie Kornmayer Krause. Dieses schlägt einen langgestreckten, zweigeschossigen Baukörper vor, dem die Preisrichter eine „ansprechende, qualitätsvolle Architektursprache“ attestierten. Leicht zur Straße rückversetzt entstehe „fast selbstverständlich ein dem Gebäude vorgelagerter Eingangsbereich“, so das Preisgericht. Vom Eingang aus, der den Blick auf den Garten freigibt, gelangt man in den Bereich Mehrzweck-/Speiseraum sowie in die Gruppenräume der Ü3 Kinder im Süden. Die großzügigen Freiflächen zum Spielen sowie die eingeschobenen Freibereiche im Obergeschoss wurden besonders gelobt. Insgesamt zeichne sich der Entwurf durch eine „sehr geordnete und gut strukturierte Grundrissorganisation“ aus, so das Fazit.

Die mit dem dritten Preis bedachte berger röcker gork architekten PartGmbB positioniert den Kita-Neubau orthogonal zur angrenzenden Bebauung. Die dadurch geschaffene Vorzone erfülle nicht nur die funktionalen Anforderungen an Ankommen, Abstellen etc., sondern ermögliche auch einen differenzierten Übergang zur Straße hin. Angetan zeigten sich die Preisrichter auch von der Orientierung zum Außenraum – über den Eingangsbereich mit Foyer ebenso wie über die Balkone im Obergeschoss – sowie der Qualität der Innenräume.

Eine Anerkennung erhielten die tm.es Architekten aus Berlin, die einen mittig auf dem Grundstück verorteten Neubau präsentieren. Der dadurch entstehende Vorplatz schaffe eine geschützte Zugangssituation für die Kita; die verbleibende Frei- und Spielfläche würde jedoch eingeschränkt. Der Entwurf, so die Preisrichter, besteche insbesondere durch seine „übersichtlich(e)“ und „gut strukturiert(e)“ innere Organisation und die gelungene Anordnung der Gruppenräume, was die Orientierung der Kinder im Gebäude unterstütze.

Das Preisgericht empfahl einstimmig der Stadt Friedberg, die Umsetzung auf Grundlage der mit dem ersten Preis ausgezeichneten Arbeit zu realisieren.

Lena Pröhl