Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Projekt "Zeiteninsel", Weimar (Lahn)

Preisträger

1. Preis: Birk Heilmeyer und Frenzel Gesellschaft von Architekten, Stuttgart

€ 9.000 (netto)

Stephan Birk, Liza Heilmeyer, Martin Frenzel
Mitarbeit: Sophia Riehl
Fachberater: merz kley partner, Dornbirn (A), (Tragwerksplanung)
Studio Grijsbach, Bergisch-Gladbach (Freianlagen)

2. Preis: TRU Architekten - Töpfer, Bertuleit, Ruf, Lingens, Bauerfeind, v. Wedemeyer Partnerschaft mbB, Berlin

€ 6.000 (netto)

Henning von Wedemeyer
Mitarbeit: Marisa Horn
Fachberater: HOLZWARTH Landschaftsarchitektur, Gerd Holzwarth, Berlin
Mitarbeit: Philipp Rösner

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 01.06.2017
Ort Weimar (Lahn)
Auslober Gemeinde Weimar (Lahn)
Betreuung ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
Preisrichter Per Pedersen (Vorsitz), Oliver Kutsch, Till Schneider, Susanne Wartzeck, Gerhard Wittfeld, Kirsten Worms, Peter Eidam, Dr. Markus Morr, Dr. Richard Laufner

Auf den Spuren der Menschheitsgeschichte
Neubau eines Multifunktionsgebäudes für das Freilichtmuseum Zeiteninsel in Weimar (Lahn)

In Weimar (Lahn) wurden bei Bauarbeiten seit den 1990er Jahren immer wieder prähistorische Siedlungsreste gefunden. Um diese einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ist ein archäologisches Freilichtmuseum „Zeiteninsel“ geplant, das sich derzeit in der Entstehungs- und Aufbauphase befindet. Künftig soll es einen umfassenden und erlebnisorientierten Einblick in die verschiedenen Zeitepochen der Menschheitsgeschichte geben und als neuartige Bildungs-, Freizeit- und Forschungseinrichtung fungieren.

Ziel des nichtoffenen, von der Gemeinde Weimar (Lahn) ausgelobten Realisierungswettbewerbs war die Konzeption eines modernen Multifunktionsgebäudes am Eingang zum Freilichtmuseum. Der Funktionsbau soll gleichsam Auftakt und Finale des Besucherrundgangs bilden und Ticketschalter, Shop, kleine Cafeteria, Wartebereiche, sanitäre Einrichtungen, Multifunktionsraum für Veranstaltungen und kleinere Ausstellungen, Büros sowie eine Museumswerkstatt beherbergen. Besonderen Wert war dabei auf Barrierefreiheit zu legen. Betreut wurde das Verfahren von der ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH aus Kassel.

Unter den achtzehn eingereichten Arbeiten vergab das Preisgericht unter Vorsitz von Per Pedersen einstimmig einen ersten Preis an die Birk Heilmeyer und Frenzel Gesellschaft von Architekten aus Stuttgart sowie einen zweiten Preis an die TRU Architekten - Töpfer, Bertuleit, Ruf, Lingens, Bauerfeind, v. Wedemeyer Partnerschaft mbB aus Berlin.

Der Siegerentwurf sieht einen barrierefreien Gebäudekomplex mit zwei Flügeln vor, die wie Uhrzeiger in Richtung Besucherparkplatz sowie Zugang zur Museumsinsel weisen. Markant für den Entwurf sind die „einfachen repetitiven Konstruktionen und Materialien“; es wird vornehmlich Holz als Baustoff verwendet. Durch „geschickte Positionierung des Gebäudewinkels auf dem Grundstück“ entstehe ein großer Freibereich im Übergang zur Wasserfläche, lobte das Preisgericht. Angetan zeigte es sich auch von der „selbstverständliche(n) und selbst erklärende(n)“ Wegeführung in das Gebäude und auf die Zeiteninsel sowie dem großzügigen, überdachten Vorbereich. Der Ausgang hingegen müsse noch stärker akzentuiert werden. Im Inneren gelinge den Verfassern ein Zusammenspiel von Foyer und Multifunktionsraum. „Insgesamt“, so das Fazit der Preisrichter, „überzeugt die Arbeit auf ihre selbstverständliche und zugleich prägnante Art als hervorragende Antwort auf die gestellte Entwurfsaufgabe.“

Die Zweitplatzierten präsentieren einen z-förmigen, eingeschossigen Flachbau. Dieser stelle eine „zeichenhafte Landmarke“ dar, nicht zuletzt durch den signalhaften (Aussichts-)Turm, der einen „idealen Überblick über die Zeiteninsel“ biete und unabhängig vom Gebäude begangen werden kann. Auch die Wegführung und Raumorganisation überzeugten das Preisgericht: Der Neubau sei sinnhaft in die öffentlichen und nicht öffentlichen Bereiche gegliedert; das zentrale Foyer angemessen dimensioniert und erfülle seine Aufgabe als Schleuse in die Zeiteninsel. Die Materialität Holz sei zwar angemessen für die Einbettung in den landschaftlichen Kontext, wurde hinsichtlich des skulpturalen Ausdrucks des Gebäudes aber kontrovers diskutiert. Alles in allem biete der Entwurf einen „hohen Identifikationsgrad gepaart mit guter Funktionalität ohne der Zeiteninsel den Rang abzulaufen“, hieß es in der Urteilsbegründung.

Das Preisgericht empfahl einstimmig, die Verfasser der mit dem ersten Preis ausgezeichneten Arbeit zu beauftragen.

Lena Pröhl