Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

KunstRaum - Kunsthochschule, Kassel

Preisträger

1. Preis: Innauer-Matt Architekten ZT GmbH, Bezau (A)

€ 10.000 (netto)

Markus Innauer, Sven Matt
Mitarbeit: Tobias Franz, Wolfgang Schwarzmann, Nina Beck
Fachberater: merz kley partner ZT GmbH, Dornbirn (A)
Haustechnik: Planungsteam E-Plus GmbH, Egg (A)
Bauphysik: Günter Meusburger, Schwarzenberg (A)

2. Preis: Kuehn Malvezzi Associates GmbH, Berlin

€ 7.000 (netto)

Johannes Kuehn
Mitarbeit: Karin Fendt, Etienne Issa, Felix Spangenberg, Anna Schmitz
Fachberater:
Transsolar Energietechnik GmbH, Thomas Auer, Kristina Bomhard, Jessica Preuss, Stuttgart (Klima Engineering)
B + G Ingenieure Bollinger und Grohmann GmbH, Christoph Gengnagel, Matthias Keil, Berlin (Tragwerksplanung)
Clemens Beutler - Beratender Ingenieur für Versorgungstechnik, Berlin (Haustechnik)
ARUP, Barbara Schmelz, Berlin (Brandschutz)

3. Preis: TRU Architekten - Töpfer, Bertuleit, Ruf, Lingens, Bauerfeind, v. Wedemeyer Partnerschaft mbB, Berlin

€ 3.000 (netto)

Henning von Wedemeyer
Mitarbeit: Irina Nitzsche

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb, mit vorgeschalteten Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 31.05.2017
Ort Kassel
Auslober Universität Kassel
Betreuung ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
Preisrichter Prof. Gesche Grabenhorst (Vorsitz), Christof Nolda, Prof. Philipp Oswalt, Prof. Per Pedersen, Thorsten Schmidt, Prof. Joel Baumann, Prof. Dr. Reiner Finkeldey/Dr. Oliver Fromm, Prof. Peter Racky, Guido Brennert

KunstRaum
Erweiterung der Kunsthochschule Kassel durch den Neubau einer Halle

Kassel nimmt innerhalb der Kultur- und Wissenschaftslandschaft eine zentrale Stellung ein und ist nicht zuletzt als Austragungsort der documenta weithin bekannt. Auch die Kunsthochschule Kassel (KHK), deren Wurzeln bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts reichen, ist überregional bekannt. Sie besitzt nicht nur Universitätsstatus, sondern zählt heute zu den wenigen international orientierten Kunsthochschulen, die wissenschaftliche, künstlerische und kunstpädagogische Studiengänge zusammenbringen. Derzeit sind rund 1.000 Studierende in einem der Studiengänge Bildende Kunst, Kunstpädagogik, Kunstwissenschaft, Produktdesign oder Visuelle Kommunikation eingeschrieben. Da die denkmalgeschützten Bestandsgebäude den Anforderungen an einen modernen, multifunktionalen Arbeits- und Ausstellungsraum nicht mehr genügen und angesichts steigender Studierendenzahlen zusätzliche Arbeitsplätze benötigt werden, soll nun eine neue Halle errichtet werden. 

Vorschläge für eine solche Halle, die sowohl als Ausstellungsort als auch zur Herstellung von großformatigen Kunstwerken genutzt werden kann, sollte nun ein Wettbewerb liefern, den die Universität Kassel unter dem unter Arbeitstitel ‚KunstRaum‘ ausgelobt hatte. Gewünscht war eine eingeschossige Halle mit 600 m² Nutzfläche im Innenhof des Nordflügels der Kunsthochschule, die sich in das denkmalgeschützte Umfeld einpasst, zugleich aber auch einen eigenständigen, zeitgemäßen architektonischen Ausdruck erhält. Die Halle soll mit integrierten, mobilen Trennwänden in zwei gleich große Segmente zu trennen sein und über die ‚Ostumfahrung’ der Bibliothek erschlossen werden. Darüber hinaus ist der Bereich Cafeteria/Küche um eine größere Essensausgabe sowie Produktions-/ Lagerräume zu erweitern. Betreut wurde das Verfahren vom ortsansässigen Büro ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH.

Auf Platz eins landete der „sehr schlüssig(e)“ Entwurf der Innauer-Matt Architekten ZT GmbH aus Bezau in Österreich. Dieser schlägt einen langrechteckigen Baukörper vor, der „qualitätsvolle, (…) gut definierte Außenräume zwischen Bestandsgebäude und neuem Kunstraum“ schaffe: Einen Grünraum auf der Nord-Ost-Seite sowie einen Vorplatz auf der Süd-West-Seite. Hier liegt auch der Eingang, der die Besucher aus den drei möglichen Hauptrichtungen, Laubengang, ‚neuer‘ Mensaausgang und Karlsaue empfängt. Besonders würdigten die Preisrichter die „subtile(n) Bezüge“ zu den Bestandsgebäuden von Paul Friedrich Posenenske aus den 1960er Jahren, u.a. die überall sichtbare, vom Tragwerk klar gegliederte, Gebäudestruktur. Positiv bewerteten sie zudem die Fassadengestaltung mit Verdunklungsmöglichkeiten, die Grundbelichtung durch, im oberen Wandbereich angeordnete Tageslichtlinsen sowie die innere Struktur mit diversen Nutzungsvarianten. Der Entwurf sei durch eine weitgehend mögliche Vorfertigung bereits in kurzer Bauzeit zu realisieren und verspreche eine „sehr positiv(e)“ energetische Gesamtbilanz, so das Fazit des Preisgerichts.

Die mit dem zweiten Platz bedachte Kuehn Malvezzi Associates GmbH aus Berlin präsentiert einen „gut platziert(en) und proportioniert(en)“ Neubau, der sich als eigenständige Ergänzung des Ensembles versteht, den Bestand nicht verändert, aber auf ihn Bezug nimmt. Vor allem „die Zwischenräume mit den gefalteten und teilweise geöffneten Fassaden entwickeln einen Dialog mit dem Bestand und führen die Idee des Konzeptes von Posenenske in der Verknüpfung von Architektur und Außenraum fort“, lobten die Preisrichter. Der Haupteingang orientiert sich zum Vorplatz von Aula/Mensa. Der Innenraum ist eine großzügige Halle, die eine flexible Nutzung ermögliche und nicht zuletzt durch die vorgesehenen Wandflächen für Ausstellungszwecke gut geeignet sei. Die Verdunkelung der Fassade durch Aufstellen von Trennwänden sei wenig praktikabel und daher zu überdenken, so die Preisrichter.

Der Entwurf der drittplatzierten TRU Architekten - Töpfer, Bertuleit, Ruf, Lingens, Bauerfeind, v. Wedemeyer Partnerschaft mbB aus Berlin greife die Konstruktionsideen des Altbaus in zeitgemäßer Form auf, urteilte das Preisgericht. Die barrierefreie Erschließung auf dem Niveau der Laubengänge konnte ebenso überzeugen wie die Andienung und der quadratische Raumzuschnitt, der viele Vorzüge einer flexiblen Nutzung biete. Die vorgeschlagene Ganzglasfassade  wurde jedoch unter energetischen und funktionalen Aspekten kritisch gesehen.

Das Preisgericht, dem Prof. Gesche Grabenhorst aus Hannover vorsaß, empfahl einstimmig die Verfasser der mit dem ersten Preis ausgezeichneten Arbeit mit der weiteren Bearbeitung zu beauftragen.

Lena Pröhl