Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau Familienzentrum Obertshausen

Preisträger

1. Preis: Bau Eins Architekten, Kaiserslautern

€ 13.500 (netto)

Denis Andernach, Nicolas Bahnemann
Mitarbeit: Andrea Rappold
Fachberater: Jan Schmitt, IG-Bauplan, Kaiserslautern (Brandschutz)

2. Preis: Michael Thillmann (Thillmann Architekten), Koblenz

€ 8.000 (netto)

Michael Thillmann
Mitarbeit: Fabian Thillmann, Michael Meier

3. Preis: bauquadrat, Michelstadt

€ 4.000 (netto)

Jens Jung
Mitarbeit: Ruben Strater

4. Preis: Henriette Kienitz (KiS Architektur), Hamburg

€ 2.000 (netto)

Henriette Kienitz
Mitarbeit: Katharina Schommer

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschalteten Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 25.02.2017
Ort Obertshausen
Auslober Stadt Obertshausen
Betreuung KOKONSULT, Frankfurt/Main, mit Drees & Sommer GmbH, Frankfurt/Main
Preisrichter Nikolaus Kränzle (Vorsitz), Cornelia Holler, Karin Begher, Roger Winter, Michael Möser

Ein Haus für Jung und Alt
Neubau Familienzentrum Obertshausen

Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen ist nicht immer einfach. Die südhessische Stadt Obertshausen will mit dem Bau eines Familienzentrums Abhilfe schaffen. Neben der Erweiterung von Betreuungsplätzen soll das Familienzentrum aber auch das Netzwerk innerhalb des Stadtgebietes erweitern und Schule, Vereine und Betreuung in einer Art Knotenpunkt zusammenzuführen.

Konkrete Vorschläge für die Errichtung des Familienzentrums in der Vogelsbergstraße in unmittelbarer Nähe zur Sonnentauschule, der Kita Vogelsbergstraße und dem Alten- und Pflegeheim Haus Jona lieferte nun ein Realisierungswettbewerb, den die Frankfurter Büros KOKONSULT und Drees & Sommer GmbH betreuten. Gewünscht war ein Multifunktionsbau mit fünf verschiedenen Bereichen, deren Nutzungsmöglichkeiten flexibel ineinander übergehen, gleichzeitig aber auch unabhängig voneinander funktionieren sollen. Im ersten Bauabschnitt sollen die Bereiche Mensa Sonnentauschule (1), Familienverein Tausendfüßler e.V. als Begegnungsstätte zwischen Jung und Alt (3), U3-Betreuung bestehend aus 3 Gruppen á 12 Kindern (4) sowie Haupteingang inkl. Spielplatz, Terrasse sowie Stellplätzen umgesetzt werden; im zweiten Bauabschnitt, der möglicherweise später realisiert werden soll, dann die Bereiche Vereinsräume (5) und Nachmittagsbetreuung Sonnentauschule (2). Dabei sollen die für die Sonnentauschüler vorgesehenen Räumlichkeiten direkt an die Schule angebunden und klar von den restlichen Bereichen getrennt sein. 25 Büros waren eingeladen, ihre Ideen einzureichen.

Den Wettbewerb für sich entschieden die Bau Eins Architekten aus Kaiserslautern, deren kompakter, rechteckiger Stahlbetonbau im östlichen Grundstücksteil „offen und einladend nach Außen und im Inneren“ wirke, so die Preisrichter. Der multifunktionale Anspruch werde „sehr gut“ umgesetzt, zumal die verschiedenen Nutzungsbereiche klar voneinander getrennt seien. Über die beiden innenliegenden grünen Innenhöfe und die großzügigen Foyers und Flurbereiche würden diese zugleich Kontakt zueinander aufnehmen. Besonders angetan war das Preisgericht vom Wohnzimmer des Familienvereins im Erdgeschoss, der den offenen Ansatz des Zentrums „hervorragend“ nach Außen präsentiere. Auch der „gut organisiert(e)“ U3-Bereich, sowie die der Schule räumlich zugewandte Mensa und Nachmittagsbetreuung konnten überzeugen.

Auf dem zweiten Platz landete der Koblenzer Architekt Michael Thillmann. Dieser schlägt einen Gebäudekomplex aus ein- und zweigeschossigen Baukörpern mit Flachdächern im Südosten des Grundstückes vor, der gebäudemittig von der Vogelsbergstraße aus erschlossen wird. Der Entwurf folgt dem Gestaltungsprinzip einer windmühlenartigen Aufteilung der vier Nutzungsbereiche (Mensa, Familienverein Tausendfüßler e.V., U3-Betreuung, Nachmittagsbetreuung/Vereine). Dies trage zu einer „effektiven und harmonischen Wegeführung“ bei, lobten die Preisrichter. Die dazwischen angeordneten Freiflächen dienen als Spielflächen oder Terrassen. Besonders positiv bewerteten sie zudem das Foyer, welches mit einer Freitreppe und einer Galerie eine „ideale Verteilerzone für die vielfältige Nutzung des Gebäudes“ bilde.

Mit dem dritten Preis würdigte das Preisgericht die Arbeit von bauquadrat aus Michelstadt: Das rechteckige ein- bis zweigeschossige Gebäude in Holzkonstruktion entlang der Vogelsbergstraße bilde eine „starke Form, die in den Stadtraum wirkt“, hieß es in der Urteilsbegründung. Zudem biete der großzügige Vorplatz Raum für Begegnung und Aufenthalt. Durch den mittigen Eingang werden alle Bereiche erschlossen, die Kleinkindbetreuung mit hellen Gruppenräumen und großem Außenbereich links, der zur Schule gewandte Mensabereich rechts. Auf das „offene Wohnzimmer“ des Familienvereins geht man direkt zu, ein zentraler Patio gebe dem Ganzen Licht und Orientierung.

Der vierte Preis ging an die Hamburger Architektin Henriette Kienitz, deren Arbeit einen Massivbau mit Ziegelfassade im nordwestlichen Bereich des Grundstücks vorsieht. Als „gut gelöst“ erachteten die Preisrichter vor allem den U3-Bereich mit Spielgarten, sowie das Wohnzimmer des Familienvereins mit vorgelagerter Terrasse. Insgesamt werde die Funktion des Zentrums nach außen hin jedoch noch nicht deutlich genug sichtbar.

Das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Nikolaus Kränzle aus Karlsruhe empfahl der Stadt Obertshausen einstimmig, den Verfasser des ersten Preises mit der weiteren Bearbeitung der Planungs- und Bauaufgabe zu beauftragen.

Lena Pröhl