Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Nordweststadt, Frankfurt/ Main

Preisträger

1. Preis: ANNABAU, Berlin

€ 26.000

Sofia Petersson, Moritz Schloten
Mitarbeit: Inga Anger, Coline Giardi, Thordis Jónsdóttir

2. Preis: jbbug – johannes böttger büro urbane gestalt, Köln, mit CITYFÖRSTER Partnerschaft Architekten, Ingenieure und Stadtplaner, Hannover

€ 18.000

Johannes Böttger, Oliver Seidel
Mitarbeit: Meltem Sentürk, Masashi Nakamura, Verena Brehm, Christian T. Alles

3. Preis: Prof. Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten GmbH, Berlin, mit Jo. Franzke Architekten, Frankfurt

€ 14.000

Prof. Rainer Schmidt, Joachim Franzke
Mitarbeit: Frank Kiessling, Claudia Stolte, Norma Oder, Dieter Adelberger, David Sauerwein
Fachberater: Durth+Roos Consultung GmbH, Hans-Joachim Fischer, Darmstadt

4. Preis: RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten, Bonn, mit rheinflügel severin, Düsseldorf und Niemann + Steege Gesellschaft für Stadtentwicklung Stadtplanung Städtebau Städtebaurecht mbH, Düsseldorf

€ 10.000

Stephan Lenz, Björn Severin, Bohong Min, Jan Stöfer
Mitarbeit: Martin Grzonka, Adeline Finez, Katharina Thoma, Jan Ebel, Jian Hui, Alexandra Mukovozova, Niklas Förstemann
Fachberater: Lindschulte & Kloppe GmbH, Düsseldorf (Verkehrsplanung)

Anerkennung: foundation 5+ landschaftsarchitekten, Kassel

€ 4.000

Hans-Peter Rohler, Matthias Foitzik
Mitarbeit: Michael Herz, Janine Rincke, Yunbo Yang, Philipp Krebs, Daniel Spies, Moritz Rumpf

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Interdisziplinäre Wettbewerbe
Wettbewerbsform Offener, zweiphasiger Ideenwettbewerb
Preisgerichtssitzung 20.05.2011
Ort Frankfurt/Main
Auslober Stadt Frankfurt/Main
Betreuung ANP – Architektur- und Planungsgesellschaft, Kassel
Preisrichter Prof. Thomas Dilger, Prof. Dr. Werner Durth (Vorsitz), Prof. Undine Giseke, Prof. Cornelia Bott, Prof. Ernst Ulrich Scheffler / Klaus Oesterling, Martin Oster, Prof. Engelbert Lütke Daldrup, Edwin Schwarz, Ulrich Baier, Christiane Schubring, Michael Haack

Grüne Hofinseln 
Offener interdisziplinärer zweiphasiger Ideenwettbewerb für die Nordweststadt Frankfurt

Die Nordweststadt, erbaut in den 1960er Jahren acht Kilometer entfernt von der Innenstadt Frankfurt am Main, gilt als gut erschlossene, grüne Großsiedlung mit knapp 8.000 Wohnungen. Prägend für das Wohngebiet sind die großen Grünflächen, die getrennte Führung von Fuß- und Fahrverkehr sowie großzügige Abstände zwischen den Häusern. Letztere wiederum bieten eine Vielfalt an Wohnungs- und Haustypen: Einfamilien-, Reihen-, Mehrfamilien- und Hochhäuser. Doch auch wenn dieser Stadtteil ein beliebter und lebenswerter Wohnort ist, so sind inzwischen Anpassungen an die geänderten Anforderungen ans Wohnen und ans Wohnumfeld nötig geworden.

Um die Nordweststadt nun „behutsam weiter zu entwickeln“, hatte das Stadtplanungsamt der Stadt Frankfurt am Main einen offenen, zweiphasigen interdisziplinären Wettbewerb ausgelobt. Vorbesprechungen dazu führten Gesine Ludwig vom Referat Wettbewerbe sowie Stefan Rausch-Böhm vom Landeswettbewerbs- und Vergabeausschuss der AKH mit dem Stadtplanungsamt in Frankfurt. Betreut wurde das Verfahren vom Büro ANP – Architektur und Planungsgesellschaft GmbH aus Kassel. Erklärtes Planungsgebiet war ein für die bestehende Nordweststadt typischer Siedlungsteil sowie ein angrenzendes Gebiet jenseits der heutigen Bebauungszone für die Siedlungserweiterung. Im Bestand sollten die öffentlichen und privaten Freiflächen aufgewertet und ebenso wie der ruhende Verkehr neu geordnet werden. Ferner waren Ideen gefragt für die Vitalisierung des bestehenden „Kleinen Zentrums“, für eine neue Wegeführung und damit verbesserte Orientierung im Stadtteil sowie Vorschläge für die Bestandsverdichtung und für die Siedlungserweiterung.

Aus den 43 in der ersten Phase des Ideenwettbewerbes eingereichten Arbeiten wählte das Preisgericht, dem Prof. Werner Durth vorsaß, 18 Entwürfe für die weitere Überarbeitung und Konkretisierung aus. Unter diesen vergab es nach der zweiten Phase vier Preise sowie drei Anerkennungen. Die vier Preisträger vereint die Grundidee: die Schaffung eher persönlicher Wohnhöfe – mit privatem Grün in Form von Mietergärten sowie gemeinschaftlich genutzten Freiflächen.

Der erste Preis ging einstimmig an das Berliner Büro Annabau, das die Qualitäten der Nordweststadt konsequent fortentwickle und „manchen akuten Mangel“ beseitige. Klar in „private“ Wohnhöfe und öffentliche Parklandschaft gegliederte Freiräume prägen den Entwurf. Kleine, ergänzende Wohnzeilen sollen den Charakter der Wohnhöfe stärken. Für das „Kleine Zentrum“ wird – mit Ausnahme der Kirche – der Rückbau und eine Neubebauung vorgesehen. Geplant werden die Verbindung des Martin-Luther-King-Parks mit dem inneren Grünring und für die Erweiterungsfläche „Hofinseln“, die die städtebauliche Grundstruktur „Hof und umgebender Freiraum“ aufgreifen.

Die mit dem zweiten Preis bedachte Arbeit von jbbug – johannes böttger büro urbane gestalt aus Köln mit CITYFÖRSTER Partnerschaft Architekten, Ingenieure und Stadtplaner aus Hannover verzichtete auf das Potential einer möglichen baulichen Verdichtung. Vielmehr stärkten die „minimale Eingriffe in den Freiraum“ die städtebauliche Grundstruktur und signalisierten einen „Aufbruch“, so die Preisrichter.

Jo. Franzke Architekten, Frankfurt am Main mit Prof. Rainer Schmidt Landschaftsarchitekt GmbH, Berlin landeten auf Platz drei. Die vorgeschlagenen „orthogonalen Hofstrukturen in der umgebenden ‚freien‘ Landschaft“ seien nach Ansicht der Preisrichter auf aktuelle Wohnbedürfnisse zugeschnitten. Die für das „Kleine Zentrum“ vorgesehene Neubebauung- und -ordnung stelle einen „urbanen Kontrapunkt zu den sonst fließenden Freiflächen“ dar.

Platz vier fiel an die Arbeit von rheinflügel severin mit Niemann + Steege Gesellschaft für Stadtentwicklung Stadtplanung Städtebau Städtebaurecht mbH (beide Düsseldorf) und RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten GmbH, Bonn. Diese verstärkten die typische Hofbildung „durch eine, gegenüber dem Bestand angemessene Nachverdichtung und benutzerfreundliche Gestaltung der Innenbereiche“. Das „Kleine Zentrum“ soll seine Kleinteiligkeit behalten und durch einen „angenehm dimensionierten Marktplatz“ ergänzt werden.

Die prämierten Ergebnisse zeigen, dass die Bewohner der Nordweststadt kein vollständiges „Umkrempeln“ ihres Wohngebietes fürchten, jedoch einige Veränderungen hinnehmen müssten, die gleichwohl Verbesserungen für ihr direktes Wohnumfeld erwarten lassen.