Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau Studierendenhaus Hochschule Darmstadt

Preisträger

1. Preis: Glück + Partner GmbH Freie Architekten, Stuttgart

€ 28.000 (netto)

Eckart Mauch, Martin Ritz
Mitarbeit: Pablo Jose Perez Mico
Fachberater: Adel Makram (Modellbau)
Katja Ilsche (Küchenplanung)

2. Preis: Bez + Kock Architekten Generalplaner GmbH, Stuttgart

€ 18.000 (netto)

Martin Bez, Thorsten Kock
Mitarbeit: Gudrun Keller, Jan Elsenhans
Fachberater: renderbar, Jörg Röhrich, Stuttgart (Rendering)
Boris Degen, Esslingen (Modellbau)

3. Preis: v-architekten GmbH, Köln

€ 10.000 (netto)

Tim Denninger, Jan Hertel, Markus Kilian, Diana Reichle, Michael Scholz
Mitarbeit: Lorena Castell Allegria, Kasia Osiecka

Anerkennung: Nickl & Partner Architekten AG, München

€ 4.000 (netto)

Prof. Hans Nickl, Prof. Christine Nickl-Weller
Mitarbeit: Arina Agieieva, Dominika Ranosz, Anna-Lea Boé

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener, einphasiger Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 31.03.2017
Ort Darmstadt
Auslober Land Hessen
Betreuung ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
Preisrichter Prof. Helmut Kleine-Kraneburg (Vorsitz), Prof. Henning Baurmann, Barbara Henrich, Monika Weber-Pahl, Prof. Jürgen J. Hauck, Guido Brennert, Jochen Krehbiehl, Thorsten Schmidt, Prof. Dr. Ralph Stengler

Ein unprätentiöses, glaubwürdiges und zugleich deutliches Erscheinungsbild
Neubau Studierendenhaus Hochschule Darmstadt

Die Hochschule Darmstadt platzt aus allen Nähten. Ende 2017 wird sich die Situation noch verschärfen. Denn da läuft ein Pachtvertrag mit dem Darmstädter Echo aus und das dort genutzte Container­gebäude mit insgesamt 11 Räumen und 105 Plätzen steht nicht mehr zur Verfügung. Zudem steigt mit der Zahl der Studierenden und der wachsenden Heterogenität der Studienanfänger und -bewerber der Bedarf an Beratungs- und Unterstützungsleistung. Der Neubau eines Studierendenhauses soll hier Abhilfe schaffen.

Zu diesem Zweck hat das Land Hessen in Abstimmung mit der Hochschule Darmstadt einen nichtoffenen, einphasigen Wettbewerb ausgelobt, der vom Kasseler Büro ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH betreut wurde. Das neue Studierendenhaus soll im Nordosten des Campus Schöfferstraße errichtet werden, auf einer Fläche, die derzeit Teil eines Parkplatzes ist. Im Neubau sollen Seminarräume, ein Lernzentrum mit Familienraum, eine Mensa, studiennahe Serviceeinrichtungen, Prüfungsamt, Career Center, International Office, das Sprachenzentrum und der ASTA Platz finden. Zudem sind 93 Stellplätze in einer maxi­mal 2-geschossigen Tiefgarage unter dem Gebäude sowie ausreichend Fahrradabstellplätze nachzuweisen. Neben den funktionalen Anforderungen soll der Neubau auch eine überzeugende städtebauliche und gestalterische Ergänzung des bestehenden Hochschulensembles bilden und denkmalgeschützte Elemente wie den Laubengang und die Außenanlage berücksichtigen. Das Preisgericht, unter Vorsitz von Prof. Helmut Kleine-Kraneburg aus Frankfurt, vergab unter den siebzehn eingereichten Arbeiten einstimmig drei Preise und eine Anerkennung.

Der erste Preis ging an die Glück + Partner GmbH Freie Architekten aus Stuttgart. Ihr Modell sieht einen fünfgeschossigen Kubus mit einem großzügigen, nach oben geöffneten Innenhof vor, der für Licht, Luft und Orientierung sorgt. Von der nördlichen Grundstücksgrenze abrückt greift das Gebäude die Achsen des neuen Institutsgebäudes auf. Dadurch entstünden klar gefasste Außenräume, die geschickt miteinander verwoben sind, so die Preisrichter. Der Haupteingang ist nach Westen ausgerichtet und in Beziehung zum Campus gesetzt. Der Laubengang wurde im Osten gekappt, sodass sich so eine Öffnung nach Norden in den Stadtraum ergibt. Die klare Skelettfassade mit hellen Metallpaneelen verleihe dem Gebäude ein „unprätentiöses, glaubwürdiges und zugleich deutliches Erscheinungsbild, das dem Campus einen adäquaten Auftritt im Stadtbild bietet“, lobten die Preisrichter. Auch der „aufgeräumte und übersichtliche Grundriss“ sowie die hohen innenräumlichen Qualitäten überzeugten.

Den zweiten Platz sicherten sich die Bez + Kock Architekten Generalplaner GmbH aus Stuttgart. Die Verfasser präsentieren einen viergeschossigen Neubau, dessen erstes und drittes Obergeschoss jeweils leicht in Nord- und Südrichtung auskragen. Das Gebäude besitzt eine gläserne Sockelzone und wird im Norden und Süden von großen liegenden Fensterformaten geprägt. Im Osten und Westen zeigt es sich zwar eher geschlossen (Lochfassade), bricht jedoch mit dem spielerischen Einsatz kleiner Öffnungen die vermeintliche Strenge. Vor allem der weitgehend symmetrische Grundriss, der eine gute Orientierung sowie ein hohes Maß an Flexibilität biete, konnte überzeugen, ebenso wie der umsichtige Umgang mit dem Laubengang. Dieser führt geradewegs zur Mensa und fungiere als bindendes Element zum Außenraum.

Die mit dem dritten Preis bedachte v-architekten GmbH aus Köln schlägt einen fünfgeschossigen Kubus in der nordöstlichen Grundstücksecke vor. Vom Laubengang aus gelangt der Besucher in ein „großzügiges, offenes und einladendes Foyer“; ein zweiter Eingang ist nach Süden ausgerichtet. Der Baukörper baut auf einem „klaren und robusten Sockel“ auf. Nach oben ist das Gebäude mit einer beweglichen Lamellenfassade umhüllt. Die Fassade vermittele Ruhe, wenngleich nicht ganz die gewünschte Markanz, so das Urteil der Preisrichter. Ferner lobten sie den gut gestalteten Freiraum, die räumlich versetzten Luft- und Lichträume im Inneren mit spannungsreichen Blickbeziehungen sowie den übersichtlich organisierten Grundriss. Dieser biete eine flexible Nutzungsverteilung und stelle somit ein zukunftsoffenes Konzept für spätere Anpassungsbedarfe dar.

Eine Anerkennung erhielt die Nickl & Partner Architekten AG aus München für ihr fünfgeschossiges, rechteckiges Glashaus mit großzügigem Innenhof, dem die Preisrichter „einen gewissen Charme“ attestieren.

Das Preisgericht sah bei allen prämierten Arbeiten Nachbesserungsbedarf im Bereich Brandschutz, teilweise auch im Bereich Barrierefreiheit und empfahl nach intensiver Diskussion einstimmig, die Verfasser der mit dem ersten Preis ausgezeichneten Arbeit mit der weiteren Bearbeitung zu beauftragen.

Lena Pröhl