Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau Lichtbergschule, Eiterfeld

Preisträger

1. Preis: trapp wagner Architekten und Ingenieure GbR, Hünfeld, mit Elmar Herget Landschaft - Freiraum - Verkehr, Eichenzell

€ 35.000 (netto)

Stefan Wagner, Carsten Trapp, Elmar Herget
Mitarbeit: Marc Ebersberger, Stephanie Winter, Johannes Raible, Martin Dorn, Kristine Schmitt

3. Preis: Kohlmayer Oberst Architekten GbR, Stuttgart, mit Planungsgemeinschaft für Landschaftsarchitektur, Markus Herthneck, Stuttgart

€ 15.000 (netto)

Regina Kohlmayer, Prof. Jens Oberst, Markus Herthneck

3. Preis: Käppel+Klieber Freie Architekten GbR, mit frei raum concept Landschaftsarchitekten GbR, Stuttgart

€ 15.000 (netto)

Prof. Sibylle Käppel-Klieber, Annette Sinz-Beerstecher, Götz Klieber, Christian Böpple
Mitarbeit: LeTrang Nguyen MEng (IMLA)

Anerkennung: schönherr + juli architekten, Fulda, mit GTL Gnüchtel Triebswetter Landschaftsarchitekten GbR, Kassel

€ 5.000 (netto)

Gabriele Schönherr-Juli, Jürgen Juli, Michael Triebswetter
Mitarbeit: Kerstin Heim, Giulia Casolla

Preisgerichtsentscheidung liegt vor.
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Einphasiger, nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Auswahlverfahren
Preisgerichtssitzung 17.03.2017
Ort Eiterfeld
Auslober Landkreis Fulda, Fachdienst Gebäudemanagement
Betreuung Büro Carsten Wienröder Stadt Land Regional, Eichenzell
Preisrichter Prof. Alexander Reichel (Vorsitz), Marcus Hille, Wolfgang Schück, Bernd Woide, Jürgen Obermeier

Wohlfühlschule
Neubau der Lichtbergschule in Eiterfeld

Vor rund 45 Jahren wurde die Lichtbergschule im osthessischen Eiterfeld gebaut. Nun soll sie abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Denn bei turnusmäßigen Überprüfungen waren erhebliche Mängel an der Bausubstanz festgestellt worden. Diese gehen auf den Chlorid-haltigen Werra-Kies in den Wänden zurück, der mittlerweile das Bewehrungsstahl angegriffen hat.

Für die Gestaltung des neuen Hauptgebäudes der Lichtbergschule hat der Landkreis Fulda europaweit einen einphasigen, nichtoffenen Wettbewerb mit vorgeschaltetem Auswahlverfahren ausgeschrieben, der vom Eichenzeller Büro Carsten Wienröder Stadt Land Regional betreut wurde. Gemeinsam mit der Schulgemeinde war im Vorfeld ein nachhaltiges Raum- und Funktionsprogramm entwickelt worden: Die rund 550 Schüler der kooperativen Gesamtschule sollten in den einzelnen Jahrgängen 5- oder 6-zügig organisiert werden. Dabei war jedes Jahrgangscluster mit Sanitäranlagen, Klassenräumen mit mindestens 65 m² sowie einer gemeinsamen Mitte zu versehen, die sowohl für Präsentationen, Kleingruppenarbeit, individuelles wie klassenübergreifendes Arbeiten aber auch als Rückzugsmöglichkeit genutzt werden kann. Zudem sollte eine Landschafts- und Freiraumplanung für das gesamte Schulgelände vorgelegt werden. Übergeordnetes Ziel war es, eine „Wohlfühlschule“ zu konzipieren, die modernen, pädagogischen Konzepten genügt.  

Am besten gelungen ist dies der trapp wagner Architekten und Ingenieure GbR in Zusammenarbeit mit Elmar Herget Landschaft - Freiraum - Verkehr, die sich als Sieger durchsetzte. 93 Büros hatten sich beim Wettbewerb beworben; nach Auswahl nahmen schließlich 18 teil. Das Architekturbüro aus Hünfeld schlägt einen Gebäudekomplex mit kleinteiliger Kammstruktur vor. Das Preisgericht, in dem auch Landrat Bernd Woide vertreten war, würdigte insbesondere die gelungene Setzung des Gebäudes. Dieses füge sich „sensibel und selbstverständlich gemäß den topographischen Gegebenheiten in den Landschaftskontext ein.“ Denn die Höhenstaffelung der einzelnen Cluster orientiert sich am natürlichen Verlauf des Geländes, das von Ost nach West um fast 10 Meter abfällt und dadurch eine natürliche Belichtung der Klassenräume sowie weite Ausblicke in die Landschaft ermöglicht. Zentrum des Gebäudeensembles ist der gemeinsame Schulhof von Grund- und Gesamtschule, um den sich u-förmig die Magistrale legt. Neben der „großzügige(n) Zugangssituation“ konnten auch der „vielgestaltige und flexibel nutzbare Aula- und Mensabreich“ sowie die Lage der Cafeteria überzeugen.

Die Preisrichter konnten sich nicht auf einen zweiten Preis verständigen konnten und vergaben stattdessen zwei dritte Preise. Einer ging an die Kohlmayer Oberst Architekten GbR in Zusammenarbeit mit der Planungsgemeinschaft für Landschaftsarchitektur, beide aus Stuttgart, deren kleinteiliger Entwurf sich gut in die Umgebung und Topografie einfüge. Über einen überdachten Eingangsbereich erreicht man das Sockelgeschoss, in dem alle Gemeinschaftsfunktionen wie Pausenhalle, Aula und Mensa angeordnet sind. Darüber liegt der zweigeschossige Klassentrakt, der in drei Flügeln organisiert ist. „Mit der gewählten Gebäudefigur ergeben sich neue gegliederte Außenräume, die sich gut mit dem bestehenden Schulhof und den Sportanlagen verbinden“, lobte das Preisgericht.

Ebenfalls mit einem dritten Preis wurde die Käppel+Klieber Freie Architekten GbR in Zusammenarbeit mit der frei raum concept Landschaftsarchitekten GbR ausgezeichnet. Die Verfasser präsentieren ein in Ost-West-Richtung verlaufendes Ensemble aus Einzelbaukörpern. Markant für den Entwurf sind die drei zweigeschossigen Pavillonbauten für die einzelnen Lehrbereiche. Sie ruhen auf dem begrünten Dach über dem Erdgeschoss, in dem die Verwaltung und Gemeinschaftsbereiche verortet sind: Das Herz der Schule bilden Aula und Pausenhalle mit angeschlossener Cafeteria, Mensa sowie vorgelagerter Terrasse. Durch Öffnung in westlicher Richtung werden hier vielfältige Blicke in die Landschaft geboten.

Eine Anerkennung ging an die schönherr + juli architekten aus Fulda mit der GTL Gnüchtel Triebswetter Landschaftsarchitekten GbR aus Kassel für ihren „interessanten, kraftvollen Ansatz“.

Das Preisgericht, dem Prof. Alexander Reichel vorsaß, empfahl dem Auslober einstimmig, den ersten Preisträger zu beauftragen. Die Bauarbeiten werden während des Schulbetriebes ausgeführt, die Fertigstellung soll bis 2020 erfolgen.

Lena Pröhl