Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Investorenwettbewerb Wohngebiet "Am Speierling" in Langen

Preisträger

2. Preis: Zaeske und Partner Architekten, Wiesbaden

€ 11.440 (netto)

Jeremy Francis Würtz
Mitarbeit: Marcello Chiaramonte, Florian Trüstedt, Andreas Daleiden
Fachberater: plan°D Ingenieure & Landschaftsarchitekten, Dirk Désor, Wiesbaden

2. Preis: AS+P Albert Speer + Partner GmbH, Frankfurt/Main

€ 11.440 (netto)

Axel Bienhaus, Albert Speer
Mitarbeit: Martin Teigeler, Juliane Wittmann, Thomas Kila, Christian Roth, Tony O`Connor, Florian Gieding
Fachberater: Ingenieurbüro Baumgartner, Haustechnik, Entwässerungskonzept, Energiekonzept
bauart Konstruktions GmbH & Co. KG Tragwerksplanung, PHPP, Darmstadt

3. Preis: Kohl & Fromme Architekten Partnerschaft, Duisburg

€ 5.720 (netto)

Hinrich Fromme
Mitarbeit: Julia Schneider, Sarah, Gertitschke, Tino Flohe, Bozo Medic, Bijan Gies, Christian Kohl

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Interdisziplinäre Wettbewerbe
Wettbewerbsform Einstufiger, nichtoffener städtebaulicher und hochbaulicher Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem EWR-weitem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 23.01.2017
Ort Langen
Auslober Magistrat der Stadt Langen
Betreuung PlanES, Gießen
Preisrichter Prof. Michael Schumacher (Vorsitz), Claudia Becker, Stephanie Wellnitz, Kay Wilisch, Bernd Freihaut, Sibylle Waechter, Frieder Gebhardt, Stefan Löbig, Carsten Weise, Rudolf Sehring, Helga Uhl

Moderne Architektur, hohe Lebensqualität und eine Top-Lage
Neues Wohngebiet „Am Speierling“ auf dem Steinberg in Langen

Um den steigenden Bedarf an Wohnraum zu decken, will die südhessische Stadt Langen auf dem Steinberg das neue Wohnquartier „Am Speierling“ verwirklichen. Das knapp 7.000 Quadratmeter große Areal zwischen Konrad-Adenauer-Straße, Schleifweg und Sonnenhang lag bisher in einer Art Dornröschenschlaf. Das soll sich nun ändern.

Zur Entwicklung des Areals, das sich zu 75 Prozent in kommunaler Hand befindet, wich die Stadtverwaltung vom herkömmlich Weg – Ausschreibung, Verkauf an den Meistbietenden – ab und lobte einen Investorenwettbewerb aus, zu dem zehn Bewerbergemeinschaften aus Investoren und Architekten zugelassen waren. Konkretes Ziel des vom Plan.ES aus Gießen betreuten Wettbewerbs war die Entwicklung eines neuen, durchgrünten Wohngebiets mit überwiegendem Geschosswohnungsbau. Neben Vorschlägen für die Erschließung, die Verkehrs- und Wegeführung und den ruhenden Verkehr, sollten auch ein innovatives Mobilitätskonzept sowie ein zukunftsorientiertes Energiekonzept vorgelegt werden. Besonderes Augenmerk war zudem auf umweltpolitische Aspekte zu richten; der unter Naturschutz stehende Wildobstbaum Speierling, Namensgeber des Quartiers, beispielsweise sollte mit einer großzügigen Schutzzone versehen werden.

Das Preisgericht, dem Prof. Michael Schumacher aus Frankfurt vorsaß, wollte sich aufgrund „geringfügiger Schwächen in den Entwürfen“ auf keinen eindeutigen Sieger verständigen und vergab stattdessen zwei zweite (Zaeske und Partner Architekten, Wiesbaden und AS+P Albert Speer + Partner GmbH, Frankfurt) und einen dritten Preis (Kohl & Fromme Architekten Partnerschaft, Duisburg). Den Zuschlag erhielt jedoch die Bewerbergemeinschaft, die gemäß der Gewichtung „70 Prozent Kaufpreisangebot/30 Prozent Wettbewerbsplatzierung“ die Nase vorne hatte – und das war der Entwurf von Kohl & Fromme Architekten Partnerschaft.

Das Konzept des Duisburger Büros sieht vier freistehende, quadratische und nach allen Seiten gleichwertig gestaltete Gebäude mit drei bis vier Geschossen plus Staffelgeschoss vor. Markant für den Entwurf ist die differenzierte und lebendige Fassadengestaltung mit unterschiedlich proportionierten Loggien, die „attraktive Blickbeziehungen und Freibereiche“ bilden, so das Preisgericht. Insgesamt finden 60 Wohneinheiten Platz – eine Größenordnung, wie sie auch die anderen beiden prämierten Arbeiten bieten. Den Entwürfen sind zudem die großzügigen Freiflächen, Tiefgaragen, der Einsatz erneuerbare Energien sowie die Bauweise im Passivhausstandard gemein. Obendrein sei es allen Verfassern gelungen, einen Übergang zum Geschosswohnungsbau und den freistehenden Einfamilien- und Doppelhäusern in der Nachbarschaft herzustellen.

Das Wiesbadener Büro Zaeske und Partner Architekten präsentiert fünf unterschiedlich große Baukörper, die geschickt auf dem Grundstück angeordnet sind:  Der Baumbestand bleibt weitgehend erhalten und mit ergänzenden Bepflanzungen entstehen durchgrünte Freiflächen. Darüber hinaus ermögliche die Positionierung, ebenso wie die Vor- und Rücksprünge der Volumen, ein „Höchstmaß an Besonnung, Belichtung und Ausblicken“. Den Verfassern sei es gelungen, „eine differenzierte und atmosphärische Wohnanlage zu entwickeln, die städtebaulich im heterogenen Kontext vermittelt sowie Querbezüge und Offenheit zulässt“, so das Fazit des Preisgerichts.

Die AS+P Albert Speer + Partner GmbH aus Frankfurt schlägt ebenfalls fünf Baukörper vor. Die fünfgeschossigen, zu einander versetzten Gebäude seien geschickt in den städtebaulichen Kontext einfügt und würden gute Ausblicke bieten. Besonders die Zuordnung von öffentlichen und privaten Grünflächen erachtete das Preisgericht für gelungen, ebenso wie das Energiekonzept.

Das Preisgericht empfahl den zur Umsetzung vorgesehenen Entwurf von Kohl & Fromme Architekten Partnerschaft noch einmal zu überarbeiten und regte eine stärkere Verwendung ökologischer Baumaterialien wie Holz an. Nach Zuschlagserteilung durch die Stadtverordnetenversammlung und Beschluss eines neuen Bebauungsplans – der geltende sieht auf dem Grundstück noch die Errichtung einer Schule vor – könnte schon 2018 gebaut werden, wie es auf der Website der Stadt Langen heißt.

Lena Pröhl