Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Wohngebiet nördlich Frankfurter Berg - Hilgenfeld

Preisträger

1. Preis: Thomas Schüler Architekten und Stadtplaner, Düsseldorf, mit faktorgrün, Freiburg

€ 18.750

Thomas Schüler, Martin Schedlbauer
Mitarbeit: Ricardo Patings, Angela Soler

3. Preis: DeZwarteHond, Düsseldorf, mit RMP Landschaftsarchitekten, Bonn

€ 9.375

Matthias Rottmann, Stephan Lenzen
Mitarbeit: Vincent Scheiffelen, Alexia Radounikli, Katrin Recker, Henk Stadens, Diego Garcia López, Siegmund Graup, Philip Haggeney, Nikolai Hein, Clarissa Keitel, Rachele Bonadio

3. Preis: Ferdinand Heide Architekten, Frankfurt/Main, mit die Landschaftsarchitekten Bittkau - Bartfelder + Ingenieure GbR, Wiesbaden, Wiesbaden

€ 9.375

Ferdinand Heide, Petra Bittkau
Mitarbeit: Marc Herbst, Claudia Zimmermann, Kim Hübner, Viktoria Gastauer, Magdalena Zepf, Julian Marschall

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Stadtplanung
Wettbewerbsform Nichtoffener städtebaulicher Ideenwettbewerb mit vorgeschaltetem, qualifiziertem Auswahlverfahren
Preisgerichtssitzung 24.11.2016
Ort Frankfurt/Main
Auslober Stadtplanungsamt Frankfurt/Main
Betreuung BSMF Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH, Frankfurt/Main
Preisrichter Prof. Christl Drey (Vorsitz), Peter Berner, Martin Hunscher, Stefan Kettlitz, Martin Oster, Mike Josef, Holger Tschierschke, Robert Lange, Frank Junker

Nachbarschaftlich und ökologisch

Städtebaulicher Ideenwettbewerb "Wohngebiet nördlich Frankfurter Berg – Hilgenfeld"

Die Stadt Frankfurt/Main rechnet weiterhin mit einem deutlichen Bevölkerungswachstum. Daher ist der Bedarf an zusätzlichen Wohnungen und attraktiven Wohngebieten enorm. Auf einer 14 Hektar großen, bislang überwiegend landwirtschaftlich genutzten Fläche nördlich des Frankfurter Bergs, dem sogenannten Hilgenfeld, sollen nun etwa 850 Wohnungen entstehen. Die Main-Weser-Bahn trennt das Areal vom sonstigen Siedlungsbereich. Geplant sind in dem neuen Wohnquartier neben gefördertem Wohnraum auch gemeinschaftliche und genossenschaftliche Wohnprojekte.

Das Stadtplanungsamt der Stadt Frankfurt/Main hatte hierfür einen nichtoffenen, städtebaulichen Ideenwettbewerb ausgelobt mit dem Ziel, ein städtebauliches Konzept zu finden, das als Grundlage für den Bebauungsplan dienen soll. Im vorgeschalteten Auswahlverfahren hatten sich neun Bewerbergemeinschaften, bestehend aus Architekten mit dem Schwerpunkt Städtebau oder Stadtplanern jeweils in Zusammenarbeit mit Landschaftsarchitekten, für das Verfahren qualifiziert. Die Betreuung des Wettbewerbs erfolgte durch die Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH aus Frankfurt/Main.

Das neue Wohnquartier soll die bauliche Entwicklung des Frankfurter Stadtrands an diesem Standort abschließen. Daher richtete sich das Augenmerk des Preisgerichts, dem die Kölner Architektin Prof. Christl Drey vorsaß, auf die städtebauliche Qualität der Entwürfe, die geforderte Berücksichtigung umweltbezogener Aspekte sowie vor allem auf den Übergang und Anschluss an die offene Landschaft, das Niddatal und den Grüngürtel. Es vergab unter den eingereichten Arbeiten einen ersten und zwei dritte Preise.

Der erste Preis ging einstimmig an den Entwurf des Büros Thomas Schüler Architekten Stadtplaner aus Düsseldorf, mit Faktorgrün Landschaftsarchitekten aus Freiburg. Die Preisrichter attestierten ihrer Arbeit "sowohl einen professionellen Einsatz bewährter städtebaulicher Mittel als auch die feinsinnige entwurfliche Interpretation des Standortes". Fünf Baufelder, von denen eines die Bebauung der vorhandenen Siedlung "Taunusside" integriert, gruppieren sich um einen zentralen Platz. Die Verfasser sehen überwiegend eine drei- bis viergeschossigen Bebauung vor, zwei grüne Fugen und eine trichterförmige Aufweitung stellen den Übergang zur offenen Landschaft her. Größe und Lage der fünf geplanten Nachbarschaftsplätze sowie Standort, Ausrichtung und Dimension der Quartiersmitte überzeugten das Preisgericht. Es erkannte im Siegerentwurf einen "sehr entwicklungsfähigen Rahmen für eine große bauliche, wohnungstypologische und soziale Vielfalt für das gesamte Quartier".

Der mit einem dritten Preis bedachte gemeinschaftliche Entwurf von Ferdinand Heide Architekt BDA aus Frankfurt/Main, mit Die Landschaftsarchitekten. Bittkau-Bartfelder + Ingenieure aus Wiesbaden schlägt U-förmige, zur Landschaft hin offene Blöcke vor. Diese "sehr städtische Bauform" entwickle einen "besonderen, charaktervollen Ansatz für das Quartier", so die Preisrichter. Kritisch bewerteten sie die Auflösung der Blockränder zur Landschaft hin. Dies lege strukturell ein mögliches Weiterbauen nach Norden hin nahe, welches jedoch ausdrücklich nicht gewünscht sei.

Das Preisgericht bezeichnete die ebenfalls drittplatzierte Arbeit der De Zwarte Hond GmbH aus Köln, mit RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten mit Sitz in Bonn als "mutig und ungewöhnlich". Das Motiv einer "inneren Landschaft" mit einer neuen, großzügigen Streuobstwiese als sozialräumliches Herz sei "bestechend" und mache das Gebiet "ohne Zweifel unverwechselbar". Die Preisrichter hinterfragten jedoch, ob an einem so landschaftsbezogenen Standort ein so großer Bedarf an Freiraum entstehe.

Das Preisgericht empfahl einstimmig, den Bebauungsplan auf der Grundlage des mit dem ersten Preis prämierten Entwurfs auszuarbeiten und die Verfasser an der Realisierung zu beteiligen. Sie wiesen jedoch unter anderem darauf hin, dass Vielfalt, Dichte und Positionierung der Bebauung ebenso überprüft und optimiert werden sollten wie der Lärmschutz zur Bahnlinie hin.

Wenn alles gut läuft, könnten 2019 die Arbeiten auf dem Hilgenfeld beginnen. In dem in der Auslobung als nachbarschaftliches Wohngebiete mit ökologischen Qualitäten bezeichneten Quartier sollen dann rund 2.000 Menschen ein neues Zuhause finden.

Katja Klenz