Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau Schulbetreuung Markwald, Mühlheim am Main

Preisträger

1. Preis: raum-z architekten GmbH, Frankfurt/Main

€ 4.000

Thomas Zimmermann, Lukas Hundhausen
Mitarbeit: Bianca Reusert, Anna Mayer

2. Preis: marcus schmitt architekten, Frankfurt/Main

€ 3.000

Marcus Schmitt
Mitarbeit: Florian Krähling
Fachberater: Landschaftsarchitekten Keller & Keller, Rainer Keller, Petra Keller, Kronberg
Ing.-Büro H. Rautenberg,  Norbert Kunzler, Frankfurt/Main (Heizung, Lüftung, Sanitär)
Ingenieurbüro Bernd Sauerwein, Bernd Sauerwein, Großostheim (Elektrotechnik)
Wagner Zeitter Bauingenieuren GmbH, Gerhard Wagner, Helmut Zeitter, Wiesbaden (Statik, Brandschutz)

3. Preis: Architektengruppe s+e+s, Mühlheim/Main

€ 2.000

Jürgen Ehnes, Steffen Ehnes
Mitarbeit: Bianca Ehnes

Anerkennung: ramona buxbaum architekten, Darmstadt

€ 1.000

Ramona Buxbaum, Michael Palm
Mitarbeit: Jürgen Usleber, Jens Beck, Navina Groß, Nadine Ressel, Nina Münzel
Fachberater: Michael Palm, Freier Landschaftsarchitekt, Weinheim

 

 

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener, hochbaulicher Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Teilnahme-Auswahlverfahren
Preisgerichtssitzung 05.10.2016
Ort Mühlheim/Main
Auslober Stadt Mühlheim/Main
Betreuung UmbauStadt GbR, Frankfurt/Main
Preisrichter Prof. Zvonko Turkali (Vorsitz), Andreas Bartels, Dieter Gick, Gerald Marx, Martin Rudolf, Daniel Tybussek, Renate Heckel, Brigitte Makko, Yvonne Botsch

 

Ein Stück Heimat

Neubau Schulbetreuung Markwald – nichtoffener, hochbaulicher Realisierungswettbewerb

"Eine gute Schule gibt den ihr anvertrauten Kindern und Jugendlichen ein Stück Heimat und dem Quartier einen kulturellen Mittelpunkt", so steht es im "Konzept zur Schule-Kind-Betreuung im Markwald", verfasst von der Schul- und Hortleitung der Markwaldschule. Und ferner: "Schulen mit guten ganztägigen und für alle Schüler ausreichenden Betreuungsangeboten sind ein bedeutender Faktor im Wettbewerb um Neubürger, insbesondere um qualifizierte Arbeitnehmer/innen und Wirtschaftsbetriebe." Längst also haben Schulen als reine Lernanstalten ausgedient. Sie sind heute vielmehr Orte des Lernens und des Lebens. Jedoch genügen viele Schulgebäude, errichtet oft vor Jahrzehnten, nicht den gewandelten und gestiegenen Ansprüchen. Gerade der Ortsteil Markwald benötige jedoch einen solchen Ort des Lernens und Lebens angesichts der sozialen und kulturellen Situation sowie der hohen Anzahl von Kindern mit Migrationshintergrund oder solchen, die in Haushalten mit geringem Einkommen leben. Aufgrund räumlich begrenzter Kapazitäten können derzeit jedoch nur 30 Prozent der dortigen Schulkinder nach dem Unterricht betreut werden.

Die Stadt Mühlheim/Main hat daher einen nichtoffenen, hochbaulichen Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Auswahlverfahren ausgelobt, um auf dem Gelände der Markwaldschule einen Neubau für die Schulbetreuung zu errichten. Dieser soll das Betreuungsangebot der Schule kurzfristig und zugleich zukunftsfähig an den gestiegenen Bedarf anpassen. Die Betreuung des Verfahrens gewährleistete die UmbauStadt GbR, Frankfurt am Main.

Auf der Nordhälfte des rechteckigen Schulgrundstücks ist das bestehende Schulgebäude platziert. Westlich liegt die erschließende Forsthausstraße. Das eigentliche Wettbewerbsgebiet befindet sich auf der südliche Hälfte, auf der auch Bolzplatz und Freiflächen angesiedelt sind. Hier soll – bei möglichst geringem Flächenverbrauch – die neue Schulbetreuung mit zahlreichen Funktionsräumen, Mensa und den benötigten Nebenräumen errichtet werden. Unter den zehn sehr unterschiedlichen Entwürfen der zum Wettbewerb eingeladenen Teilnehmer vergab das Preisgericht unter Vorsitz von Prof. Zvonko Turkali aus Frankfurt /Main jeweils einstimmig drei Preise sowie eine Anerkennung.

Der erste Preis ging an die raum-z architekten GmbH aus Frankfurt/Main. Diese schlagen entlang der Forsthausstraße einen eingeschossigen Baukörper in Massiv-Holzbauweise vor, der die Funktionen Mensa inklusive der Nebenräume und Betreuung klar trennt. Die Preisrichter bezeichneten das Gebäude als "städtebaulich sehr überzeugend platziert". Der Entwurf entwickle den Schulstandort konsequent weiter und die Adressbildung sei "besonders gelungen". Der Mensabereich, dessen separate Nutzbarkeit sehr positiv bewertet wurde, ist als Kopfbau im Süden angeordnet und soll eine Terrasse mit Blickbeziehung zum Bolzplatz erhalten. Alle Betreuungsräume verfügen über einen direkten Ausgang und einen überdachten Bereich zum Außenraum hin. Eine Art "interner Boulevard" auf der Ostseite des Neubaus mit einer Abfolge von Erlebnisangeboten soll den Neubau und die Schule verbinden. Das Preisgericht würdigte insbesondere die architektonische Qualität der Arbeit.

Den zweiten Preis vergaben die Preisrichter an den eingeschossigen Entwurf von Marcus Schmitt Architekten, ebenfalls aus Frankfurt/Main. Dieser gliedert sich in eine Nebenraumspange zur Straße hin, einen zentralen Erschließungsflur sowie die eigentlichen Betreuungs- und Aufenthaltsräume zum Bolzplatz hin. Die Arbeit besteche "durch eine sehr kompakte und funktionale Anordnung", so das Preisgericht. Durch eine klare Zonierung und Zuordnung von Innen- und Außenräumen sowie eine bewusst gesetzte Akzentuierung erreiche der Baukörper eine "sehr hohe räumliche und architektonische Qualität".

Die Architektengruppe s+e+s aus Mühlheim/Main bekam für ihren Vorschlag den dritten Preis zugesprochen. Ein zweigeschossiges Gebäude soll im Erdgeschoss den nach Osten zum Freiraum hin orientierten, großzügigen Speisesaal beherbergen, die Nebenräume liegen zur Straße hin. Eine einläufige, als raumgliederndes Elemente fungierende Treppe führt ins Obergeschoss zu den Räumen für die pädagogischen Angebote der Schulbetreuung.

Eine Anerkennung erhielten ramona buxbaum Architekten aus Darmstadt für ihren der Leitidee Dorfstraße folgenden Entwurf.

Die Preisrichter empfahlen übereinstimmend das Projekt auf der Grundlage der mit dem ersten Preis prämierten Arbeit zu realisieren. Bereits 2017 soll der Neubau für die Schulbetreuung fertig gestellt werden und den Markwaldschülern einen Stück Heimat bieten, einen Ort zum Lernen, Spielen, Toben, Tanzen, Ausruhen und vieles mehr.

Katja Klenz