Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Entwicklungsgebiet Dornberg

Preisträger

1. Preis: Baufrösche Architekten und Stadtplaner GmbH, Kassel

€ 20.000

Uwe Hoegen
Mitarbeit: Wenyuan Zhu, Harald Noll, Melanie Lips, Ruth Iloste, Mingge Yu
Fachberater: GTL - Gnüchtel Triebswetter Landschaftsarchitekten Gbr, Kassel

2. Preis: florian krieger architektur und städtebau GmbH, Darmstadt

€ 10.000

Florian Krieger
Mitarbeit: Francesco Di Capua, Tobias Preuß
Fachberater: club L94 Landschaftsarchitekten GmbH, Köln, Frank Flor, Jörg Homann, Götz Klose, Burkhard Wegener, Heike Plagman

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Stadtplanung
Wettbewerbsform Nichtoffener städtebaulicher Ideenwettbewerb als Einladungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 21.11.2016
Ort Mühltal
Auslober Stiftung Nieder-Ramstädter Diakonie
Betreuung BSMF Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH, Frankfurt/Main
Preisrichter Prof. Zvonko Turkali (Vorsitz), Thomas Martus, Prof. Kerstin Schultz, Michael Simon, Verena Trojan, Prof. Julian Wéke, Volker Busch, Walter Diehl, Dr. Astrid Mannes, Dr. Gerhard Schmidt, Christian Seiler

Wohnen in der Parklandschaft

Entwicklungsgebiet Dornberg – Städtebaulicher Ideenwettbewerb

Die hessische Gemeinde Mühltal liegt im Vorderen Odenwald, südöstlich von Darmstadt. Im östlichen Randgebiet des Mühltalerum Ortsteils Nieder-Ramstadt befindet sich das Gelände der Nieder-Ramstädter Diakonie (NRD), weitestgehend umgeben von Einfamilien- und Reihenhäusern. Das Areal, jahrzehntelang durch bauliche Anlagen vom eigentlichen Ort abgeschnitten, ist bereits seit den 1970er Jahren öffentlich zugänglich. Seit der 2005 beschlossenen Regionalisierung der NRD wurden die Wohneinrichtungen sukzessive ausgelagert und zahlreiche öffentliche Einrichtungen angesiedelt.

Das eigentliche Wettbewerbsgebiet liegt im Nordwesten des Geländes. Konkretes Ziel des von der Stiftung Nieder-Ramstädter Diakonie ausgelobten und von der BSMF Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung GmbH betreuten, nichtoffenen, städtebaulichen Ideenwettbewerbs war es, für dieses etwa sechs Hektar große Areal eine langfristige städtebauliche Entwicklung zu einem Wohnstandort aufzuzeigen. Gewünscht waren durchmischte, vielfältige Wohnangebote für verschiedene Nutzer unter Einbeziehung erhaltenswerter Bausubstanz, wertvollen Baumbestands und vorhandener Grünflächen. Die Entwicklung des Wettbewerbsgebietes soll in mehreren Phasen erfolgen.

Unter den fünf zum Verfahren eingeladenen Teilnehmern vergab das Preisgericht, dessen Vorsitz Prof. Zvonko Turkali aus Frankfurt/Main inne hatte, einen ersten Preis an die Baufrösche Architekten und Stadtplaner GmbH aus Kassel sowie einen zweiten Preis an die florian krieger – architektur und städtebau gmbh aus Darmstadt.

Das Konzept der erstplatzierten Arbeit bezeichneten die Preisrichter als bestechend, prägnant und anspruchsvoll. Es nehme die spezifischen landschaftlich-morphologischen Besonderheiten auf und stelle diese heraus. Die Verfasser streben "ein Wohnen inmitten einer Parklandschaft statt eines Wohnens am Park" an. Sie schlagen vier strukturell und typologisch differenzierte Baufelder mit in der Höhenlage gestaffelten, dreigeschossigen Gebäuden vor, ausgreifende, terrassierte Freiräume und außerdem einen von Gärten und Grünflächen gesäumten Quartiersrand. Nach Ansicht des Preisgerichts versprechen diese einen "hohen Identifikationswert und eine gute Adressbildung". Es zeigte sich überzeugt von der an den Schnittpunkten der Straßen und Wege positionierten Quartiersmitte. Diese soll nach Vorstellung der Planer durch die Einbeziehung der vorhandenen Sporthalle und ein hier geplantes viergeschossiges Gebäude mit publikumsfrequentierten, auf den umgebenden Freiraum orientierten Nutzungen im Erdgeschoss zum Quartierstreffpunkt ausgebaut werden. Die geplanten Wohnhöfe, Stadtvillen, Reihenhäuser sowie einige Einfamilienhäuser bieten Wohn- und Eigentumsformen für verschiedene Zielgruppen, so die Preisrichter. Kritisch beurteilten sie jedoch den hohen Anteil an Tiefgaragenplätzen und regten an, zu untersuchen, ob die Anzahl der oberirdischen Stellplätze erhöht werden könne, ohne die Qualitäten der Freiräume zu mindern.

Der mit dem zweiten Preis prämierte Entwurf überzeugte das Preisgericht durch die terrassierte Gesamtanlage und sogenannte "Landschaftslogen". Die Verfasser sehen angrenzend an die vorhandene, mehrgeschossige Bebauung ebenfalls Geschosswohnungsbau vor, außerdem Einzel- und Doppelhäuser für die fünf weiteren Teilquartiere. In der Quartiersmitte soll ein Reihenhaus-Ensemble entstehen. In der Ausformulierung wesentlicher Straßenräume und des öffentlichen Wegesystems als Obstbaum-Alleen erkannten die Preisrichter eine "besondere Qualität" des Entwurfs. Drei als Terrassengärten bezeichnete Freiräume, die zu einer diagonal gestuften Platzfolge aufgereiht wurden, lobten sie als "außergewöhnliches und dem Gebiet Identität verleihendes Element". Die hohe Verdichtung in der Anordnung der Einzel- und Doppelhäuser wertete das Preisgericht hinsichtlich der Abstandsflächen kritisch.

Die Preisrichter empfahlen der Nieder-Ramstädter Diakonie, die städtebauliche Entwicklung am Dornberg auf der Grundlage des ersten Preises zu planen und die Preisträger an der Realisierung zu beteiligen. Das langfristig neu entstehende Wohngebiet Dornberg auf den freien und noch frei werdenden Flächen des ehemaligen Zentralgeländes der NRD soll dann unterschiedlichste Wohnangebote für rund 600 Menschen aus allen Bevölkerungsgruppen bieten.

Katja Klenz