Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau Praktikumsgebäude Chemie Campus Riedberg Goethe-Universität Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis: mtp architekten GmbH, Frankfurt/Main

€ 63.000

Martin Rudolf
Mitarbeit: Norbert Sinning, Masoomeh Mostaan, Young Eun Ha, Dirk Siebel, Malgorzata Korsak, Nazanin Mehregan, Fabio Sacher
Fachberater: IB Dr. Heinekamp, A. Hofer, Karlsfeld (Laborplanung)
Tcon, A. Eberhart, Sindelfingen (TGA HLSK)
ee-concept, M. Zeumer, Darmstadt (Energiekonzept)
SHK, R. Haase, Gießen (Freiflächenplanung)
IfB, Dr. K.-W. Bangert, Bad Kreuznach (Brandschutz)

1. Preis: Gerber Architekten GmbH, Dortmund

€ 63.000

Prof. Eckhard Gerber
Mitarbeit: Benjamin Sieber, Alexandra Kranert, Haitham Raweh, Stefan Lemke, Barbara Breitenbach
Tim C. Kraus, V. Valladeres
Fachberater: Graner & Partner, Herr Dörstel (Bauphysik/Energie)
Dr. Heinekamp, Herr Zeltner (Laborplanung)
IFBW GmbH, Herr Strupp (Brandschutz)

3. Preis: doranth post architekten GmbH, München

€ 39.000

Rainer Post
Mitarbeit: Susanne Slabon, Mark Kreppel, Katja Klingholz, Farah Fürst, Carolin Schöllhorn
Fachberater: Weber & Partner, Udo Weber, Köln

4. Preis: Nickl & Partner Architekten AG, München

€ 24.000

Prof. Hans Nickl, Prof Christine Nickl-Weller
Mitarbeit: David Dahinten, Jana Keller, Sara Wegenast
Fachberater: HKL Ingenieurgesellschaft mbH, Erfurt (TGA)
Dr. Heinekamp, Karlsfeld (Laborplanung)
Kersken + Kirchner GmbH, München (Brandschutz)

5. Preis: KSP Jürgen Engel Architekten GmbH, Frankfurt/Main

€ 12.000

Jürgen Engel
Mitarbeit: Peter Feuerbach, Nadia Heredia, Ananda Ephraim Wiegandt, Ralf Margraf, Christopher Hammerschmidt, Thomas Busse
Fachberater: FSWLA Landschaftsarchitekten GmbH
HTW Henzel, Tor-Westen + Partner Ingenieurgesellschaft mbh & Co.KG
ISRW Klapdor GmbH

Preisgericht: 05.04.2017
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener, einphasiger Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 05.04.2017
Ort Frankfurt/Main
Auslober Land Hessen
Betreuung ANP - Architektur- und Planungsgesellschaft mbH, Kassel
Preisrichter Prof. Ulrike Lauber (Vorsitz), Ulrike Berendsen-Manderscheidt, Prof. Reiner Hascher, Ferdinand Heide, Prof. Linus Hofrichter, Inge Laste, Prof. Kirsten Schemel, Guido Brennert, Thomas Platte, Thorsten Schmidt, Prof. Dr. Andreas Terfort, Prof. Dr. Josef Wachtveitl, Prof. Dr. Brigitta Wolff

„Kleine, belebte Campusmitte“
Neubau der Praktikumsgebäude Chemie auf dem Campus Riedberg

Auf dem Campus Riedberg der Goethe-Universität Frankfurt am Main wird heute an chemischen, biochemischen und physikalischen Anwendungen von morgen geforscht; künftig werden hier alle naturwissenschaftlichen Disziplinen ihren Platz finden. In den kommenden Jahren sollen die Chemiegebäude nach und nach durch Neubauten ersetzt werden.

Im ersten Bauabschnitt soll nun ein neues Praktikumsgebäude mit Technikzentrale am Südrand des Campus unmittelbar über der Hangkante errichtet werden, das fachspezifisch eingerichtete wie auch modular nutzbare Praktikumsla­bore, Forschungsflächen, studentische Aufent­haltsräume und Räume für die Fachschaft beherbergt. Vorschläge hierfür lieferte der vom Land Hessen ausgelobte Realisierungswettbewerb. Unter den 21 eingegangenen Arbeiten vergab das Preisgericht einstimmig zwei erste, einen dritten, vierten und fünften Platz sowie eine Anerkennung. Die Verfahrensbetreuung lag bei der ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH aus Kassel.

Ein erster Preis erhielt die mtp architekten GmbH aus Frankfurt für ihren „stimmige(n) und ansprechende(n) städtebauliche(n)“ Entwurf: Die Verfasser präsentieren zwei parallel angeordnete Funktionsriegeln mit Klinkerfassade, die mit transparent gestalteten Fluren verbunden sind. Der obere Flur dient der öffentlichen, allgemeinen Erschließung; der untere verbindet die Laborzonen miteinander. Er ist gleichzeitig eine „attraktive offene Kommunikationszone, die von dem Ausblick auf die Stadt lebt“, lobten die Preisrichter. Neben den „sehr guten Grundrisse(n) und innenräumlichen Angebote(n)“ überzeugte vor allem der „wohlproportionierte“ (Vor-)Platz. Mit dem neuen Haupteingang der Chemie könne an dieser Stelle „eine kleine, belebte Campusmitte entstehen, die den Bestand respektiert und die Neubauten einbezieht“, urteilte das Preisgericht.

Ein weiterer erster Preis ging an die Gerber Architekten GmbH aus Dortmund, deren Arbeit vor allem in städtebaulicher Hinsicht bestach. Die Verfasser schlagen drei unterschiedlich geformte Solitäre vor, die sich nacheinander realisieren lassen. Den Auftakt zum Campus bildet ein 4-geschossiger Baukörper mit Sockel im Osten des Baufeldes. Im Westen, zur Mensa, entsteht ein großzügiger Platz, der Möglichkeiten für das Campusleben biete. Der Haupteingang ist seitlich an der Ostfassade angeordnet und vom vorgelagerten Platz zugänglich. Hieran schließt sich ein gestaffeltes Foyer an, das nach Süden und damit zur Stadt ausgerichtet ist. Besonders angetan zeigte sich das Preisgericht von der Idee der langen inneren Treppe mit  Blick über die Stadt; die Aufenthaltsqualitäten im Inneren seien jedoch noch ausbaufähig.

Die mit dem dritten Preis bedachte doranth post architekten GmbH aus München entwickelt für sämtliche Bauabschnitte eine zusammenhängende Clusterstruktur aus Institutsbauten, Innenhöfen und Verbindungsbauten mit horizontal gegliederter Klinkerfassade. Hierdurch werde zwar ein einheitliches Gesamtbild erreicht, eine Realisierung in Bauabschnitten erscheine jedoch wenig schlüssig. Die Haupterschließung erfolgt im Norden über einen „gut proportionierten Vorplatz“ zur Mensa und zum Altbau Chemie.

Den vierten Platz belegte das Münchener Büro Nickl & Partner Architekten AG. Es regt eine lockere Setzung von drei Institutsbaukörpern an der Südkante an. Die klare Grundstruktur des Gebäudes (H-Typ) biete vielfältige Blickbeziehungen, eine ausreichende Tagesbelichtung aller Räume und gewährleiste zudem die gewünschte Nutzungsflexibilität. Insbesondere die promenadenartige Terrasse mit „phänomenale(m) Blick auf die Stadtsilhouette“ wurde gelobt. Kontrovers bewertet wurde hingegen die scharfkantige metallische Außenhaut, die offensiv anders, aber auch fremdartig auf dem Campus Riedberg wirke.  

Die mit dem fünften Platz ausgezeichnete KSP Jürgen Engel Architekten GmbH aus Frankfurt schlägt einen dreigeschossigen Neubau im Osten des Baufeldes vor, der „eine spannungsreiche Enge zur alten Chemie und zur Treppe der Mensa“ bilde. Der Beitrag, so das Preisgericht, besteche durch seine „flexible Raumstruktur“ sowie die städtebaulich angenehme Hoftypologie, welche gute Außenraumqualitäten verspreche.

Eine Anerkennung erhielt die HWP Planungsgesellschaft aus Stuttgart für ihre vorgeschlagene „interessante und eigenständige Propellerform“, durch die das Ensemble attraktiv nach Süden in den Landschaftsraum wie nach Norden zum Campus geöffnet und zugleich miteinander verzahnt werden könne.

Das Preisgericht empfahl einstimmig, die Verfasser der beiden erstplatzierten Arbeiten mit einer Überarbeitung zu beauftragen und dabei den Nachweis der erforderlichen Technikflächen zu erbringen und zugleich den gesetzten Kostenrahmen einzuhalten. Ein Augenmerk ist des Weiteren auf die verkehrliche Erschließung zu richten.

Lena Pröhl