Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Rathaus Korbach

Preisträger

1. Preis: Arge Christian Thomann, Rheine, mit heimspiel architekten Matzken Kampherbeek PartGmbB, Münster

€ 33.600

Christian Thomann, Marc Matzken

2. Preis: Wagenknecht Architekten, Hamburg

€ 21.600

Tillmann Wagenknecht
Mitarbeit: Daniel Zajsek, Stefano Auzzi

3. Preis: Arge Jan Derveaux, Berlin, mit Rimpau & Bauer Architekten PartGmbB, Berlin

€ 12.600

Jan Derveaux, Ruwen Rimpau

Anerkennung: Karl Bachhammer, München, mit Fabio Mancini, Pescara (I) und Silvia Kliti, Roseto degli Abruzzi (I)

€ 8.400

Karl Bachhammer, Fabio Mancini, Silvia, Kliti
Fachberater:
merz kley partner ZT GmbH, Dornbirn (A)
ab-concept GmbH, Graz (A)
Christoph Bijok, München

Anerkennung: Gerber Architekten GmbH, Dortmund

€ 8.400

Prof. Eckhard Gerber
Mitarbeit: Hannes Beinhoff, Nathalie Warncke, Sabrina Micu, Melih Kös, Sarah Gnosa, Helena Kwitniewski
Fachberater:
Gerber Architekten GmbH, Dortmund (Freianlagen)
osd office for structural design, Prof. Dr.-Ing. Harald Kloft, Frankfurt/Main (Tragwerksplanung)
WUP Modellbau, Hamburg (Modellbau)

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Offener, zweiphasiger Realisierungswettbewerb
Preisgerichtssitzung 04.07.2017
Ort Korbach
Auslober Kreis- und Hansestadt Korbach
Betreuung Freischlad + Holz, Planung und Architektur, Darmstadt
Preisrichter Ferdinand Heide (Vorsitz), Hans-Uwe Schultze, Stefan Bublak, Prof. Klaus Kada, Susanne Wartzeck, Klaus Friedrich, Heike Kramer, Heinz Merl, Kai Schumacher

Modernes Dienstleistungszentrum im Herzen der historischen Altstadt

Offener, zweiphasiger Realisierungswettbewerb Rathausquartier in Korbach

 

Zwischen dem Hochsauerland im Westen und dem Edersee im Osten liegt die 25.000 Einwohner starke Kreis- und Hansestadt Korbach. Im Herzen der Altstadt befindet sich das mittelalterliche Rathaus aus dem Jahr 1377 mit einem Anbau aus den 1970er Jahren. Dieser entspricht jedoch inzwischen weder mit seinen Großraumstrukturen noch in der energetischen Ausstattung einem zeitgemäßen Verwaltungsgebäude, zumal er große bauliche Mängel aufweist. Insbesondere Brandschutzaspekte, schadstoffbelastete Materialien sowie Mängel an diversen Bauteilen der Fassade und des Dachs lassen eine Sanierung unwirtschaftlich erscheinen.

 

Die Stadt Korbach hat daher einen offenen, zweiphasigen Realisierungswettbewerb zur Neugestaltung der Rathausareals ausgelobt. Betreut wurde das Verfahren von Freischlad + Holz, Planung und Architektur, aus Darmstadt. Nach Abriss des Erweiterungsbaus aus den 1970er Jahren soll die  Entwicklung des innerstädtischen Quartiers zu einem modernen Dienstleistungszentrum erfolgen. Neben dem Neubau des zentralen Ergänzungsbaus an das Rathaus mit Eingang, Foyer und Sitzungszimmer sind im Sinne eines städtebaulichen, architektonischen und freiraumplanerischen Gesamtkonzepts auch die angrenzenden denkmalgeschützten Gebäude – das Einzelkulturdenkmal in der Prof.-Kümmel-Straße 9 sowie die „Stadtwache“ – in das Rathausensemble zu integrieren und um Bindeglieder sowie notwendige bauliche Erweiterungen zu ergänzen. Im Zuge des Eingriffs soll auch das historische Rathaus saniert und der Rathausplatz besser in den öffentlichen Raum integriert und nutzbar gemacht werden. Das Preisgericht, unter Vorsitz von Ferdinand Heide, vergab drei Preise sowie zwei Anerkennungen.

 

Das Konzept der erstplatzierten Arbeit der Arge Christian Thomann aus Rheine mit heimspiel architekten Matzken Kampherbeek PartGmbB aus Münster sieht einen zweigiebligen Anbau an das historische Rathaus vor. Dadurch wird ein nahezu quadratischer Block ausgebildet, der „wesentlichen Funktionen des Rathauses auf nahezu selbstverständliche Weise Raum bietet“, so das Urteil des  Preisgerichts. Vor dem Rathauskomplex ist ein großzügiger, städtischer Platz vorgesehen, an dem auch der Haupteingang des Rathauses liegt.  Im ersten Obergeschoss entstünde eine „sehr gut nutzbare, multifunktionale Verwaltungsebene“, u.a. mit Saal, Sitzungsräumen und großem Foyer. „Die gewünschten Synergien in der Nutzung von Öffentlichen Flächen“, so die Preisrichter, „ werden hier voll umgesetzt.“ Sie lobten insbesondere das in der Mitte des Gebäudes verortete Bürgerforum. Es trage zur guten Orientierung im Gebäude bei und biete zusätzliche Aufenthaltsqualitäten für Besucher und Bedienstete. Obwohl die Kubatur des alten Rathauses aufgenommen wird, sei es den Verfassern gelungen, „einen eigenen, zeitgemäßen Ausdruck ohne Anbiederung“ zu finden. Die Preisrichter merkten jedoch an, dass aus denkmalpflegerischer Sicht eine Durchdringung des ostseitigen Giebels mit einem Erschließungsgang problematisch sei.

 

Der mit dem zweiten Preis prämierte Entwurf von Wagenknecht Architekten aus Hamburg biete einen stadträumlich wie architektonisch interessanten Lösungsansatz: Durch geknickte Fassadenabfolgen, so die Preisrichter, entstünden Stadt- und Platzräume, die mit ihrer Ausformung – Enge, Geschlossenheit und Weite – Atmosphäre schaffen würden, zumal die verschieden geneigten Dachflächen gemeinsam mit den Fassaden den Eindruck einer Skulpturalität vermitteln würden. Vor allem die innere Erschließung des Gebäudes, die eine multifunktionale Nutzung erlaube, lobte das Preisgericht als „angenehm differenziert“ und „sehr aufgelockert“.

 

Der dritte Preis ging an die Arge Jan Derveaux mit Rimpau & Bauer Architekten PartGmbB

 

, beide aus Berlin. Die Verfasser präsentieren ein Ensemble aus einzelnen Gebäuden, bei dem die drei historischen Gebäude – Rathaus, Fachwerkhaus und Stadtwache – jeweils um einen eigenen Anbau ergänzt werden. Der an das historische Rathaus angrenzende Neubau beherbergt u.a. Foyer, Saal sowie den barrierefreien Hauptzugang zum großzügigen, neuen Rathausvorplatz im Südwesten. Die Preisrichter lobten insbesondere die Materialität – die filigrane Holzkonstruktion mit den großflächigen Verglasungen. Die lichtdurchflutete Architektur sei „Ausdruck für ein transparentes, helles, zeitgenössisches Rathaus“ und bilde zusammen mit dem historischen Rathaus ein „identitätsstiftendes neues Ensemble“.  Die Aufteilung der verschiedenen Nutzungsbereiche auf verschiedene Baukörper müsse jedoch in ihrer Funktionalität überprüft werden.

 

Eine Anerkennung erhielten Karl Bachhammer aus München in Zusammenarbeit mit Fabio Mancini aus Pescara (I) und Silvia Kliti aus Roseto degli Abruzzi (I), die ein Ensemble aus drei freistehenden Neubauten vorschlagen, welches das historische Rathaus umschließt und zwei gut proportionierte Plätze ausbildet.

 

Eine weitere Anerkennung ging an die Gerber Architekten GmbH aus Dortmund, die drei neue Giebelhäuser auf einem Plateau sowie ein gut nutzbaren, weitläufigen Platz als Entwurf präsentieren.

 

Das Preisgericht empfahl einstimmig,  das mit dem ersten Preis bedachte Architekturbüro mit der weiteren Planung zu betrauen.  

 

Lena Pröhl