Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

Neubau der Leitstelle an der Hauptfeuerwache Fulda

Preisträger

1. Preis: Steimle Architekten GmbH, Stuttgart

€ 12.000

Thomas Steimle
Mitarbeit: Manuel Rausch, Zosine Seybold
Béla Berec, Esslingen (Architektur-Modellbau-Gestaltung)

3. Preis: MGF Architekten GmbH, Suttgart

€ 6.000

Josef Hämmerl
Mitarbeit: Tim Fügmann, Benjamin Toth, Laura Klose, Johannes Peter

3. Preis: studioinges Architektur und Städtebau, Berlin

€ 6.000

Francesca Saetti, Thomas Bochmann, Stefan Schwirtz
Mitarbeit: Dominic Poe
Atelier 36, Berlin (Modellbau)

Anerkennung: Schätzler Architekten, München

€ 4.000

Walter Schätzler
Mitarbeit: Tanja Scharf, Elitsa Bankova

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener, hochbaulicher Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Teilnahme-Auswahlverfahren
Preisgerichtssitzung 01.11.2016
Ort Fulda
Auslober Stadt Fulda
Betreuung UmbauStadt GbR, Frankfurt/Main
Preisrichter Ulrike Pape (Vorsitz), Marie-Theres Deutsch, Hans Uwe Schultze, Daniel Schreiner, Thomas Helmer, Frank Reith, Jürgen Fehl

Markantes Merkzeichen

Rettungsleitstelle Feuerwehr Fulda – nichtoffener, hochbaulicher Realisierungswettbewerb

Die Feuerwehr der Stadt und des Landkreises Fulda hat ihren Hauptstützpunkt am Standort An St. Florian. Auf dem Grundstück an einer vielbefahrenen Kreuzung in Fulda steht ein Gebäudeensemble, das in den frühen 1970er Jahren entstanden und Anfang der 1980er Jahre erweitert worden war. Zu den ersten Gebäuden zählten auch die Fahrzeughallen und Werkstattgebäude am südlichen Grundstücksrand. Diese sind jedoch inzwischen so marode, dass eine Sanierung nicht wirtschaftlich realisierbar ist. Zudem sind die Räumlichkeiten der ebenfalls auf dem Gelände befindlichen Rettungsleitstelle mittlerweile beengt und die technische Einrichtungen längst nicht mehr auf einem adäquaten technischen Stand. Daher soll nun ein neues Funktionsgebäude ausreichend Platz bieten sowohl für vier Fahrzeughallen, eine Waschhalle und Werkstätten als auch für die Leitstelle der Hauptfeuerwache.

Die Stadt Fulda hatte hierfür einen nichtoffenen, hochbaulichen Realisierungswettbewerb ausgelobt. Das Verfahren war betreut worden von der UmbauStadt GbR, Frankfurt/Main. Da das Gelände der Feuerwehr weitestgehend bebaut ist, lag es auf der Hand, durch Abriss der entsprechenden Bestandsgebäude Platz für einen Neubau zu schaffen. Die zur Disposition stehenden Bestandsgebäude liegen im Südwesten des Feuerwehrareals an der vielbefahrenen Bardotstraße. Gefordert worden war in der Auslobung ein energetisch hocheffizientes Gebäude, das die Nutzbarkeit der wenigen vorhandenen Freiflächen nicht einschränken sollte. Unter den acht eingereichten Arbeiten vergaben die Preisrichter, denen die Kasseler Architektin Ulrike Pape vorsaß, einen ersten Preis, zwei dritte Preise sowie eine Anerkennung.

Der erste Preis ging an das Stuttgarter Büro Steimle Architekten. Dieses schlägt einen kompakten zweigeschossigen Baukörper vor, der direkt an die südwestlich auf dem Grundstück platzierte Sonderzughalle angrenzt und deren Baufluchten aufnimmt. Auffälligstes Merkmal des Neubaus sind die abgeknickte Stirnseite des Riegels Richtung Kreuzung im Südosten und die schräg gestellten Öffnungen im Erd- und Obergeschoss. Der Entwurf setze einen architektonischen Akzent und sei ein "markantes Merkzeichen für die neue Rettungsleitstelle Fulda", befanden die Preisrichter. Im Erdgeschoss sind die Flächen für die Hallen, Werkstätten sowie weitere Nutzungen in einem offenen Grundriss untergebracht. Das Preisgericht erachtete hier eine Zonierung der Räumlichkeiten für sinnvoll. Das Obergeschoss ist von der Straße aus zurückgesetzt und nimmt die Büro- und Nebenräume der Leitstelle in einer klassischen Bürostruktur mit Mittelflur auf. Die Leitzentrale liegt im abgeknickten Stirnbereich des Gebäudes. Schlichte Betonelemente sollen den Baukörper gliedern und seine innere Struktur außen sichtbar machen. Den Verfassern sei es gelungen, so die Preisrichter, "die vielfältigen Anforderungen weitestgehend zu erfüllen und dabei eine identitätsstiftende, für den Ort angemessene, eigene Form zu entwickeln".

Der mit einem dritten Preis prämierte Entwurf von der MGF Architekten GmbH, ebenfalls aus Stuttgart, schlägt einen L-förmigen Baukörper mit unterschiedlicher Geschossigkeit vor, der sich deutlich vom angrenzenden Baubestand absetzt. Nach Ansicht des Preisgerichts bildet der Neubau durch seine Positionierung einen Abschluss des Feuerwehrareals und fasst den Hof sinnvoll. Dem Gebäude, für das die Entwurfsverfasser eine Fassade aus Kupfer-Lochblechen vorschlagen, attestierten die Preisrichter eine "ästhetischen Anmutung". Sie merkten dazu jedoch an, das diese Fassadengestaltung aus Nutzersicht kritisch zu werten sei, da sie den "erholsamen Blick" von den Monitoren der Leitstelle in die Ferne einschränke.

Ebenfalls auf dem dritten Platz landete das Berliner Büro studioinges Architektur und Städtebau. Die Verfasser präsentieren einen von den Bestandsbauten abgerückten Gebäuderiegel entlang der südlichen Grundstücksgrenze mit unterschiedlicher Geschossigkeit und zur Kreuzung hin markanten Fassadenöffnungen. Der Neubau soll zusammen mit einer zusätzlich am östlichen Grundstücksrand platzierten Carportanlage den Hof fassen. Da sich das Gebäude eher zum Innenhof ausrichtet, regten die Preisrichter an, die Fassadenöffnungen zur Straße hin zu überarbeiten.

Eine Anerkennung erhielten Schätzler Architekten aus München, die zwei eigenständige Gebäude für die Nutzungen planen und für die Leitstelle einen dreigeschossigen Baukörper vorschlagen.

Das Preisgericht empfahl einstimmig, das Projekt auf der Grundlage des mit dem ersten Preis ausgezeichneten Entwurfs zu realisieren.


Katja Klenz