Architekten- und Stadtplankammer Hessen

Vergabe + Wettbewerbe

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Grundschule Europaviertel mit Kindertagesstätte und Sporthalle, Frankfurt/Main

Preisträger

1. Preis: dasch zürn architekten, Stuttgart, mit Schelhorn Landschaftsarchitekten, Frankfurt/Main

€ 40.000

Helmut Dasch, Dirk Schelhorn
Mitarbeit: Sebastian Kittelberger, Joachim Ziligen, Christian Dasch
Fachberater: IB Wagner, Claus-Peter Wagner (TGA/Energiekonzept), Reutlingen

2. Preis: löhle neubauer architekten, Augsburg, mit ver.de landschaftsarchitektur GbR, Freising

€ 30.000

Rainer Löhle, Regine Neubauer, Joachim Rümpelein
Mitarbeit: Ben Ritz, Birgit Kratzer, Frenzy Nebel, Matthias Weiss
Fachberater: furche geiger zimmermann, Michael Geiger, Köngen (Tragwerksplanung)
ib hausladen, Josef Bauer, Kirchheim (Haustechnik)

3. Preis: D´Inka Scheible Hoffmann Architekten, Felbach, mit Lohrberg Stadtlandschaftsarchitektur, Stuttgart

€ 10.000

Gabriele D`Inka, Albrecht Scheible, Bärbel Hoffmann, Christiane Humborg, Dirk Meiser
Mitarbeit: Felix Eiffler (Modell)

Anerkennung: o5 Architekten - Raab Hafke Lang, Frankfurt/Main, mit KuBuS freiraumplanung, Berlin

€ 5.000

Jan-Henrik Hafke, Rudolf Kaufmann
Mitarbeit: Marcel Balsen, Claudia Rothe, Cornelia Baumeister, Max Nohé, Till Bacherer

Anerkennung: menzel | kossowski Architekten, Darmstadt, mit Loek Angela Bezzenberger, Darmstadt

€ 5.000

Frank Menzel, Angela Bezzenberger

Preisgerichtsentscheidung liegt vor
Fachrichtung Hochbau
Wettbewerbsform Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren
Preisgerichtssitzung 29.09.2016
Ort Frankfurt/Main
Auslober Magistrat der Stadt Frankfurt/Main, Stadtschulamt
Betreuung DU Diederichs Projektmanagement AG & Co. KG, Frankfurt/Main, mit scheuvens+wachten, Dortmund
Preisrichter Brigitte Holz (Vorsitz), Dr. Hans-Jürgen Pritzl, Prof. Almut Grüntuch-Ernst, Prof. Dr. Grit Hottenträger, Prof. Peter Karle, Prof. Helmut Raff, Norbert Diezinger, Prof. Tobias Wulf, Olaf Cunitz, Sarah Sorge, Ute Sauer, Stephan Heldmann, Joachim Lenz, Prof. Thomas Coelen, Matthias Weber-Vögle

Hohe Aufenthaltsqualität, klare Orientierung und kurze Wege

Neubau einer Grundschule mit Kindertagesstätte und Sporthalle

Das Europaviertel ist derzeit eines der größten innerstädtischen Entwicklungsgebiete in Frankfurt am Main; auf der 90 Hektar großen Fläche des ehemaligen Hauptgüterbahnhofs entsteht ein komplett neuer Stadtteil. In diesem werden zukünftig eine fünfzügige Grundschule, eine Kindertagesstätte (Kita) für sechs Gruppen und eine Zweifeld-Sporthalle benötigt. Der Magistrat der Stadt hatte einen entsprechenden Realisierungswettbewerb ausgelobt.

Dem Wettbewerb war ein qualifiziertes Bewerbungs- und Auswahlverfahren vorangegangen, bei dem 25 Teilnehmer ausgewählt wurden. Angestrebt war die Teilnahme von drei „jungen Büros“. Betreut wurde der Wettbewerb von DU Diederichs Projektmanagement AG & Co. KG aus Frankfurt/Main zusammen mit scheuvens+wachten aus Dortmund.

Das längliche, 10.000 Quadratmeter große Wettbewerbsgrundstück wird im Süden, Westen und Norden von Straßen und im Osten vom Gleisfeldpark umschlossen. Vorgesehen ist eine Bebauung mit maximal vier oberirdischen Vollgeschossen. Synergieeffekte zwischen Schule und Kita waren gewünscht, Inklusion soll ermöglicht werden und gemäß eines Beschlusses des Magistrats müssen Neubauten der Stadt den Passivhausstandard erfüllen.

Teilnahmeberechtigt waren Architekten und Landschaftsarchitekten in bindender Arbeitsgemeinschaft. Die Außenanlagen der Schule und der Kindertagesstätte sollten räumlich getrennt sein und waren mit zu planen.

Das Preisgericht unter Vorsitz von Brigitte Holz vergab einstimmig die folgenden drei Preise und drei Anerkennungen und empfahl, „die in der schriftlichen Bewertung formulierten Kritikpunkte des Preisgerichts und die bei der Vorprüfung festgestellten Defizite im Rahmen der VOF-Verhandlungen zu thematisieren“.

Der erste Preis ging an dasch zürn architekten aus Stuttgart und Schelhorn Landschaftsarchitektur aus Frankfurt/Main. Sie schlugen ein im Westen des Grundstücks platziertes Gebäude mit einem mehrfach geknickten Grundriss vor. Der gemeinsame Eingangsbereich für Schule und Kita – jedoch mit getrennten Eingängen – liegt im Südwesten und die Freianlagen öffnen sich zum östlich angrenzenden Park. Im Gebäudeinneren entstehen durch die Grundrissform sich weitende und verengende Flurzonen, in die Lern- und Spielzonen integriert sind. Das nördliche Gebäudeende bildet die zur Hälfte ins Erdreich eingegrabene Sporthalle, das südliche die zweigeschossige Kindertagesstätte. Dazwischen ist die viergeschossige Grundschule positioniert: Foyer, Mensa und Funktionsräume im Erdgeschoss, Verwaltungsbereich und Ganztagsbetreuung im 1. Obergeschoss und die Unterrichtsräume im 2. und 3. Obergeschoss. „Der Entwurf zeigt sich als überzeugende, differenzierte architektonische Gesamtfigur und löst sich deutlich von der orthogonalen, geometrischen Baustruktur des Umfeldes. (...) über die freie Architektur und Gebäudeform wird eine klare Adresse formuliert“, so das Preisgericht. „Eine prägende und überragende Qualität des Entwurfs“ sei zudem „die Verflechtung von Außen- und Innenbereich“, wobei die Freiflächen „in ihrer Gliederung den unterschiedlichen Altersstufen“ entsprächen. Die Gestaltung des Kita-Foyers, die Platzierung des U3-Bereichs im Erdgeschoss und „die hohe Aufenthaltsqualität der Verkehrsflächen in den oberen beiden Etagen der Schule“ überzeugten die Preisrichter ebenfalls. Ihr Fazit: „Den Verfassern gelingt es, die vorgegebenen Funktionen in sinnvoller Weise zu organisieren und stimmig zuzuordnen. Die räumliche Gliederung zeichnet sich durch eine klare Orientierung und kurze Wege im Gebäude aus. Der Entwurf erfüllt die Flächenanforderungen, ist in sich funktionstüchtig und eröffnet vielfältige Möglichkeiten für die Umsetzung pädagogischer Konzepte. Insgesamt stellt der Entwurf einen sehr guten Lösungsbeitrag dar, der sich neben städtebaulichen Qualitäten insbesondere durch seine innenräumlichen Qualitäten auszeichnet.“

Die Zweitplatzierten, löhle neubauer architekten aus Augsburg und ver.de landschaftsarchitektur GbR aus Freising, wählten einen anderen Ansatz. Sie entwarfen ein rechteckiges, zweigeschossiges Gebäude mit zwei Innenhöfen, das ebenfalls im Westen des Grundstücks steht. Das Gebäude orientiere sich „in seiner Höhenentwicklung nicht vordergründig am städtebaulichen Kontext, sondern (...) am kindlichen Maßstab der Nutzer“ und werde „als Sonderbaukörper des öffentlichen Kulturbereichs wahrgenommen“, so die Preisrichter. Im Erdgeschoss befinden sich die Räume der Kita und die von allen Kindern genutzte Mensa, im Obergeschoss die Schulräume. „Die Nutzungsbereiche im Erdgeschoss sind schlüssig angeordnet und durch geschützte Hofbereiche verbunden, was eine schnelle und intuitive Orientierung möglich macht“, lobten die Preisrichter. Die Hofbereiche bildeten „identitätsstiftende und Geborgenheit bietende Lern- und Spielräume“ und „die Größen und Zuordnungen der Freiflächen, mit Ausnahme des U3-Bereichs.“ seien „positiv“. Der Entwurf überzeuge „mit der fein justierten Subtraktion des Gebäudevolumens in terrassierte Höfe und zenitbelichtete Binnenbereiche, mit einem ruhigen und besonnen entwickelten Schul- und Kita-Gebäude, das durchweg eine gute raumproportionale Fügung und eine sehr gute Funktionalität aufweist“, so das Fazit der Preisrichter.

Den dritten Preis erhielten D'Inka Scheible Hoffmann Architekten aus Fellbach und lohrberg stadtlandschaftsarchitektur PartGmbB aus Stuttgart. Sie platzierten die Sporthalle in der Mitte ihres Gebäudes, das annähernd die gesamte Grundstücksbreite einnimmt. Im nördlichen zweigeschossigen Teil befindet sich die Kita – im Erdgeschoss die U3-Gruppen und im 1. Obergeschoss die Ü3-Gruppen – und im südlichen viergeschossigen Gebäudebereich die Schule. Die Außenräume sind in den Gebäudekörper integriert: Der Pausenhof der Schule befindet sich auf dem Dach der zur Hälfte ins Erdreich eingegrabenen Sporthalle und die Außenräume der Kita im Erdgeschoss zwischen Kita und Sporthalle sowie im 1. Obergeschoss auf einer seitlichen Dachfläche. Die Schule gliedert sich in Mensa, Bibliothek und Mehrzweckraum im Erdgeschoss, Verwaltung, Ganztagsbetreuung sowie Fachräume im 1. Obergeschoss und die Klassenräume im 2. und 3. Obergeschoss. „Durch die Übernahme der Bauflucht und der Bauhöhe an der (südlichen) Pariser Straße ist die städtebauliche Einbindung in diesem Bereich sehr gut gelungen“, so das Urteil der Preisrichter. Die Baukörperkomposition in der Abfolge Schule – Sporthalle – Kita ergebe „ein ausgewogenes, zusammenhängendes und dennoch differenziertes äußeres Erscheinungsbild“ und die Schule sei „mit klarer Grundrissstruktur kompakt um eine innere Halle entwickelt“.

Drei gleichrangige Anerkennungen vergab das Preisgericht zudem an die Arbeitsgemeinschaften: o5 Architekten  – Raab Hafke Lang GbR, Frankfurt am Main, und KuBuS freiraumplanung GbR, Berlin, sdks architekten gbr dummert kirschner sonek, Darmstadt, und Götte Landschaftsarchitekten GmbH, Frankfurt am Main sowie menzel | kossowski Architekten, Darmstadt, und Loek Angela Bezzenberger, Darmstadt.

Kerstin Mindermann